Faszinierende Winzlinge

ZWEIBRÜCKEN Myxomyzeten oder „Schleimpilze“ – eine Lebensform im Verborgenen mit einem außergewöhnlichen Lebenswandel. Ein Vortrag bei der VHS Zweibruecken am 6. November führt in die faszinierende Welt dieser kleinen Kreaturen ein.

Wenn im Herbst Scharen von Pilzsuchern in die Wälder strömen, geht es dabei in erster Linie um schmackhafte Speisepilze, wobei die Frage genießbar oder ungenießbar, giftig oder ungiftig für den geplanten nachfolgenden Verzehr von elementarer Bedeutung ist. Pilzberatungsstellen leisten hier wichtige Dienste, um die zahlreichen vorkommenden Arten für Laien und Anfänger, aber auch für nicht ganz sattelfeste Pilzkenner zu unterschieden und für die nächste Mahlzeit auszusortieren. So wandern an schönen Tagen oft große Mengen von Steinpilzen, Maronenröhrlingen oder Champignons in Sammelkörbe und Kochtöpfe.

Eine ganz andere Herausforderung stellt die Spezies der Schleimpilze oder Myxomyzeten dar. Im Bereich von Millimetern oder noch kleiner angesiedelt, sind sie ohne kulinarische Bedeutung und bleiben so auch den meisten Menschen verborgen. Bisweilen findet man bei einigen Arten auch größere ausgedehnte Vorstufen, die sogenannten Plasmodien. Die gelbe Lohblüte beispielsweise ist dem einen oder anderen als quietsch gelbe Fladen auf Rindenmulch oder Grünschnitt bekannt. Aber wer nimmt schon die winzigen weißen oder gelben Perlchen mit oder ohne Stielchen wahr, die in einer Ecke des Komposthaufens oder auf einem alten Baumstumpf heranwachsen und nach ein paar Tagen wieder verschwunden sind. Oder wie Badhamia utricularis noch ein paar Tage als winzige blaue Bommelchen herabhängen.

Wer immer Schleimpilze sammelt, muss Totholzstubben, Grashalme oder Kompostflächen ganz gezielt absu-chen, um der kleinen Gesellen gewahr zu werden. Nicht der kulinarische Genuss spielt hier eine Rolle – das wäre absurd – sondern das Finden, das Staunen und das Bestimmen der Art; oftmals auch das Einlagern in winzigen Schächtelchen zu einem Herbar. Um Geruch oder Geschmack kümmert sich hierbei Niemand. Die Frage der Genießbarkeit stellt sich nicht - eher die Frage, wie man die Kerlchen unbeschadet nach Hause unter die Lupe oder das Mikroskop bringt. Sie sind leicht beleidigt, und sie nehmen eine raue Behandlung schnell übel. Druck und Erschütterungen mögen sie nicht; das Licht des Fotografen und die Hitze von Scheinwerfern vertragen sie schon gar nicht. Solcherlei Misshandlung quittieren die Schleimpilze mit ihrem baldigen Ableben.

„Schleimpilze“ sind nicht, wie ihr Name vermuten lässt, irgendwelche schleimige Pilze. Dabei gehören sie noch nicht einmal zum Reich der Pilze. Arcyria, Physarum, Cribraria - oder wie sie alle heißen - sind Zwischenwesen, halb zum Tierreich, halb zum Pflanzen- oder Pilzreich gehörend. Je nach Entwick-lungsstadium sind sie in ihrem bizarren Lebenszyklus mal das eine und mal das andere. Da sie so wenig bekannt sind, haben sie fast alle nur lateinische Namen. Die gelbe Lohblüte und der kleine rote Blutmilchpilz sind die große Ausnahme. Im letzten Stadium ihres Lebens gleichen viele Arten makroskopisch winzigen Pilzen, aber dies ist nur äußerlich. Sind sie doch alle zusammen eine einzige Zelle geblieben, so wie sie seinerzeit nach der Hochzeit zweier Amöben zu einem riesigen Einzeller herangewachsen sind.

Ist der Schleimpilzsucher einmal auf eine Fruktifikation, wie der Sporen tragende Entwicklungsstand heißt, gestoßen, eröffnet sich ihm ein hinreißendes optisches Spektrum, das vielfach erst unter dem Mikroskop seine ganze Schönheit offenbart.

Wer die wunderbare Welt der Myxomyzeten mit faszinierenden Einblicken in die Vielfalt dieser Winzlinge näher kennen lernen möchte, für den bietet die VHS Zweibrücken am Mittwoch, den 6. November, einen Vortrag für alle Interessierten an. Der Eintritt ist frei.

Text und Fotos:

Marion Geib

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de