Erster Forschungsband des Nationalparks

66 Autoren stellen Ergebnisse von kurz- und langfristigen Projekten zusammen

Birkenfeld. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald hat einen ersten Forschungsband vorgelegt. Obwohl er erst seit sechs Jahren besteht, gibt es und gab es in dem 100 Quadratkilometer großen Gebiet schon viele spannende kurz- und auch längerfristige Forschungs-Projekte. Die Ergebnisse einiger dieser Projekte wurden jetzt in einem ersten Forschungsband zusammengefasst, auf 257 Seiten, in 25 Beiträgen von 28 beteiligten Forschungs-Institutionen mit 66 Autoren.

Die darin veröffentlichten Ergebnisse zeigen den Nationalpark in vielfältiger Weise, wie die unterschiedlichen Seiten eines geschliffenen Diamanten. Nationalparke sind Schutzgebiete, in denen Natur Natur sein darf. Die oberste Priorität hat der Prozess-Schutz. Naturdynamische Entwicklungen können hier wieder ungestört von menschlichen Einflüssen nach ihren ureigenen Regeln und Gesetzen ablaufen. Sie spielen eine unersetzbare Rolle für viele bedrohte Tieren, Pflanzen und deren Lebensräumen. Mittlerweile gibt es in Deutschland 16 Nationalparke. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist mit seiner Gründung im Jahr 2015 derzeit der noch jüngste Nationalpark in Deutschland.

Im Rahmen dieses hohen Naturschutzzwecks erfüllen Nationalparke noch weitere Aufgaben, zwei davon sind Forschung und Monitoring. Sie sollen Erkenntnisse für den Naturschutz und den Umgang mit der Natur ermöglichen. Der Nationalpark möchte dieses Wissen teilen. Dr. Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamts hierzu: „Unser oberstes Ziel ist Natur Natur sein lassen. Obwohl unser Nationalpark gerade erst sechs Jahre alt geworden ist, zeigt sich schon an vielen Stellen Veränderung. Diese Veränderung gilt es zu dokumentieren und zu untersuchen. Wir möchten, dass dieses Wissen nicht in Aktenschränken und auf Festplatten verstaubt, sondern jedermann auch zugänglich gemacht wird. Das ist mit dem Forschungsband hervorragend gelungen“.

Als Entwicklungsnationalpark hat der Nationalpark Hunsrück-Hochwald zum jetzigen Zeitpunkt bereits 40 Prozent seiner Fläche sich selbst überlassen. Die Aufgabe der Nationalparkverwaltung ist, diese Fläche innerhalb von 30 Jahren auf insgesamt 75 Prozent zu erweitern. Dieser Prozess, die Veränderung und die Anpassung der Lebensgemeinschaften und Habitat-Strukturen wird mit intensiver Forschung und Monitoring begleitet.

Jan Rommelfanger ist Leiter der Abteilung Forschung, Biotop-, Wildtiermanagement. Er sieht die Forschung im Nationalpark auch als wichtigen Impulsgeber für einen Umgang mit der Natur – auch außerhalb des Naturschutzgebiets: „Forschung ist wichtig, um die Auswirkungen natürlicher Dynamik aufzuzeigen. Sie ist aber auch wichtig, die Folgen unseres menschlichen Handelns aufzuzeigen. Wir wollen darstellen, wie sich Lebensräume verändern, sich die Artenzusammensetzung verschiebt oder einzelne Arten ihr Verhalten anpassen, wenn der Mensch sich zurückzieht. Aus diesem Wissen können wir mitunter Hinweise erhalten, wie wir Flächen außerhalb des Nationalparks nachhaltiger nutzen können“.

Die Nationalparkverwaltung hat keine eigene Forschungsabteilung, sie stößt Forschungsvorhaben an, koordiniert und moderiert diese. Viele Hochschulen und Universitäten aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und auch darüber hinaus sind im Forschungsverbund um den Nationalpark eingebunden, ebenso die Ressortforschungsanstalten verschiedener Länder. Seit der Gründung des Nationalparks wird in einem Netzwerk gearbeitet.

Dr. Andrea Kaus-Thiel ist zuständig in der Nationalparkverwaltung für die Zusammenarbeit mit den Forschern: „Es ist toll zu sehen, mit welchen unterschiedlichen Methoden wir uns den Themen des Nationalparks nähern. Die Ergebnisse zeigen, dass wir immer nur Ausschnitte der Natur betrachten. Und diese Ausschnitte kann man aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten. Der Forschungsband kann nur ein erster Schritt in einem auf Dauer angelegten Freiluftlabor sein“.

Der aktuelle Forschungsband ist daher eine Momentaufnahme. Jeder Wissenschaftler liefert einen Baustein, aus dem sich ein derzeitiges Gesamtbild ergibt. Aber die Natur im Nationalpark ist im Wandel. Die bisherigen Ergebnisse werden auch zukünftig ergänzt und Zeitreihen fortgeführt. Neue Fragen werden aufkommen und weitere Forschungs-Projekte entstehen. Somit ist schon bei der Veröffentlichung des ersten Forschungsbands im Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald klar: eine Fortsetzung folgt.

Den Forschungsband findet man online über: www.nlphh.de/forschungsband. red./am

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