Fit bleiben ist das oberste Ziel

Leichtathleten trainieren auch in Corona-Zweiten – unter erschwerte Bedingungen

BLIESDALHEIM Ohne sportliche Pause absolvierte ein Leichtathletenquartett der LG Bliestal in Eigenverantwortung ihr Training während der Corona-Zeit seit Mitte März. Die 17-jährige Blieskastelerin Paula Breininger, Annika Grieser (15) aus Bliesdalheim, der 14-jährige Wolfersheimer Robin Blumenauer und Raphael Motsch (17) aus Bliesdalheim, trainierten in dieser Zeit je nach geltender Bestimmung alleine oder wieder zusammen, hauptsächlich auf dem Sportplatz in Bliesdalheim.

Das Alternativtraining erfolgte individuell nach Plänen ihres Coaches Andreas Schanding. Vereinstraining war wegen der Einschränkungen der Corona-Pandemie nicht möglich, sodass dies für die vereinseigenen Kaderathleten die einzige Chance darstellte, sich in Eigenverantwortung einigermaßen fit zu halten. Schanding hatte Anfang des Jahres das Training erheblich umgestellt, brachte seine Erkenntnisse aus dem B-Trainerlehrgang für Leichtathletik-Sprint ein, den er im Dezember 2019 am Olympiastützpunkt in Berlin absolvierte.

Der Trainingsumfang wurde gekürzt und dafür die Trainingsintensität erhöht. Längere Regenerationspausen und Regenerationsprogramme sorgen für mehr Maximalkraft und Schnelligkeit. Auch jetzt noch steht ihnen nur der vereinseigene Platz an der Wolfersheimer Straße zum Trainieren bereit. Um Sprintstrecken bis 200 Meter zu absolvieren, sind auch zeitweise Trainingsintervalle im Europäischen Kulturpark in Reinheim eingebaut. Als Krafttraining helfen provisorische Trainingsgeräte wie Traktor- und Autoreifen oder auch Kraftschlitten mit Gewichten, um den Kraftlevel zu halten, zumal die üblicherweise im Fitness-Studio absolvierten Einheiten aus bekannten Gründen nicht möglich waren.

„Stand heute ist noch kein Wettkampf in Aussicht“, so Schanding, der in seiner aktiven Zeit zahllose Titel vor allem in Sprintdisziplinen eingesammelt hatte. So sei auch die in Zweibrücken stattfindende Süddeutsche Meisterschaft abgesagt, die Deutsche Meisterschaft in Ulm auf Mitte September verlegt. Wann die Qualifikationen dafür gelaufen werden sollen beziehungsweise können ist fraglich. Raphael, Paula und Annika hatten wie im letzten Jahr auch wieder ein zehntägiges Trainingslager in Italien geplant, welches abgesagt werden musste. Das soll entweder im Herbst oder nächstes Jahr an Ostern nachgeholt werden.

Kein Training auf Tartanbahn

Was sich negativ auswirkt und sie gegenüber der Konkurrenz benachteiligt, so Schanding, sei der Umstand, dass sie nicht auf einer Tartanbahn trainieren können, auch in den Tagen nach der Öffnung von Trainingsmöglichkeiten durch die Lockerungen innerhalb der saarländischen Corona-Rechtsverordnung. Der Verein würde jedoch daran mit viel Aufwand arbeiten, damit dies wieder möglich ist. Raphael Motsch kann zumindest mittlerweile wieder einmal wöchentlich am Training des Sprung-Kaders an der Sportschule in Saarbrücken teilnehmen.

Alle fühlen sich hoch motiviert und fiebern Wettkämpfen entgegen, von denen noch keiner terminiert ist. Schanding kündigte jedoch an, dass ein Abbruch der Saison dann wohl unvermeidbar wäre, sollte sich die Situation in den kommenden Wochen nicht ändern. „Mindestens acht bis zehn Wochen müssen wir auf Tartan trainieren, um wieder Titel holen zu können. Ansonsten kommen wir an unsere Leistungsgrenze nicht ran und bringen nur 95 bis 98 Prozent und das bringt dann einfach nichts. Wir sind gewohnt, im Vergleich zu größeren Vereinen mit weitaus geringeren Trainingsbedingungen klarzukommen und trotzdem unser Bestes rauszuholen, aber diese Ungleichheit können wir dann einfach nicht mehr aufholen“ so die Athleten.

„Es ist schade, da die Jungathleten schon teils über zehn Jahre trainieren und seit drei Jahren fast täglich zwei bis drei Stunden mit Herzblut dabei sind“, so Schanding. Dies zeigten auch die paar mitgenommenen Wettkämpfe in der Halle. So waren die Süddeutsche Meisterschaft der Jugend in Sindelfingen im Februar und im Januar die saarländischen Hallenmeisterschaften die letzten größeren Wettkämpfe vor der Mitte März eingetretenen Zwangspause. Dabei zeigten alle vier Sportler gute Leistungen, obwohl man bewusst kein Augenmerk auf die Hallensaison legen wollte. Sie unterstrichen mit ihren Leistungen ihre Ambitionen, auch in der Freiluftsaison eine gute Rolle zu spielen.

Guter Jahreseinstieg

Auch die jüngeren Athleten aus der Gruppe von Bianca Grieser und Hiltrud Weber hatten mit dem Staffelsieg bei den Saarlandmeisterschaften über 4x100 Meter mit Robin Blumenauer, Torben Grieser, Nils Lippmann und Jonathan Nomine einen guten Jahreseinstieg. Blumenauer wurde zudem Zweiter über 60 Meter und im Weitsprung. Raphael Motsch verteidigte seinen Titel im Weitsprung mi 6,03 Meter. Bei den süddeutschen Meisterschaften lief Annika Grieser mit 8,50 Sekunden Saisonbestleistung über 60 Meter. Paula Breininger verpasste bei den Süddeutschen Meisterschaften mit neuer Bestleistung von 7,94 Sekunden im Halbfinale nur um zwei Hundertstel den Einzug in den Finallauf und war damit Saarlands Schnellste in dem Wettbewerb.

Darüber hinaus liefen Raphael und Robin Bestleistungen im 60-Meter-Sprint. Insgesamt haben die vier Nachwuchstalente in den letzten Jahren 26 Landesmeistertitel errungen, teils mehrfache Finalteilnahmen bei Süddeutschen Meisterschaften und Qualifikation für Deutsche Meisterschaften. red./ott

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