Einige Verbesserungsvorschläge

Rollstuhlfahrern und Menschen mit Behinderung testen die DRK-Minigolfanlage

ZWEIBRÜCKEN Konzentriert fixierte Katinka Cichos den kleinen, roten Ball. Dann blickte sie auf ihr Ziel. Sie holte mit dem Schläger aus, dosierte den Schwung und … der Ball landete in der Mitte der Metallbrücke, kippte nach der hinteren Seite ab und rollte ins Loch. „One in Hole“, schrie Jörg Semaa begeistert.

Es war nicht das erste Hindernis auf dem neu angelegten DRK-Minigolfplatz an der Schließ, das die 35-Jährige mit einem Schlag bewältigte. Das Außergewöhnliche daran: Katinka Cichos sitzt im Rollstuhl. Sie gehört zu der kleinen Gruppe von Rollifahrern und Menschen mit Behinderung, mit denen die Heinrich-Kimmle-Stiftung Pirmasens den barrierefreien Platz testete und dabei sichtlich viel Spaß hatte. Katinka Cichos, die in der Abteilung Verpackung am Staffelhof arbeitet, kam mit Behinderung auf die Welt und sitzt Zeit ihres Lebens im Rollstuhl. „Man muss das Beste daraus machen. Jammern bringt gar nichts“, erklärte die lebensfrohe Frau.

Selbst durch die Schnecke als letztes der 18 Hindernisse gelang es ihr, den Ball zu jagen. Sie strahlte: „Wir probieren alle Techniken aus und geben unser Bestes.“ Das Schwierigste sei, im Sitzen genügend Schwung zu bekommen, weshalb Hindernisse, bei denen der Ball etwa in ein hoch gehängtes Netz fliegen muss, einfach übergangen werden. Dabei ist Katinka Cichos nach eigener Aussage eher nicht sportlich und hat auch erst wenige Male Minigolf gespielt. Doch hier war sie mit nur 56 Punkten die Tagessiegerin, obwohl alle einen guten Job machten und sich über den einen oder anderen größeren Erfolg freuen konnten.

So auch Nadine Winterroll, die „vertaut und einfach gespielt“ hat. Mit Lisa Belchner gewann eine weitere Rollstuhlfahrerin Silber. Doch auch Fabian Völker (24) berichtete stolz: „Das Labyrinth und die Schnecke am Schluss habe ich mit nur einem Schlag geschafft.“ Neben dem Spaß schult das Minigolfspiel zugleich Bewegung, Koordination und Konzentration, wovon auch Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung profitieren.

Ein paar Kleinigkeiten will die Gruppe dem DRK noch als Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg geben. Die Betreiber sind daran sehr interessiert, wollen sie doch die Minigolf-Anlage gemeinsam mit den Nutzern entwickeln. Just an dem Tag, an dem die Kimmle-Stiftung ihren Probelauf unternahm, hatte es geregnet. Selbst der Schotterrasen und die eigens mit Rücksicht auf die Rollstuhlfahrer angelegten Schotterwege waren dadurch weich. „Es mag Rollstuhlfahrer geben, die sie alleine bewältigen. Unsere haben wir geschoben, die wiegen mit Insassen schnell 80 Kilogramm und mehr“, beschrieb Jörg Semaa, Sportlehrer und Physiotherapeut bei der Heinrich-Kimmle-Stiftung in Pirmasens.

Er sah darin allerdings kein großes Problem. Schön wäre es, wenn die Plattenumrandung an einigen Hindernissen so verbreitert würde, dass die Rollifahrer dort auch rangieren und wenden könnten, wenn sie ihren Ball aus der Mitte des Hindernisses weiter schlagen. „Das sind Kleinigkeiten, die sich erst in der Praxis zeigen“, betonte der Sportlehrer.

Insgesamt war die Gruppe voll des Lobes für die neue, sichtlich liebevoll gestaltete Anlage mit dem vielen Grün und dem Baumschatten im Sommer und freute sich bereits auf den nächsten Besuch. Auf Grund der Nähe will die Heinrich-Kimmle-Stiftung regelmäßig kommen. Denkbar sei auch ein Turnier zwischen Pirmasensern und Zweibrückern. cvw

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