Eine einfache Weltsprache

Donnerstags findet im Mehrgenerationenhaus ein kostenfreier Esperanto-Kurs statt

ZWEIBRÜCKEN „Saluton. Bonan tagon.“ So begrüßt sich jeden Donnerstagnachmittag eine kleine Gruppe im Zweibrücker Mehrgenerationenhaus. „Ni lernas Esperanton – wir lernen Esperanto.“ Heiter, mit animierten Zeichentrickfilmen, Liedern auf Esperanto mit Untertiteln, um die Worte zu erkennen, oder aus Zeitschriften erinnert nichts an stures Vokabellernen und Grammatikpauken aus der Schulzeit.

Das Verblüffende: Selbst ohne Vorkenntnisse ist die geschriebene Sprache leicht verständlich. Wer Latein, Französisch oder gar Spanisch kann, tut sich noch leichter. Oder auch nicht. „Grammatik und Wortzusammensetzung ist deutlich anders. Da komme ich manches Mal ins Schwimmen“, bekennt Werner Richter. Der pensionierte Lehrer für Biologie, Erdkunde und Spanisch hat nicht nur in Zweibrücken und Homburg, sondern auch in Madrid und Äquador gelebt und gelehrt.

Aus seiner Kindheit war ihm Esperanto bereits bekannt: „Das hat mich schon immer gereizt.“ Diese Motivation teilt er mit einigen Kursteilnehmern. Für die gebürtige Holländerin Jannie Schulz-Burema ist Esperanto eine Kindheitserinnerung. Ihr Vater und andere Landwirte in Holland begannen nach dem Zweiten Weltkrieg, die neutrale Sprache zu lernen. Eine einzige Sprache, in der sich alle Völker verständigen können. Eine Plansprache, die alle Muttersprachen gleichberechtigt sein lässt. „Die Esperanto-Flagge ist die einzige, unter der kein Blut vergossen ist“, betont Esperanto-Lehrer und Vorsitzender des Internationalen Esperanto-Clubs Zweibrücken, Oliver Walz, die Friedensmission.

Was die Teilnehmer an der Sprache schätzen: Esperanto ist eine einfache Sprache ohne komplizierte Grammatik. „Das fand ich bei Latein immer so furchtbar, die ganzen Formen und Zeiten“, erinnert sich Patrick Drucks. Der 27-jährige Student für Digital Media Marketing an der Zweibrücker Hochschule ist der jüngste Teilnehmer. Am Tag der Vereine auf dem Campus wurde er auf den Esperanto-Klub aufmerksam und ist begeistert von den klaren Regeln, nach denen die Worte aufgebaut und zusammengesetzt sind.

Die Gruppe lernt spielerisch und dabei effizient. Auch die Esperanto-Kultur in Musik und Kunst, der Brückenbau zwischen den verschiedenen Kulturen, ist ein Thema. Die Friedensbotschaft der Völkerverständigung, doch auch die Möglichkeit, rund um den Globus Esperanto-Freunde zu treffen und statt des komplizierten Chinesisch, Russisch oder Arabisch lediglich Esperanto zu benötigen, ist für die Lernenden ebenfalls reizvoll.

Werner Richter war nach nur zwei Jahren bereits in der Lage, 2018 bei dem großem Drei-Länder-Esperanto-Kongress in Zweibrücken als Stadtführer zu wirken – auf Esperanto statt Spanisch, wie sonst. Für den Herbst ist eine große Esperanto-Ausstellung in Kooperation mit der VHS geplant. Diese hat die einfache Weltsprache in ihr Sprachlehr-Angebot aufgenommen. „Es macht einfach Spaß“, bestätigen Alexander Pfersdorff und Elvira Sänger. Beide gehören dem Z.M.O.-Chor an, der nicht nur in osteuropäischen Sprachen, sondern auch auf Esperanto singt. „Esperanto ist zunehmend auf dem Vormarsch“, davon sind Oliver Walz und seine Schüler überzeugt.

Jeden Donnerstag findet im Mehrgenerationenhaus von 15 bis 16.30 Uhr ein kostenfreier Esperanto-Kurs statt. Neu-Einsteiger sind ebenso willkommen, wie Lernende mit Vorkenntnissen. cvw

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