„Ein überaus wichtiges Projekt“

Sicherheit und Schutz für alle Menschen am UKS

HOMBURG Vor kurzem fand die Auftaktveranstaltung zum Projekt „Auditierungsprozess zur Entwicklung von Schutzkonzepten und Compliance-Maßnahmen am Universitätsklinikum des Saarlandes“ in Homburg statt. Prof. Dr. Jörg M. Fegert und sein Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern vom Uniklinikum Ulm begleiten die Auditierung und Weiterentwicklung des Schutzkonzeptes zur Gewaltprävention am UKS. Prof. Fegert ist bundesweit und international anerkannter Experte in Sachen Kinderschutz und Schutzkonzepte in Institutionen. „Das UKS soll für alle Personengruppen ein geschützter Ort sein, an dem sich Menschen angenommen und sicher fühlen. Auch wenn alle Experten sagen, einen 100%igen Schutz vor Gewalt und Missbrauch wird es nie geben, war klar, dass ein möglichst umfassendes Schutzkonzept für alle Menschen im UKS etabliert werden muss. Dieses Konzept wurde im Vorjahr im Zuge der Aufarbeitung der Missbrauchsverdachtsfälle in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erarbeitet, weiterentwickelt und liegt nun in der aktuellsten Fassung 3.0 vor,“ erläutert Professor Dr. Wolfgang Reith, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKS. Prof. Fegert ist u.a. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Familienfragen im Bundesministerium und Mitglied im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen und Mitglied der Kommission Kinderschutz im Saarland. Auch Staatssekretär und UKS-Aufsichtsratsvorsitzender Henrik Eitel bekräftigt anlässlich der Auftaktveranstaltung: „Ich bin sehr froh über den Start dieses überaus wichtigen Projektes. Für eine Einrichtung wie das Universitätsklinikum gibt es eine Voraussetzung, ohne dass sie auf Dauer nicht existieren kann. Diese Voraussetzung heißt Vertrauen. Die Missbrauchsverdachtsfälle in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie haben Vertrauen zerstört. Der erste Schritt, um dieses Vertrauen wiederaufzubauen, ist die selbstkritische Aufarbeitung dieser Fälle. Im zweiten daraus resultierenden Schritt sind Maßnahmen zu ergreifen, die Ähnliches für die Zukunft ausschließen. Mit der Entwicklung eines umfassenden Schutzkonzeptes zieht die Klinik die richtigen Konsequenzen aus dem Geschehenen.“

Schutzkonzept Gewaltprävention am UKS

Nach Information der Öffentlichkeit im Juni 2019 über die Verdachtsfälle in der KJP folgte die interne Aufarbeitung und im UKS wurden präventiv viele Maßnahmen ergriffen. Neben Gesprächsangeboten und Beratung möglicherweise Betroffener bzw. deren Eltern, wurde im Klinikum eine Taskforce eingerichtet, die sich zeitnah u.a. um die Etablierung und Weiterentwicklung eines Schutzkonzeptes gekümmert hat. Es wurden externe unabhängige Experten beteiligt und in die neuen Meldewege und Prozesse integriert. Klinikumsleitung und Mitarbeitende unterschiedlicher Berufsgruppen haben im Juli 2019 die erste Version des Schutzkonzepts entwickelt und Anfang August veröffentlicht. Das Konzept war dabei von Beginn an so angelegt, dass es stetig überprüft und angepasst wird. Dies soll den Schutz aller Menschen im UKS zum Ziel haben, der jungen und älteren Patienten, Besucher sowie aller Mitarbeiter. Voraussetzung dafür ist eine neue Fehler- und offene Gesprächskultur im Klinikum. Dabei geht es um die Mitarbeitersensibilisierung für die Themen Gewalt und Missbrauch und um die Art und Weise, wie eine Organisation mit Fehlern, Fehlerrisiken und Folgen umgeht. Im Idealfall ergeben sich daraus die Maßnahmen zur Prävention solcher Fehler. Daneben sind Schulungen der Mitarbeiter, die qualifizierte Personalauswahl und ein Interventionsstufenplan bei Verdacht auf Grenzüberschreitungen einige Eckpunkte des Konzeptes. Zu den Neuerungen gehört auch eine zentrale unabhängige Ombudsstelle. So steht der pensionierte Leitende Polizeidirektor Peter Becker als unabhängiger Ansprechpartner den Patienten, ihren Angehörigen und den Beschäftigten im Bedarfsfall zur Verfügung. Damit wurden die bereits bestehenden Kontaktstellen ergänzt. Das Schutzkonzept ist im Internet abrufbar.

Auditierungsprozess

Folgende Arbeitsschritte sind im Projekt konkret geplant: Zunächst soll mittels einer SWOT-Analyse der jetzige Stand der Schutzkonzeptentwicklung beleuchtet und Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des momentanen Schutzkonzeptes herausgearbeitet werden. Bei diesem Basisauditierungstermin werden die genannten Punkte mit den verschiedenen in der Klinik tätigen Berufsgruppen (ärztlicher Bereich, pflegerischer Bereich, Verwaltung etc.) erarbeitet. Nach Auswertung der Ergebnisse werden mit den einzelnen Bereichen des Universitätsklinikums Ziele im Hinblick auf die Schutzkonzept(weiter)entwicklung vereinbart, welche in den dann nachfolgenden Monaten erreicht werden sollen. Die Bearbeitung der Ziele erfolgt durch das UKS in Arbeitsgruppen, die durch das Projektteam begleitet werden. Darüber hinaus wird ein Workshop zur Medienkommunikation durchgeführt. Auch die Betroffenenperspektive wird integriert. Dabei handelt es sich um zwei Personen, die in den Gremien des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ehrenamtlich mitwirken und vor ihrem beruflichen Hintergrund für die Aufgabenstellung des Projekts geeignete Vorerfahrungen mitbringen. red./jj

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de