Er war ein echter Macher

Raiffeisen-Ausstellungseröffnung in Mandelbachtal bis 30. November zu sehen

MANDELBACHTAL Mit „I got Rhythm” von George Gershwin wurden die Gäste schwungvoll im Rathaus der Gemeinde Mandelbachtal begrüßt. Dort hatten sich auf Einladung des Verkehrsvereins Mandelbachtal zahlreiche Besucher im Foyer eingefunden um gemeinsam die Ausstellung „Das Beispiel nützt allein – Raiffeisen, seine Genossenschaften und ihre Ausstrahlung in die Welt“ zu eröffnen.

Ergänzt wird die gezeigte Ausstellung mit einigen landwirtschaftlichen Exponaten, die dem Haus der Dorfgeschichte in Bliesmengen-Bolchen entliehen wurden. Die Ausstellung spannt den Bogen von Raiffeisens Wirken zu Lebzeiten bis hin zur Ernennung seiner Genossenschaftsidee zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit im Jahre 2016 durch die UNESCO.

Raiffeisens Idee machte weltweit Karriere

„Obwohl er seine Heimat nie verlassen hat, machte seine Idee doch weltweit Karriere. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr am 30. März zum 200. Male jährte, hat mit seinem Wirken das Leben und Wirtschaften der Menschen spürbar verbessert“, so Bürgermeister Gerd Tussing in einer launigen Begrüßung. Tussing dankte dem Verkehrsverein ein weiteres Mal eine hochinteressante Ausstellung nach Mandelbachtal geholt zu haben.

Ein bürgernaher Gemeindevorsteher

„Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“, zitierte auch der Vorsitzende des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer den in der Ausstellung geehrten Jubilaren. „Raiffeisen, der von 1845 bis 1886 Bürgermeister in verschiedenen Gemeinden im Westerwald war, wurde dort schnell als ein bürgernaher Gemeindevorsteher bekannt, der sich den Nöten und Sorgen der Landbevölkerung annahm und versuchte, deren Lage zu verbessern“, so Pfeiffer. Friedrich Wilhelm Raiffeisen war ein echter Macher. So verbesserte er das Schulwesen und baute befestigte Straßen und Wege, die auch bei schlechter Witterung von den Bauern passiert werden konnten.

Flammersfelder Hilfsverein gegründet

„Da es den meisten kleinen Landwirten an Geld fehlte, um an dem allgemein beginnenden technischen und agrarwirtschaftlichen Fortschritt teilhaben zu können, wurde auf Betreiben von Raiffeisen am 1. Dezember 1848 der Flammersfelder Hilfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte und damit die erste Genossenschaft gegründet!“ so Christoph Palm, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz, der als Laudator in die Ausstellung einführte.

22 Millionen Menschen sind Mitglied in Genossenschaft

„Mehr als 22 Millionen Menschen in Deutschland sind heute Mitglied einer Genossenschaft“, so Palm. „Und immer mehr Menschen entdecken weltweit diese Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens. Für Raiffeisen zählte das Wohl aller, nicht der Profit weniger.“ Deshalb sei auch das Motto des Raiffeisen-Jahres 2018 richtig gewählt: „Mensch Raiffeisen. Eine starke Idee“. Palm freute sich, dass die Raiffeisenausstellung, die vom Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz gemeinsam mit der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft entwickelt wurde, in Mandelbachtal nun auch erstmals im Saarland zu sehen ist.

Else Vinzent vom Heimatverein Ormesheim ergänzte die Ausführungen noch um einige regionale Bezüge. Sie schilderte aus alten Tagebuchaufzeichnungen, wie schwierig es Ende des letzten Jahrhunderts in Ormesheim gewesen war, eine Raiffeisengenossenschaft zu gründen.

Mehrere Anläufe und gutes Zureden

Es bedurfte mehrerer Anläufe und gutem Zureden des damaligen Gemeindepfarrers Adolf Graf, bis sich die örtlichen Bauern endlich überzeugen ließen, in eine gemeinsame Genossenschaft einzuzahlen. „Aber als sie erst einmal gegründet war, wurde sie schnell zum Segen für die örtliche Landwirtschaft.“

Die Ausstellung ist noch bis 30. November im Rathaus in Mandelbachtal zu sehen. Sie wird vor Ort von der Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz und der Gemeinde Mandelbachtal unterstützt. Besucht werden kann sie während der Öffnungszeiten des Rathauses vormittags von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 bis 12 Uhr und nachmittags am Montag und Donnerstag von 13 bis 15.30 Uhr sowie mittwochs von 13 bis 17.30 Uhr.

Der Eintritt ist frei. red./dos

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