Eine in ihrer Vielfalt einmalige Anlage

Der neue Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte Dr. Ralf Beil hat ein pralles Paket geschnürt

Völklingen. Seit neun Monaten ist Dr. Ralf Beil, der neue Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, nun im Amt. Ein nicht ganz einfacher Amtsantritt in Corona-Zeiten, dennoch angefüllt mit vielen Entwicklungsplänen und kreativen Ideen. Denen eines zugrunde liegt: Dr. Ralf Beil will das Weltkulturerbe noch mehr vernetzen, gerade mit den direkt angrenzenden Nachbarn wie Luxemburg, Frankreich, Belgien verstärkt zusammenarbeiten und die Kulturszene in ihrer ganzen Vielfalt mit ins Boot nehmen.

Player sind beispielsweise die Freie Szene Saar, die bereits im letzten Sommer neue Wege gezeigt hat, die Musikschule oder das Staatstheater, Musiker oder Bildende Künstler. „Wir wollen keine Insel sein sondern das Weltkulturerbe mit Realität und Leben füllen. Die Kultur ist als eine Brücke über die Grenzen zu verstehen. Daher werden wir auch unsere Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale ausbauen, denn die Anlage ist ein Tourismusstandort par excellence und in ihrer Vielfalt wirklich einmalig. Die Menschen haben diesen Ort geprägt, gemeinsam haben hier Deutsche, Italiener und Türken gearbeitet und wir wollen diesen Ort so lebendig halten, wie er sich auch darstellt. Sozusagen ein Zentrum des gesellschaftlichen Geschehens etablieren, an dem einzelne Geschichten und Elemente zusammengefügt werden. Von der technischen Innovation bis zu den gesellschaftlichen Niederungen, man denke nur an die Zwangsarbeiter“, schlägt der Generaldirektor einen großen

Bogen.

Um die Geschichte der Arbeiter in einem Projekt aufzuarbeiten, steht das Weltkulturerbe beispielsweise mit ehemaligen italienischen und türkischen Mitarbeitern in Kontakt, mit denen ihre Erlebnisse dokumentiert werden sollen. Wer weiß schon noch, dass es eine direkte Busverbindung von Völklingen nach Palermo gab. Auch aus den Archiven sollen hier Schätze gehoben werden. Denn: Nicht zuletzt ist die Geschichte der Völklinger Hütte auch Weltgeschichte. Geplant ist, die letzten rund 200 Jahre am Beispiel von Völklingen darzustellen. Wobei damit auch den Einheimischen „ihr“ Weltkulturerbe wieder näher gebracht werden soll mit allen Möglichkeiten, Facetten und Aktivitäten für viele Zielgruppen.

Doch wer nun glaubt, mit den 32 Millionen Euro Zuwendungen sei dies alles gut zu bewerkstelligen, der täuscht sich. „Diese Gelder sind gebunden an reine Sanierungsmaßnahmen. Der Unterhalt der Anlage ist schon nicht mehr drin“, betont Dr. Beil. Es gibt also viel zu tun, es wird garantiert nicht langweilig.dos

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