Gedenken und Versöhnung

Bourbon-Lancy und Saarwellingen erinnern an das Ende des Ersten Weltkriegs

SAARWELLINGEN Zwischen Saarwellingen und der französischen Stadt Bourbon-Lancy besteht eine Städtepartnerschaft. Die Freundschaft zwischen diesen beiden Städten steht symbolisch für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Nun, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, hat Bourbon-Lancy die deutschen Partner aus Saarwelligen eingeladen. Als Gäste kamen aus dem Saarland Bürgermeister Manfred Schwinn, Mitglieder des Partnerschaftsvereins und eine Delegation von pax christi, unter der Leitung von Waltraud Andruet. Diese war von der dortigen Friedensbewegung direkt eingeladen worden, unter anderem von Daniel und Simone Clément, die seit Jahren in der Friedensarbeit sowie in den Bereichen Städtepartnerschaft und Entwicklungspartnerschaft aktiv sind.

Weit offen standen die Türen im Haus des französischen Gastgebers Daniel mit seiner Frau Simone. Das wäre zu Zeiten des Ersten Weltkrieges noch undenkbar gewesen. Im Jahr 2018 wurde in Bourbon-Lancy nicht des Sieges über den damaligen Kriegsfeind Deutschland gedacht, sondern vornehmlich dem endlich im November 1918 geschlossenen Frieden. Der Erste Weltkrieg war für alle Beteiligten schrecklich und brachte viel individuelles Leid über unzählige Familien in Deutschland wie in Frankreich.

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges beging man in Bourbon-Lancy nun das „Année de la Paix“ (Jahr des Friedens). Daher wurde im städtischen Kino Rio Borvo die bekannte europäische Koproduktion aus dem Jahr 2005 „Merry Christmas/Joyeux Noël/Fröhliche Weihnachten“ gezeigt. Diese als Antikriegs-Film bezeichnete Regiearbeit von Christophe Rossignon beruht auf wirklichen Vorkommnissen vom Heiligabend 1914, an dem sich die Frontsoldaten gegenseitig verbrüderten und ’ihren’ befohlenen Krieg einstellten, bis sie die raue politische Gegenwart jener Zeit auf den Boden Realität zurückholte. Im Anschluss daran wurde über das Schicksal der Soldaten in den Schützengräben diskutiert.

Auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich wurden die Gäste aus Saarwellingen bei der Gedenkfeier in Bourbon-Lancy namentlich erwähnt und herzlich begrüßt. In Anwesenheit von Vertretern des französischen Militärs, der Reservisten- und Heimatverbände, der Polizei, der Feuerwehr erinnerte man würdevoll an das Ende des Ersten Weltkriegs. Die deutsche Gruppe von pax christi rief durch ihre Vertreterin Waltraud Andruet vor der neugotischen Kathedale von Bourbon-Lancy in einer kurzen Rede zum Frieden auf. Für die Vertreter der deutschen Friedensbewegung war das Motto „Vive la paix“ ein grundlegendes verbindendes Element, das auch in den abschließenden Gottesdienst miteingebracht wurde. red./dl

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