Ein langer Atem ist gefragt

Auch den Vereinen und Kulturtreibenden macht die Corona-Krise finanziell zu schaffen

ZWEIBRÜCKEN Geschlossene Vereinsheime, ausgefallene Veranstaltungen, Sponsoren, die wegen der Auswirkungen der Corona-Zeit den Säckel geschlossen halten – auch die Vereine litten unter den Einschränkungen der letzten drei Monate. Da nicht alle finanziell so auf Rosen gebettet sind, dass sie die finanziellen Einbußen verkraften konnten, wurden von Land und Bund verschiedene Schutzschirme aufgespannt, um gemeinnützigen Vereinen unter die Arme zu greifen.

Diese allerdings wirken unterschiedlich. Für die Sportvereine, die über den Sportbund Pfalz Soforthilfe beantragen, gilt: Ein Verein muss nachweisen, dass Liquiditätsengpässe infolge der Corona-Pandemie zu Insolvenz und damit Existenzbedrohung führen und diese nicht bereits vor dem 11. März 2020 eingetreten sind. Zunächst ist jegliches Eigenkapital aufzubrauchen. Laut Auskunft von Asmus Kaufmann, Pressesprecher des Sportbunds Pfalz, sind von den 2050 Mitglieds-Sportvereinen bislang 33 betroffen. „Das verteilt sich auf das gesamte Gebiet von Zweibrücken bis Ludwigshafen und auch auf die Landkreise“, erklärt Kaufmann. Genaue Angaben dürfe er nicht machen, doch gebe es auch einige wenige Vereine in Zweibrücken Stadt und Land. Die Entwicklung sei allerdings nicht abzusehen. Aktuell seien die Vereine jedoch nach seiner Einschätzung weit mehr umgetrieben von der Frage, wie sie unter den Corona-Auflagen den Betrieb wieder ins Laufen brächten.

Die Mehrzahl der Vereine jedoch hat trotz widriger Umstände die Krise mehr oder weniger gut überstanden. Glück im Unglück etwa hatte der Zweibrücker Rennverein. „Für uns kam der Shut-Down gerade noch rechtzeitig. So konnten wir beide Rennen absagen, bevor große Kosten entstanden sind“, sagt Geschäftsführer Bernd Schmahl. So hätten die Vorbereitungen statt mehrerer Tausend Euro lediglich einige Stunden ehrenamtlicher Manpower gekostet. Wie es mit Sponsoren im kommenden Jahr aussieht, vermag Bernd Schmahl nicht abzuschätzen. „Wir hatten bereits einige Gelder für dieses Jahr, die wir auch behalten dürfen“, hofft er, dass bis zum nächsten Jahr auch die Wirtschaft wieder erstarkt ist.

Der VT Contwig fehlen vor allem Einnahmen aus dem Wirtschaftsbetrieb und aus der Hallenvermietung. Drei Konzerte und zwei andere Veranstaltungen seien honorarbedingt ausgefallen. „Dafür hatten wir jedoch auch keine Kosten wie Wasser und Strom“, rechnet der Vorsitzende, Walter Hüther, dagegen. Mit einer eigenen Halle inklusive Gaststättenbetrieb, zwei vermieteten Wohnungen darüber sowie mehr als 800 Mitgliedern sei der Verein finanziell gut aufgestellt. Die Übungsleiter seien alle auf Stundenbasis beschäftigt und nicht fest angestellt. Was ihn freut, ist die Solidarität der Mitglieder: „Wir hatten in diesem Jahr sogar weit weniger Austritte als sonst im Durchschnitt.“

Zur Selbsthilfe griff der SC Rieschweiler, der seinen neuen Kunstrasenplatz noch abzuzahlen hat. Anstelle des Gaststättenbetriebs bot er an den Feiertagen zumindest „Essen to go“ auf Vorbestellung an. „Das ist nicht dasselbe, aber besser als nichts“, erklärte Tobias Weis. Mittlerweile ist das Vereinsheim Mittwoch, Samstag und zu den Bundesligaspielen wieder geöffnet.

Als Gewerbetreibend konnte der Sängerbund 1924 Contwig die Kosten, die in seinem leer stehenden Sängerheim entstanden, bei einer anderen Soforthilfe, der Corona-Liquiditätshilfe geltend machen. „Alle Berater inklusive dem Steuerberater waren sehr hilfsbereit und das Geld ist von heute auf morgen geflossen“, berichtet Kassenwartin Simone Blatt dankbar. Mehr als zehn ausgefallene Veranstaltungen, dazu der traditionell bestens besuchte Vatertag, hatten hier Löcher gerissen. Die Kosten für den Chorleiter trägt der Chor aus dem eigenen Vermögen.

Glück hatte da der Chor New Spirit in Rimschweiler. Da Chorleiter Steffen Hällmayr im Saarland andere Möglichkeiten hat, schenkte er den Sängern drei Monate lang sein Honorar, freut sich die Vorsitzende, Gabi Sapich. Fast unberührt von Corona blieb Jacks Bierensemble. Zehn von zwölf Vorstellungen fanden statt und der nächste Auftritt ist ohnehin erst für Januar 2022 geplant.

Ganz gleich, wie gut die Vereine die Corona-Zeit finanziell überstanden haben, sind sie sich in einem jedoch einig: Das kann so nicht weiter gehen. Wir brauchen wieder Normalbetrieb mit Sport- und Musikveranstaltungen. Denn lange könne eine solche Durststrecke auch von gesunden Vereinen nicht überbrückt werden. cvw

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