Energisch bis zum letzten Schritt

Die Zweibrücker Reiterin Xenia Kaehl-Schmidt überzeugt in vielen Disziplinen

ZWEIBRÜCKEN/ SCHELLWEILER Xenia Kaehl-Schmidt ist mit Pferden groß geworden. Und dennoch verlief die Karriere der erfolgreichen Buschreiterin ganz anders, als sich das hätte absehen lassen. Mutter Alexandra besaß früher schon Quarterhorses und züchtete in Schellweiler (bei Kusel) auf dem eigenen Hof mit Xenias Patentante Nicole Finzel Quarter Horses. So saß auch die kleine Xenia zuerst vor und dann im Westernsattel.

Mit acht Jahren ritt die gebürtige Zweibrückerin mit Mamas Quarter Horse ihre erste Reining und siegte. Doch dann passierte es: Nachdem sie irgendwo bunte Parcourshindernisse gesehen hatte, brachte sie ihrem geduldigen Shetty und sich selbst das Springen bei. „Ich möchte auf einem Springturnier starten“, überraschte die Elfjährige ihre Familie. Bekannte erklärten die Voraussetzungen und so brachten das kleine Mädchen und ihr zu „Cotton-Ey-Joe“ rasendes Shetty das begeisterte Publikum zum Johlen. Ihre nächste goldene Schleife, diesmal im WBO-Jump-and-Run, da alle Stangen liegen blieben und auch die Läuferin schnell war. Zwölf Wochen später hielt mit Cantago das erste Deutsche Reitpony Einzug auf dem Hof in Schellweiler und Xenia bekam im Herbst 2016 die erste Reitstunde ihres Lebens, bei Torsten Milz.

Dressurgrundlagen gelernt

Mit seiner Hilfe quälte sie sich durch die Dressurgrundlagen und lernte, wie man einen Parcours nicht nur mit Tempo, sondern auch mit Linienführung und Köpfchen meistert. Und ihre Familie lernte, umzudenken von Western auf Englisch Reiten, machte sich mit diesem Turniercodex vertraut. Bis vor zwei Jahren die Reiterin auf die Idee kam: Gelände ist doch viel schöner. Bei Torsten Milz sprang sie furchtlos und begeistert über alles, was bunt war. Ein Jahr später stieg sie dann auf zwei Großpferde um. Ein erster Lehrgang mit Kerstin Müller auf der Zweibrücker Rennwiese, den sowohl ihr Max als auch Papas 1,80 Meter hoch gewachsener Fuchwallach Solo nicht nur bereitwillig sondern mit sichtlichem Spaß meisterten inklusive Wasserdurchritt und Graben, besiegelten die neue Disziplin: Vielseitigkeit.

Pferd und Reiter schenken sich nichts

Ihr erstes Turnier bestritt die Pfälzerin vom RFV Kusel gleich bei den Saarlandmeisterschaften 2018 in Schwalbach. Nach dem ersten Steher am Einsprung sah Xenia sowohl mit Max als auch mit dem fehlerfreien Fuchs das Ziel im Gelände. In diesem Jahr wechselte sie auch zum zur RFG Ilsenhof Beckingen und fand mit Hilfe von Elisabeth Keith ihr Erfolgspferd, den damals achtjährigen Zweibrücker Wallach Remondo.

Heute trainiert sie Gelände vorzugsweise mit Andreas Hemmer, gerne auch auf der eigens gebauten Anlage am elterlichen Hof. Eine Kombination, die so gut passt, dass der Trainer die Juniorin sogar mit dem vom großen Sport verabschiedeten, für die Rentnerbank jedoch noch übermotivierten Trakehnerwallach Karat, mittlerweile 20-jähriges, international hoch dotiertes Erfolgspferd von Tochter Lisa Hemmer, fördert. Außerdem ist sie mit Remondo und ihrem 17-jährigen Lehrpferd Lumos gut beritten. Bester Lehrmeister ist jedoch Karat, denn: „Auch, wenn er so spritzig wirkt, er ist kein Selbstläufer, erst recht nicht in der Dressur. Da schenkt er mir überhaupt nichts, aber genau das ist es, was mich weiterbringt“, beschreibt die Reiterin.

Ist die Hilfe nicht absolut korrekt, wird es nichts. So sind die Achter-Stilnoten, die sie in der A* und A**-Klasse mit ihm erhielt, eine riesige Belohnung für ihr Durchhaltevermögen. Beide profitieren auch von den wertvollen Tipps von Karin Ostheimer-Sutter, Stefan Odenbreit und Hans-Günter Klein. Doch das Naturtalent kann sich nicht nur auf jedes ihrer charakterlich völlig unterschiedlichen Pferde brillant einstellen. Xenia reitet in einem Lehrgang vier Pferde hintereinander konzentriert und energisch vom ersten bis zum letzten Schritt.

Vize-Saarlandmeisterin im Einzel

Bei der diesjährigen Saarlandmeisterschaft sattelte sie zwei Pferde in Klasse E und Karat zum ersten Mal in einer Zwei-Sterne-A-Vielseitigkeit: sechs Prüfungen am Samstag und am Sonntag noch drei Runden Parcoursspringen. Sie wurde Saarlandmeisterin mit der Mannschaft, Vize Saarlandmeisterin im Einzel und verhalf ihrem Verein RFG Ilsenhof Beckingen zu Bronze für die Mannschaft.

Xenia Kaehl-Schmidt weiß um ihre eigene Nervenstärke und ist nur genervt von Mutter Alexandra, der die Naturhindernisse mächtigen Respekt einflößen. Ein Sturz 2019 in den Trakehnergraben auf der Rennwiese irritierte jedoch nur die Mutter, denn die Reiterin selbst motiviert ihre Pferde durchweg beherzt voran über alles, was gerade im Weg steht.

Dass sie nach ihren Achter- und Neunernoten bei der Goldenen Schärpe, die sie mit der besten Geländenote (8,7) beendete, jetzt nicht nur beste saarländische Vielseitigkeitsreiterin ist mit fast 100 Ranglistenpunkten mehr (118) als im Vorjahr (22) und bundesweit auf Rang Drei in ihrer Leistungsklasse steht, ist ein Teil ihres Erfolgs.

Ausbildung zur Pferdewirtin

Ebenso freut sie sich, dass sie gleich mit allen drei Pferden in das saarländische Achterteam (mit Wertnoten 8,0 und besser) gehört und Remondo sowie Karat die besten Buschpferde ihrer Rasse und Altersklasse sind, gefolgt von Lumos auf dem Silberrang.

Die Berufsbildende Schule in Landstuhl hilft der begeisterten Reiterin, älter zu werden, denn ihr Ziel ist eine Ausbildung zur Pferdewirtin in einem renommierten Vielseitigkeitsstall in Norddeutschland. „Die Betriebe und Trainingsmöglichkeiten sind dort genial“, weiß die Bronzegewinnerin bei der Bundesjugendschärpe über die Konkurrenz. Mit Freundin Julia trainiert sie zu Hause Dressur und geht, so lange das Wetter es erlaubt, vorzugsweise ausreiten.

2021 will sich Xenia Kaehl-Schmidt auf A**-Niveau festigen und dann den ersten Stilgeländeritt Klasse L anstreben. Ein Herzensziel ist das Bundesnachwuchschampionat in Warendorf.cvw

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