Erinnerung

WADERN „Ich heiße Hamza und bin gerade mal zwei Jahre alt. Ich bin auf der Flucht aus Syrien in der Türkei geboren. Meine Schwester Jana ist schon vier. Sie hat die Gräueltaten in ihrem Geburtsland miterlebt. Meine Mama hat als Lehrerin gearbeitet und die 1. Klasse überwiegend in den Fächern Arabisch und Mathematik unterrichtet. Mein Papa war als Sport-Offizier in der Armee tätig.

Es ist meinen Eltern nicht leicht gefallen, ihr Heimatland zu verlassen. Aber es gab dort nichts mehr was sie von ihrem Entschluss hätte abhalten können. Meinen Vater, der in der Armee gedient hatte, erwartet die Exekution bei einer Rückkehr nach Syrien. Das Gerede Assads von einer Amnestie für die ehemaligen Soldaten seiner Armee halten wir alle für eine Farce. Unser Wohnhaus und die Häuser meiner Großeltern, Onkeln und Tanten gibt es nicht mehr. Zerstört im Krieg von Bomben und Granaten.

Um unserer Familie ein Leben in Frieden ohne Krieg, Zerstörung und Hass zu ermöglichen, sind meine Eltern mit Jana aus Syrien geflohen. Sie konnten nichts mitnehmen, als die Kleider, die sie anhatten und 3 Schlafsäcke, die sie für die Nächte im Freien benötigten. Meine Mama war mit mir hochschwanger und ich wurde unterwegs in der Türkei geboren. Seit meiner Geburt habe ich kein richtiges Zuhause gehabt, immer unterwegs und auf der Suche nach einer festen Unterkunft.

Den ganzen Weg sind wir meist zu Fuß gegangen. Papa hat mich oft auf den Schultern getragen. Zuerst waren wir in Urfa, später in Izmir, insgesamt 2 ½ Jahre in der Türkei. Davon waren wir 6 Monate in einem Zelt und im übrigen in einer kleinen Wohnung untergebracht. Papa hat ein Jahr als Bauarbeiter und ein Jahr als Tellerwächer gearbeitet. Mit dem Geld konnten wir uns eine Unterkunft leisten und hatten immer etwas zu essen. Auch konnten wir uns nach den 2 ½ Jahren die Überfahrt nach Griechenland leisten. Wir haben in dieser Zeit mehrmals versucht ein Boot nach Griechenland zu bekommen. Als es endlich nach dem 5ten Versuch geklappt hat, sind wir dann mit einem kleinen Schlauchboot, etwa 9m auf 3m, mit insgesamt 48 Personen an Bord nach Griechenland gefahren. Wir wurden dort von der Polizei verhaftet und mussten sieben Tage im Gefängnis verbringen. Von Griechenland aus sind wir zu Fuß nach Mazedonien. Wir waren sechs Tage unterwegs. Weiter ging`s nach Serbien, zwei Tage zu Fuß, zwei Tage mit einem Bus. Dort mussten wir etwa drei Wochen in einem Camp verbringen, da sich Mama den Fuß verstaucht hatte. Als wir wieder weiter konnten, sind wir von dort aus nach Ungarn, einen Tag zu Fuß und einen Tag in einem Kleinbus mit anderen. Von Ungarn aus hat uns dann ein netter Autofahrer gegen entsprechendes Entgelt nach Lebach zur Landesaufnahmestelle gefahren. 12 Stunden waren wir unterwegs, bis wir endlich in Deutschland ankamen. In Lebach waren wir 42 Tage, untergebracht in einem Einzelzimmer, bis wir jetzt endlich in Wadern eine Bleibe gefunden haben, ein Zuhause, vielleicht für immer und ohne Furcht vor Terror und Krieg. Vielen Dank dafür“.

 

Das Schicksal von Hamza beschreibt nur einen Einzelfall. Aber es gibt viele solcher Schicksale. Die Geschichte von Hamza sollte ein Aufruf an uns alle sein, unsere Hilfe anzubieten, denn auch von uns möchte niemand ohne ein Zuhause sein.

 

Unser Leserreporter Peter Meyer aus Wadern

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