Farbenspiele im Kirchenraum

Alle neuen, künstlerisch gestalteten Fenster der Abteikirche Tholey sind eingebaut

Tholey. Mit dem Einbau der letzten Fenster hat die Bayerische Hofglasmalerei nun ein kunstgeschichtlich bedeutsames Glasmalereiprojekt abgeschlossen: Jetzt begeistern in der Tholeyer Abteikirche „St. Mauritius“ Mahbuba Maqsoodis ausdrucksstarke Kompositionen auf Glas neben den abstrakt verspielten Chorfenstern von Gerhard Richter.

Die anfänglich teils umstrittene Zusammenführung der künstlerischen Positionen entfaltet kraftvoll und harmonisch das ganze Potenzial der Jahrhunderte alten Kunst der Glasmalerei und erfüllt den Kirchenraum mit kräftigen Farbspielen.

Das Projekt ist nicht nur wegen Richter etwas ganz Besonderes: Spektakulär ist außerdem, dass die Benediktinerabtei zu den ältesten deutschen Klöstern zählt, erstmals eine Afghanin wichtige deutsche Kirchenfenster gestaltete und eine von Frauen geführte Glaswerkstätte die Fenster umsetzte. So kann man getrost sagen, dass es sich um eines der größten und kunsthistorisch sowie glasmalerisch bedeutendsten Projekte unserer Zeit handelt.

Kunst aus meisterlicher Frauenhand

29 der insgesamt 32 neuen Kirchenfenster stammen von der Münchner Künstlerin Mahbuba Elham Maqsoodi. Sie konnte sich bei einem beschränkten, Kunstwettbewerb bei Stiftern und Bauherren durchsetzen.

Maqsoodis einzigartige gegenständliche Malereien sind durchdacht und in Perfektion ausgearbeitet. Ihre bühnenhaften inszenierten Werke bewegen sich zwischen Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem. Sie stellen Themen und Figuren des Alten und Neuen Testaments in einer sprachfähigen und zugleich rätselhaften Weise dar und prägen sie auf ihre Weise.

Die Betrachter der Maqsoodi-Fenster berührt die starke und anmutenden Farbigkeit und der Gestaltungsreichtum. Die Großformate und Charakterisierung der abgebildeten Akteure sowie die Gesamtkompositionen der gläsernen Gemälde zeugen von tiefem Verständnis der Glaubensbotschaften. Dies war auch schon Merkmal zahlreicher früherer internationaler Werke der Künstlerin.

Das Besondere an den figürlichen Darstellungen im typischen Maqsoodi-Stil ist die Kraft, die durch einen dynamischen Duktus, die intensive Farbgebung und durch die vollkommene Beherrschung des Materials zu Stande kommt. So schafft es die Künstlerin mit malerischer Virtuosität die Raum- und Lichtsituation optimal für ihre unverwechselbare Kunst zu nutzen. red./hr

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