Gemeinsam statt einsam

Kapellmeister Björn Weinmann dirigierte die Stadtkapelle online

Zweibrücken. Nachdem die neuen Pandemie-Verordnungen der Stadtkapelle einen dicken Strich nicht nur durch alle für Mai geplanten Konzerte, sondern auch durch Präsenzproben gemacht haben, probt Zweibrückens Vorzeige-Orchester jetzt online.

Erneut wurde das Gemeinschaftskonzert mit der Rockband Purple Haze verschoben. Diesmal auf Dezember 2021. Zweibrücken. „Heute Abend wird die Hütte voll“, freute sich Björn Weinmann, Leiter der Stadtkapelle Zweibrücken, als immer mehr Musiker auf dem Zoom-Bildschirm auftauchten. Mit während der Pandemie lang gewachsenem Künstlerhaar führte der Kapellmeister durch die Online-Probe, mit der auch die Stadtkapelle sich mittlerweile „auf Kurs“ hält.

Eigentlich hatten die rund 45 Mitglieder inklusive der Erwachsenen- wie der Jugendbläserklassen gehofft, nach Ostern wieder mit Präsenzproben zu beginnen.

Für Ende April oder Anfang Mai wollte die Stadtkapelle ihre im Coronajahr 2020 auf dem Schlossplatz begonnene „Standkonzert-Reihe“ fortsetzen. Für das erste Maiwochenende war ein Auftritt zur Eröffnung des rheinland-pfälzischen Kultursommers beim Straßentheater-Spektakel geplant, für 16. Mai die Eröffnung der Konzertsaison im Rosengarten, dazwischen mehrere „Atempausen“ in der Alexanderskirche und Ende Mai die traditionelle Pfingstbegegnung mit der französischen Partnerstadt Boulogne sur Mer.

„Es ist manchmal schwer,

nicht depri zu werden“

„Es ist manchmal schwer, nicht depri zu werden“, räumt selbst der stets gut gelaunte Vereinsvorsitzende, Volker Lehner, mit Blick auf die säuberlich durchgestrichenen Auftrittstermine ein. Doch nach wie vor stirbt die Hoffnung zuletzt und nach wie vor gilt die Überzeugung der Musiker: „Wir werden es schon schaffen, weil wir gut zusammenhalten!!!“ So wurde „Rock meets Brass“, das ursprünglich von 2020 auf Mai 2021 verschobene Gemeinschaftskonzert der Rockband Purple Haze, der Stadtkapelle Zweibrücken und WERAREONE, erneut vertagt und soll – so die Pandemiemaßnahmen der Bundesregierung es gestatten – am 11. Dezember in der Zweibrücker Festhalle steigen. Die bereits für das Konzert im vergangenen Mai gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit. Denn „aufgeben“ ist für die Stadtkapelle keine Option. Deshalb entschloss sich das Orchester dazu, jetzt den Schritt zur Online-Probe zu wagen. „Das klappt ganz gut“, fasst der Vorsitzende die Rückmeldung aus der Gruppe zusammen. Zwar sind noch nicht alle Instrumentalisten an Bord, doch quer durch alle Altersstufen kommt regelmäßig die gute Hälfte zusammen. Jeder Musiker hört dabei lediglich das, was Björn Weinmann sowohl einspielt als auch live dazu musiziert. Je nach Bedarf, wechselt der vielseitige Blasmusiker dabei die Instrumente. Seit Jahresbeginn üben die Musiker im stillen Kämmerlein jeder für sich nicht nur ihre bekannte Konzert-Literatur, sondern erarbeiten sich mit Noten und Akustik-Aufnahmen selbstständig ihre Stimme für neue Stücke.

„Unser hohes Niveau können wir auf diesem Weg nicht halten. Deshalb spielen wir jetzt Werke, die Spaß machen und toll klingen, ohne uns zu aktuell zu überfordern“, beschreibt Volker Lehner. Zum „eher gemütlichen“ Einstieg wählte Björn Weinmann bei der Probe Santana, gefolgt von „Oh, when the Saints goes marching in“, einem Gute-Laune-Titel schlechthin. Doch eines Stimmungsaufhellers bedarf es gar nicht, denn die Freude am gemeinsamen musizieren und sei es am PC ist den Teilnehmern deutlich anzumerken. Hoch konzentriert wird gearbeitet und dennoch: „Kannst Du uns nicht die Einsätze geben. Damit habe ich so echt Probleme“, bat Trompeter Walter Rimbrecht und erntete vielseitiges Kopfnicken. Die Technik spielte mit, denn „wenn der Ton hängt, hängt auch das Bild. Das läuft tatsächlich synchron“, erfuhr Björn Weinmann auf seine Nachfrage. Bei dem neuen Stück „Tetris“, bei dem, wie bei dem gleichnamigen Spiel, zahlreiche Elemente passgenau zusammen geführt werden müssen und vor allem bei dem neuen Medley mit Evergreens aus aller Welt war das Dirigat äußerst hilfreich. „Das ist ja an sich kein Hexenwerk, bis auf die Tempowechsel“, ermutigt Björn Weinmann. Doch nicht nur dafür ist eine Online-Probe hilfreich. Fragen lassen sich sofort beantworten. Doch mindestens so wichtig ist der soziale Aspekt. Volker Lehner bestätigt: „Man sieht sich. Das fördert den Zusammenhalt in der Gruppe und nährt die Hoffnung.“ cvw

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