Ein historischer Tag

Deutsche Crosslauf-Meisterschaften: Drei Titel für den LC Rehlingen

REHLINGEN „Wir haben drei Titel!“ Thomas Klein, Vorsitzender des LC Rehlingen, staunte nicht schlecht, als ihm Richard Ringer bei der Cross-DM nach dem 10-Kilometer-Zieleinlauf diesen Satz zurief. So viel Vereinsbewusstsein hatte man dem Star der Deutschen Crosslaufmeisterschaften in Ingolstadt gar nicht zugetraut.

Aber Richard Ringer sorgte an diesem denkwürdigen Samstag noch öfter für Erstaunen. Es begann Punkt 12 Uhr im Hindenburg-Park von Ingolstadt mit dem Mittelstreckenlauf über 4,1 Kilometer. Auf der zuschauerfreundlichen Strecke mit einer Rundenlänge von einem Kilometer hatte sich der Neu-Rehlinger mit einer ganzen Armada von Läufern der LG Telis-Finanz Regensburg auseinanderzusetzen.

Allen voran der aktuelle deutsche Hallenmeister über 3 000 Meter und EM-Teilnehmer Florian Orth. Es dauerte bis zur letzten Runde, dann löste sich Ringer leichtfüßig von dem hartnäckigen Regensburger und lief noch einen Vorsprung von neun Sekunden heraus. Die Regensburger belegten die Plätze zwei bis fünf. Knapp vier Stunden später stand der Lauf über 10,1 Kilometer auf dem Zeitplan. Bis dahin wollte sich Ringer im Hotel etwas ausruhen. Aber das Vorhaben wurde von der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) durchkreuzt. Sie bestand darauf, die Probe sofort vorzunehmen, obwohl man nach dem Langstreckenlauf genauso gut hätte testen können.

Die Rehlinger wunderten sich, wie gelassen Richard Ringer die Prozedur über sich ergehen ließ, wo doch seine geplante Erholungspause dahin war.

Auf der Langstrecke mussten die Läufer den anspruchsvollen Kurs mit vielen Steigungen und engen Kurven zehnmal bewältigen. Wieder waren die Regensburger zur Stelle, u.a. mit dem Sieger von 2017 und 2018 Philipp Pflieger. Aber die schärfsten Konkurrenten kamen mit dem Deutschen 10 000-Meter-Meister Amanal Petros aus Wattenscheid und mit dem Vizemeister über 10 Kilometer Samuel Fitwi Sibhatou von der LG Vulkaneifel. Diese beiden machten Richard Ringer durch hohes Tempo das Leben schwer. „Ich war schon überrascht, dass Amanal in der dritten Runde schon so aufs Tempo gedrückt hat, dass es schneller war als auf der Mittelstrecke.“ erzählte der Rehlinger.

„Verdammt, es wird der dritte Platz, habe ich gedacht. Aber dann hat Amanal wieder herausgenommen. Und hinten war für mich erfreulich, dass ich so schnell laufen konnte.“ Das Finale auf der 200 Meter langen Schlussgeraden war ganz nach dem Geschmack der Zuschauer. Ein erbittertes Sprint-Duell zwischen Ringer und Petros, das erst 20 Meter vor dem Zielstrich zugunsten Ringers entschieden wurde. Nach dem Ziel fielen sich beide in die Arme. Einen Tag später flogen sie ins gemeinsame Höhen-Trainingslager nach Flagstaff (USA). ­Samuel Fitwi wurde Dritter, Philipp Pflieger Vierter.

Mit seinem Doppelerfolg hat Richard Ringer Leichtathletik-Geschichte geschrieben. Noch nie in der langen Crosslauf-Tradition seit 1961 war bei Deutschen Meisterschaften einem Läufer das Double gelungen. „Ich konnte auf der Langstrecke verstehen, warum das so schwer ist und es noch keiner geschafft hat“, erklärte der stolze Doppelsieger, seine Erschöpfung ignorierend. Das Rehlinger Team mit Richard Ringer (1.), Alexander Bock (20.) und Dennis Zimmer (41.) kam in der Mannschaftswertung auf den 5. Platz.

Auch für den LC Rehlingen war dies ein historischer Tag. Erstmals in der Vereinsgeschichte gab es an einem Tag drei Deutsche Meistertitel.

Den dritten Sieg ermöglichten die jungen Damen der Klasse U20. Dank überdurchschnittlicher Mannschaftsleistung sicherten sich Miriam Marx (10.), Katrin Marx (13.) und Katharina Welker (25.) unerwartet vor Löningen und Mönchengladbach den Meistertitel. Auch die zweite Mannschaft des LCR mit Florence Nitschmann, Hannah Seel und Isabelle Steffen bestieg als Achte noch das Siegerpodest. „Das war ein schöner Abschluss der Wintersaison“, freuten sich Aline und Adi Zaar über die Erfolge ihrer Schützlinge. Nur um wenige Sekunden schrammte Senior Jörg Dietrich an einer Medaille ­vorbei. In der Klasse M65 lief er über 5,1 Kilometer einen feinen vierten Platz heraus. red./jb

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