Erhöhtes Gewaltrisiko in Zeiten von Covid 19

Anlaufstellen für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen weiterhin erreichbar

SAARBRÜCKEN Die Zahlen in anderen Ländern sprechen für sich und auch hier zu Lande besteht die Befürchtung, dass die Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Zeiten von Corona zunehmen wird. Meldungen aus China bestätigen, was Fachberatungsstellen für Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt auch in Deutschland befürchten: In der aktuellen Krisensituation mit starken Einschränkungen im öffentlichen Leben steigt die Gefahr für Frauen und Kinder, häusliche und sexualisierte Gewalt zu erfahren.

Erhöhtes Risiko durch Ausgangsbeschränkung

Das eigene Zuhause – auch in anderen Zeiten kein sicherer Ort – birgt zurzeit unter Umständen ein besonderes Risiko. Verletzungen oder Unterstützungsbedarfe von Betroffenen fallen weniger auf, wenn Betroffene kaum oder gar keinen Kontakt zu den Nachbarn haben, nicht mehr in die Schule, zur Arbeit oder in den Sportverein gehen.

Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von Gewalt im direkten sozialen Umfeld betroffen sind, kann die aktuelle Situation bedeuten, Tätern ständig ausgeliefert zu sein. Die saarländischen Fachberatungsstellen, die Frauen und Mädchen nach sexualisierter oder häuslicher Gewalt beraten, garantieren daher nach wie vor ihre Erreichbarkeit. Die Anlaufstellen können telefonisch oder per Mail kontaktiert werden. „Die meisten von uns bieten den Frauen intensive telefonische Beratungsgespräche an, was von den Frauen durchaus gerne genutzt wird. In Ausnahmefällen sind auch persönliche Beratungsgespräche möglich“, so eine Sprecherin aus dem Kreis der Anlaufstellen.

Rückzugsmöglichkeiten sind eingeschränkt

Noch haben sich die Anfragen nicht wesentlich erhöht. Ein möglicher Grund dafür ist, dass sich die Frauen und Kinder durch die Anwesenheit gewaltbereiter Männer nicht ungestört an die Einrichtungen wenden können. Die Rückzugsmöglichkeiten sind meist nicht oder nur eingeschränkt gegeben. Telefonate können nicht alleine geführt werden, Handys werden noch mehr als sonst kontrolliert, der PC wird meistens von mehreren Familienmitgliedern genutzt und kann so nicht für vertrauliche Mitteilungen genutzt werden. „Deshalb denken wir auch in unseren Einrichtungen über andere technische Möglichkeiten, wie Online-Beratung oder Videotelefonate nach“, so die Sprecherin.

Wichtige Nummern

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen haben ihre Arbeit so umgestellt, dass täglich eine Beraterin vor Ort zur Verfügung steht. Weitere Mitarbeiterinnen sind telefonisch erreichbar.

Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Tel. (0800) 116016, www.hilfetelefon.de.

Frauennotruf Saarland: Tel. (0681)36767, notrufgruppe-sb@t-online.de, www.frauennotruf-saarland.de.

Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer von häuslicher Gewalt: Tel. (0681)3799610, interventionsstelle@skf-saarbruecken.de, www.skf-saarbruecken.de.

ALDONA e.V. – Beratungsstelle für Migrantinnen: Tel. (0681) 373631, aldona-ev@t-online.de, www.aldona-ev.de.

Beratung Interkulturell – Beratung von Frauen für Frauen: Tel. (0681)373535 oder Tel. (0681)40147650, info@beratung-interkulturell.com, www.beratung-interkulturell.com.

Nele – Beratung gegen sexuelle Ausbeutung von Mädchen: Tel. (0681)32043, www.nele-saarland.de, nele-sb@t-online.de.red./vw

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