Eine filmische Reise um die Welt

Deutschlands erfolgreichstes Filmer-Ehepaar zeigte preisgekrönte Werke in Blieskastel

BLIESKASTEL Der Satz ist bekannt, gemäß dem Liedtext von Matthias Claudius: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen …“. Allerdings – seine Zuhörer zu fesseln, ist eine besondere Kunst. In der heutigen Zeit, in der meist mit Bildern, vor allem mit bewegten Bildern erzählt wird, das richtige Gespür und Können zu besitzen, ist dafür ausschlaggebend. Doris und Cord von Restorff beherrschen diese Kunst. Der 20. Filmabend des AFW Blieskastel – 19 mal fand er in der Orangerie statt – musste diesmal in die Bliesgaufesthalle in Blieskastel verlegt werden. Dort ließen die Beiden ihre Zuhörer und Zuschauer an einer spannenden Reise um die Welt teilnehmen.

Die Halle wäre mit Sicherheit voll besetzt gewesen, hätten die notwenigen Hygienemaßnahmen nicht dazwischengefunkt. So saß man zwar, als Jürgen Baquet, Vorsitzender des Filmclubs AFW Blieskastel, die Gäste begrüßte, gehörig weit auseinander, das schmälerte das Filmerlebnis jedoch keinesfalls. Er dankte der Stadtverwaltung – Bürgermeister Bernd Hertzler war selbst anwesend, zusammen mit der Ortsvorsteherin von Niederwürzbach, Petra Linz – für die Bereitstellung der Halle.

Doris und Cord von Restorff sind Deutschlands erfolgreichstes Filmerehepaar. Während sie sich schon früh für die Filmerei begeisterte, 1985 Mitglied des Karlsruher Film- und Videoclubs wurde und 2001 dessen Leitung übernahm, kam ihr Mann, Internist, von der Fotografie her und ließ sich erst vor 20 Jahren vom Hobby seiner Frau anstecken. Nach der Aufgabe seiner Praxis engagierte er sich bei medizinischen Projekten in aller Welt und gelangte so an völlig unberührte Orte und in die entlegensten Gegenden. Beide sind glücklich darüber, dass sie gemeinsam ihre sehenswerten Filme erstellen können. Beim diesjährigen erstmals digital durchgeführten Bundesfilmfestival „Natur“ gewannen sie mit ihrem Film „Vogelparadies Galapagos“ neben einem „Silbernen Schmetterling“ auch den Ehrenpreis der Stadt Blieskastel.

Ehrenpreis für „Vogelparadies Galapagos“

Seit vielen Jahren ist es Brauch, dass diese Gewinner eingeladen werden, um im Schellental ihren „Ehrenbaum“ zu pflanzen und am gleichen Abend einen Einblick in ihr filmisches Schaffen zu geben. Doris und Cord von Restorff pflanzten im Beisein von Bürgermeister Bernd Hertzler, Förster Helmut Wolf und Jürgen Baquet einen Walnussbaum, der 16. übrigens in der „Allee der Sieger“ und wohl der letzte an dieser Stelle, da die Fläche keinen Platz mehr bietet.

Am Abend konnte Bürgermeister Hertzler persönlich gratulieren und den Silbernen Schmetterling als Trophäe überreichen. „Es ist gewiss ein Glücksfall, dass der Filmemacher im vorliegenden Fall sich bei medizinischen Projekten in der Dritten Welt engagiert und somit Zugang zu Gegenden hat, die für Touristen ansonsten nicht unbedingt zugänglich sind“, meinte Hertzler und drückte seine Freude darüber aus, dass Blieskastel als Austragungsort für „die schönen und einzigartig gemachten Projekte“ dienen dürfe.

Anschließend überraschte das Ehepaar mit Dokumentationen, die hautnahe Einblicke in das Leben von Naturvölkern und andere Lebensbereiche gaben. Ob bei einem Stamm der Pygmäen in Afrika, im Vogelparadies Galapagos, bei den Jaguarmenschen in Brasilien, bei den Komodowaranen oder bei den Eindrücken vom „Zauber der Südsee“ im Bereich Französisch-Polynesiens mit seinen Inseln – die Zuschauer sahen Bilder von seltener Anziehungskraft und informativen Kommentaren. Machten aber auch auf Probleme aufmerksam, die auf die Urvölker zukommen. Selbst das in nur drei Stunden gefilmte Portrait eines außergewöhnlichen „Philosophen mit der Badehaube“ namens Zumbra, der im Norden Äthiopiens vor 35 Jahren das kleine Dorf Awra Amba gründete und es heute mit für uns gewöhnungsbedürftigen Maßnahmen leitet, fesselte, machte nachdenklich. Anhaltender Applaus und eine problemlose Projektion ermunterten zu einer „Zugabe“, bei der die Zuschauer das Ehepaar auf einer beschwerlichen Trekkingtour im Hochland von Westpapua zu einem Stamm im Land der Yali begleiten konnten, wo Tradition und Moderne aufeinanderprallen.

Jürgen Baquet bedankte sich mit einem gerahmten Foto von der Baumpflanzung. Die beiden Filmbegeisterten sahen in dem angenehmen Besuch in Blieskastel einen Anreiz, auch im kommenden Jahr wieder mit einem Film am Bundesfestival „Natur“ teilzunehmen. all

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