Fridays for future

Auch in Neunkirchen hat die Klima-Schutz-Bewegung Fuß gefasst

NEUNKIRCHEN Am Mittwoch, 9. Oktober gab es im Neunkircher Rathaus ein Gespräch über den kommunalen Klimaschutz. Geladen waren Vertreter von Fridays For Future Neunkirchen, der KEW, der Sparkasse und des Umweltamtes, um mit der städtischen Klimaschutzbeauftragten und Oberbürgermeister Jörg Aumann Resümee zu ziehen über bereits geleistete Anstrengungen und um Ideen zu sammeln, wie es weitergehen soll, mit dem Klimaschutz in der Stadt.

„Das Treffen war auf Augenhöhe“, so Santino Klos, Sprecher von Fridays For Future Neunkirchen. An Fridays For Future wurde der Vorschlag gerichtet, ihre Forderungen aufzuschreiben, und auch an die Öffentlichkeit weiterzugeben.

Die Position von Fridays For Future Neunkirchen

Die Pariser Klimaziele sind keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Es geht um nichts anderes als um die Sicherung unserer Zukunft und unserer Existenzgrundlage. Wir stellen in Deutschland ein Prozent der Weltbevölkerung, haben aber in unserer Geschichte fünf Prozent der fossilen Brennstoffe verfeuert. Auch heute noch produzieren wir weiterhin jährlich zwei Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen. Die Folgen muss – global wie regional – die ärmere Bevölkerung tragen, obwohl die den geringsten Anteil der Emissionen verursacht.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen reicht das Maßnahmenpaket der Bundesregierung nicht aus, um den bundesdeutschen Anteil an der Verantwortung zu übernehmen. Die Rolle, die den Kommunen im Klimaschutz zufällt, wird dadurch umso wichtiger.

Stadtklima vor Hitzewellen schützen

Auch in Neunkirchen ist der Klimawandel längst spürbar geworden. So mussten während der Hitzewellen im Sommer viele unserer Senioren ärztlich versorgt werden. Auch hier trifft es die ärmeren zuerst: sie können sich keine Klimaanlagen leisten, und leben nicht unbedingt am kühlen Waldrand.

Durch die Lage gibt von Neunkirchen einige Möglichkeiten, das Stadtklima bei Hitzewellen zu kühlen, und so die Bevölkerung zu schützen. Dazu sind vor allem die Wälder in den Höhenlagen um die Stadt von aller größter Bedeutung. Hierzu muss mit dem Saarforst ausgehandelt werden, dass möglichst viel Wald zum „Urwald“ ausgewiesen wird. In naturnahen Waldgebieten liegen die Temperaturen um bis zu 15 Grad tiefer als in der Stadt. Mithilfe von „Frischluftschneisen“ kann die Stadt gekühlt werden.

Attraktiver für umweltfreundliche Firmen

In Deutschland hat die Stahlindustrie als Arbeitgeber viel von ihrer Bedeutung verloren, wobei im Sektor Umweltschutz die Zahl der Beschäftigten stark zunimmt. Kurz: Zeitgemäße, umweltfreundliche Unternehmen bringen neue Perspektiven sowie Arbeitsplätze, vor allem für die jüngere Bevölkerung. Entsprechend wichtig ist es uns, dass Neunkirchen seine Bemühungen verstärkt, um umweltfreundliche Unternehmen anzusiedeln und zu unterstützen.

Dabei sind besonders kleine, Ressourcen-schonende, lokale Betriebe zu berücksichtigen, die in den letzten Jahrzehnten in der Innenstadt immer seltener geworden sind. Darauf gehen wir unter Punkt 1.2 der folgenden Forderungen genauer ein.

Forderungen an die Stadt und die Industriebetriebe

1) Reduktion der Klimagase, EvaluationSchon vor einem Jahrzehnt hat sich die Stadt auf den Weg gemacht, und ein „Integriertes Klimaschutzkonzept“ erstellen lassen, das 2013 erschien. Wir von Fridays For Future Neunkirchen begrüßen diese Bemühungen, und sehen der bereits Umgesetzten Maßnahmen mit großem Interesse.

Um die Erfolge in der Klimapolitik nachvollziehbar zu machen, müssen jedoch konkrete Ziele formuliert werden, die Dokumentiert und nachprüfbar sind. Am Ende jedes zweiten Jahres sollte die Bevölkerung anhand eines Rechenschaftsberichtes über die Erfolge bzw. Problematik informiert werden.

Als Hilfestellung für die Evaluation empfehlen wir das Modul 5 des „Klimalotsen“, der speziell für Kommunen auf der Website des Umweltbundesamt zur Verfügung gestellt wird, und auf den wir im Weiteren nochmals zurück kommen werden.1.2) Zu den Emissionen in Neunkirchen:

Uns ist auch aufgefallen, dass sich die meisten Klimaschutz-Bemühungen der Stadt auf die

Einsparung von Emission von Kommunen oder Bürgern und Haushalten beziehen. Im Jahr 2010 hatten Stadt und private Haushalte gemeinsam nur 20 Prozent der verursachten Emissionen zu verantworten. 80 Prozent des CO2- Ausstossen verursachte die Neunkircher Industrie. (Quelle: Klimaschutzkonzept der Stadt Neunkirchen) Aus diesem Grund fordert Fridays For Future Neunkirchen die Anpassung der Standortfaktoren an die Bedürfnisse klimafreundlicher

Unternehmen, die zudem zukunftsfähige Arbeitsplätze stellen:

Laut Umweltbundesamt haben sich von 2002 bis 2017 konkret im Umweltschutz die Beschäftigtenzahlen von 1,452 Mio auf 2,835 nahezu verdoppelt. In diesem Zeitraum sind in der gesamten Industrie – in Betrieben über 50 Beschäftigten – 400000 neue Stellen entstanden.

Auch die Unterstützung, die FFF von Seiten der Wirtschaft in Form der „Entrepreneurs For Future“ (E4F) bekommen, erkennt man die wachsende Entschlossenheit für den Klimaschutz. Zur Erweiterung der Standortfaktoren für innovative, zukunftsgerichtete, klimafreundlich bzw. klimaneutrale Industrie fordern wir einen größeren Absatzmarkt für Lokal produzierte Produkte.

Durch den hohen Filialisierungsgrad in der Innenstadt von Neunkirchen werden hier vor allem Produkte internationaler Hersteller angeboten, so wird das Verschwinden ortsansässiger Unternehmen und Handwerksbetriebe gefördert, die ihre Produkte in der Stadt selbst kaum verkaufen können. Hier ist beispielsweise die Biermanufaktur Bach zu nennen, die in Saarbrücken einen viel größeren Absatzmarkt hat als in Neunkirchen. Klimafreundliche und Innovative Unternehmen werden aufgrund dieser Tatsache nicht unbedingt von der Kreisstadt angezogen.

Standortfaktoren:

2) Stadtbild und BürgerbeteiligungIn Neunkirchen ist eine extreme Vermüllung zu beobachten. Für das Stadtbild ist das eindeutig kein Pluspunkt. Zum einen fordern wir mehr Mülltrennungsmöglichkeiten an öffentlichen Plätzen. Zum anderen sehen wir die Vermüllung als Folge der Problematik der sozialen Ungleichheit.

In einem Punkt war man sich einig: Es braucht mehr Neunkircher, die ihre Belangen in das Stadtgeschehen einbringen. Der politische Diskurs braucht mehr Bürgerbeteiligung, und zwar aus den unterschiedlichsten Gruppen der Bevölkerung.

Jugendbeteilung ist auch Bürgerbeteiligung. Wir als Jugendliche fordern deshalb eine Möglichkeit in Neunkirchen sich zu beteiligen. Hierbei wäre eine Koorperation mit dem Jugendzentrum (JUZ) denkbar. Das JUZ Neunkirchen ist für Jugendliche kaum sichtbar und auch ziemlich außerhalb der Innenstadt. Deshalb fordern wir eine Verlagerung des JUZ Neunkirchen in Richtung Innenstadt. Hier könnten auch Umweltthemen aufgegriffen, sowie Kampagnen gegen Müllverschmutzung, zusammen mit der Stadtverwaltung, entwickelt werden.

Um mehr Außenwirksamkeit für Neunkirchen als klimafreundliche und bemühte Stadt zu bewirken, empfehlen wir den Beitritt zu regionalen und überregionalen Klimaschutz-Netzwerken (beispielsweise dem Klimaschutzbündnis), um sich über die Erfahrungen im Klimaschutz auszutauschen.

Um das städtische Engagement zu betiteln, und für die Selbstverpflichtung zu mehr Klimaschutz, fordern wir das Ausrufen des „Klimanotstandes“. Hiermit macht die Stadt überregional und sogar international verständlich für was sie einsteht, und kann somit auch die eben beschriebene Industrie anziehen. Bereits diesen Sommer hatten schon viele Menschen in diesem Stadtgebiet mit deutlichen Folgen von Überhitzung zu leiden.

Wir fordern, dass in allen Ausschüssen und Räten der Stadt die Entscheidung unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsdreickes getroffen werden. Das heißt, dass möglichst gleichwertig nach finanziellen, ökologischen und sozialen Faktoren entschieden wird.

In der Stadtplanung muss die Abkühlung des Stadtklimas mit dem Fokus auf Klimagerechtigkeit Priorität sein, um zum einen der Bevölkerung profitable Seiten des Klimaschutzes zu zeigen, und sie so zu mehr Eigenengagement zu motivieren, zum anderen aber auch in Vorbereitung auf zukünftig immer heftigere Hitzewellen. Dafür müssen mehr Schattenplätze im öffentlichen Bereich, Frischluftschneisen zur Kühlung sowie Verdunstungsmöglichkeiten durch eine geringere Flächenversiegelung geschaffen werden.

Unsere Forderungen adressieren wir an die Menschen mit dem meisten Einfluss. Wir sind dankbar für alle kleinen Schritte, die den Klimaschutz weiter voranbringen aber möchten betonen, dass wir mehr Übernehmen der Verantwortung in den entscheidenden Stellen in der Politik und Industrie einfordern.red./eck

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