Ein interessantes Experiment

Alfred Hoffmann, 59-jähriger Landwirtschaftsexperte, bau mit seinen Söhnen Wein an

BIRINGEN So früh wie noch nie hat in diesem Jahr die Weinlese begonnen – auch auf dem Saarlouiser Gau bei Biringen. Wein auf dem Gau? Das gibt es doch gar nicht – oder doch? Früher schon, dann rund 100 Jahre nicht mehr, – und jetzt wieder! Alfred Hoffmann, 59-jähriger Landwirtschaftsexperte im saarländischen Umweltministerium, hat vor zwei Jahren zusammen mit seinen beiden Söhnen Philip und Sebastian ein interessantes Experiment gestartet und damit an alte Weinbautraditionen angeknüpft. Und „Jugend forscht“ verspricht unter der Führung eines erfahrenen „Leitwolfs“ eine echte Erfolgsgeschichte zu werden.

Vater Alfred ist als Denker und Lenker „Motor“ dieses Versuchs, Sohn Sebastian (32) als experimentierfreudiger Biolandwirt und Betriebsleiter des „Hofgutes Eichen“ der Praktiker. Und Junior Philip (31), vielen bestens bekannt von seiner Wanderung entlang der deutsch-französischen Grenze von Habkirchen im Bliesgau nach Schengen an der Obermosel während des Corona-Lockdowns, stellt als „kreativer Kopf“ die optimale Ergänzung für dieses außergewöhnliche Trio dar.

Außergewöhnliche Trio

Nicht vergessen darf man jedoch Oma Marianne, die sich auch noch mit ihren 79 Jahren mit großer praktischer Erfahrung, reichlich Erfahrung und ganz viel Bauchgefühl in das Experiment einbrachte. Und wenn sie einmal nicht weiter wusste, wandte sie sich an ihre Freundin, eine Winzerin in Palzem. Kein Wunder also, dass der Weinberg ohne Namen im „Biringer Kappesgarten“ im dritten Jahr seines Bestehens so top da steht.

„Dazu kommt, dass unser Wingert dank seiner Südlage von morgens bis abends Sonne abbekommt und das Biringen aufgrund seiner Höhenlage im Gegensatz zu den Nachbarorten keine Morgennebel zu verzeichnen hat“, erklärt Alfred Hoffmann die günstigen klimatischen Rahmenbedingungen.

Kaum war die Weinlese in Biringen in dieser Woche gestartet, da war sie auch schon wieder zu Ende. „Unser kleiner Wingert mit knapp 1000 Reben auf 25 Ar bringt im ersten Erntejahr eben nur einen geringen Ertrag“, führt Alfred Hoffmann dazu aus.

Mit der Qualität ist er jedoch bestens zufrieden. Lediglich 25 bis 30 Liter wird die erste Weinlese im Biringer Kappesgarten einbringen.

„Viel weniger als erwünscht“, meint Philip Hoffmann schmunzelnd, und sein Bruder Sebastian fügt hinzu: „Das reicht gerade einmal für uns.“ Im nächsten Jahr soll das jedoch schon anders werden. Zum einen versprechen die Reben im „Biringer Kappesgarten“ dann schon einen deutlich höheren Ertrag, und auch die neu angepflanzte Anbaufläche auf der anderen Straßenseite mit dem treffenden Namen „In den Wingerten“ wird dann erstmals Trauben produzieren. Und wenn alles nach Plan läuft, soll zudem im nächsten Jahr ein weiterer neuer Wingert angelegt werden. Alfred Hoffmann und seine beiden Söhne hoffen dann auf mindestens 500 bis 600 Liter, und ein Jahr später soll diese Ertragsmenge wenn möglich sogar verdoppelt werden.

Zwar Hobbywinzer – aber dennoch professionell

Auch wenn die „Hoffmänner“ aus Biringen nur Hobbywinzer sind, gehen sie ihr Weinbau-Experiment so professionell wie möglich an. Bewusst hatte man sich bei der Anpflanzung für die pilzresistenten und robusten Rebsorten „Sauvignac“ und „Cabernet blanc“ entschieden, denn ein sehr guter Bio-Landwein war von Anfang an das erklärte Ziel. Und „Bio“ praktiziert man, wo es nur machbar ist. Jede zweite Rebenreihe wurde in diesem Jahr in eine kleine Blühwiese verwandelt. Diese „Wolff-Mischung“ – so der offizielle Name - umfasste mehr als 40 Pflanzen- und Kräuterarten. „Die Blütenpracht sah nicht nur gut aus, sondern funktionierte auch bestens als Bienenweide“, erklärt Philip Hoffmann.

„Zudem stellen diese Pflanzen einen natürlichen Dünger dar, wenn sie dann bei der Bodenbearbeitung unter gemulcht werden,“ ergänzt sein Bruder Sebastian.

Technisch ist das Trio inzwischen bestens ausgestattet. Traktor, Kelter und Stahltank – alles was gebraucht wird, ist inzwischen vorhanden.

Und Alfred Hoffmann und seine Söhne Philip und Sebastian sind sich sicher, dass es auch in der nahen Zukunft in Sachen Wein vom Saargau steil bergauf geht. „Das Experiment ist jetzt schon gelungen“, freuen sich die drei Hobbywinzer über die bislang so positive Entwicklung. „Und obwohl wir erst angefangen haben, existiert unser Weingut dank Oma Marianne nun eigentlich schon in der dritten Generation“, flachst Philip Hoffmann abschließend.rr

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de