Folgen der Trockenheit kritisch

Landwirtschaftliche Betriebe in der Südwestpfalz hoffen auf Regen

SÜDWESTPFALZ Die anhaltende Trockenheit und ihr Einfluss auf die landwirtschaftlichen Betriebe ist schwierig, aber noch nicht dramatisch, berichtet der Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Norbert Schindler. Nach einem extrem trockenen April sorgte wenigstens der Mai für einige Niederschläge.

Doch die Wahrscheinlichkeit einer neuen Dürreperiode ist weiterhin hoch, sagen Meteorologen voraus. Mit Spitzenernten werde man nicht mehr rechnen können, noch drohe kein Ernteausfall, die Situation sei noch nicht dramatisch. „Die Lage wird jedoch derzeit unterschiedlich beurteilt. Neben der Trockenheit sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie ebenso deutlich spürbar“, erläutert Schindler.

Ein Blick in die landwirtschaftlichen Bereiche gibt Aufschluss über die Lage. „Die Preise für Getreide haben etwas angezogen. Europaweit sind die Aufwuchsbedingungen eher schlecht, aber die Wetterlage kann sich rasch ändern“, unterstreicht Harald Kopp vom Kammer-Fachreferat Betriebswirtschaft und Markt und fügt hinzu: „Manchmal reicht da schon ein bisschen Regen, und die Preise gehen wieder runter“.

Anders sieht die Lage etwa bei den Milchbauern aus, die sich um das Futter für ihre Tiere sorgen. „Der erste Schnitt steht an, manche Landwirte haben den ersten Schnitt auch schon eingefahren. „Bleibt das trockene Wetter, wird das Grundfutter knapp und die Heupreise werden steigen, was auch Auswirkungen auf den Mischfuttermarkt hat“, prognostiziert der Kammer-Fachreferent. Landwirte müssen bei weiterer Trockenheit viel Futter zukaufen, das wird manche Betriebe vor erhebliche Probleme stellen.

Kopp weist auch daraufhin, dass der Markt für Milch und Fleisch unter Druck steht, allerdings bedingt durch die Corona-Pandemie. „Wenn jetzt die Viehhalter aufgrund der anhaltenden Trockenheit und fehlendem Futter die Bestände verkleinern, kommt mehr Fleisch auf einen geschwächten Markt“, vermutet Kopp.

Darüber hinaus zeugen deutliche Trockenrisse im Boden einiger Raps-Anbauflächen von einer Phase ohne Regen. Der Raps warf auch teilweise Blüten und auch Schoten ab. Die ausbleibende Nachfrage aus der Gastronomie und ausgefallene Veranstaltungen im Frühjahr sowie im weiteren Jahresverlauf haben ebenfalls erhebliche negative Effekte für die betroffenen Landwirte und Bierbrauer.

Im Gemüsebau, bei Baumschulen und bei Zierpflanzen gehören Bewässerungsanlagen zum Standard. Ohne Bewässerungsanlagen ist in diesen Breiten kein Gemüseanbau möglich, daher habe die Trockenheit zunächst auch nur Auswirkungen auf den Preis der Produkte, gibt Kopp zu bedenken. Die Obstbäume kommen dagegen mit anhaltender Trockenheit anfangs noch gut klar. Sie seien mit ihren Wurzeln besser gegen Trockenheit gerüstet als andere Pflanzen, wobei die Trockenheit irgendwann auch hier ein Problem wird.

„Wenn es weiterhin nicht regnet, kann man von einer Dürre sprechen“, stellt Landwirt und Ortsbürgermeister Dieter Glahn fest, der in Großbundenbach im Vollerwerb einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet. „Eine erneute extreme Hitze können die Pflanzen jedoch gar nicht vertragen, da der notwendige direkte Kontakt von Wurzel und Boden, je nach Bodenart, nicht zustanden kommt. Die Wurzeln können vertrocknen und keine Nährstoffe und Wasser aufnehmen, dies bereitet mir ebenso wie die anstehenden mangelnden Futterreserve für die Tiere große Sorgen, wobei der Markt auf jeden Fall funktionieren muss“. erklärt Glahn. rb

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