Ein halber Quadratmeter Freiheit

Wanderausstellung: Das Schicksal von Strafgefangenen im Blick der Öffentlichkeit

ZWEIBRÜCKEN Wohl kaum eine andere Ausstellung wirkt so berührend, faszinierend, erstaunlich und tief ergreifend wie die Wandausstellung „Ein halber Quadratmeter Freiheit“ mit „Bildern aus der Haft“, die im Zweibrücker Schloss eröffnet wurde. Dies spiegelte sich in den Reaktionen der mehr als 60 Gäste, die sich vorwiegend aus den Bereichen Justiz, Politik und Kunst zusammen setzten, wie auch in den Wortbeiträgen der Redner. „Kunst hilft, das menschliche und Zwischenmenschliche auch dort zu bewahren, wo es zu ersticken droht“, erklärte die Kuratorin der Wanderausstellung, Cornelia Schmidt-Harmel.

Sie ist Vorstandsmitglied in dem Berliner gemeinnützigen Verein „Art and Prison“ (Kunst und Gefängnis), der seit zehn Jahren Kunstwettbewerbe in Gefängnissen auf der ganzen Welt initiiert und bereits mit mehr als 1500 Kunstwerken von Strafgefangenen aus mehr als 60 Ländern Einblick in die weitgehend unbekannte „Welt hinter Gittern“ erlaubt. Veranstalter sind das Oberlandesgericht, der Kunstverein Zweibrücken und das Stadtmuseum Zweibrücken.

Zum ersten Mal ist daher diese Ausstellung aufgeteilt auf zwei Standorte: Das Zweibrücker Schloss als Sitz des Oberlandesgerichts (OLG) mit zwölf Bildern und 18 Plastiken sowie das Stadtmuseum, das 60 Bilder aus über 20 Ländern zeigt. „Wir waren sehr erstaunt über die enorm hohe künstlerische Qualität der Bilder. Das hatten wir so nicht erwartet“, erklärte Museumsleiterin Charlotte Glück. Sie hat die Bilder aus dem umfangreichen Repertoire von „Art and Prison“ ausgewählt.

OLG-Präsident Bernhard Thurn freute sich, dass über die Ausstellung das persönliche Schicksal von Strafgefangenen in den Blick der Öffentlichkeit gelange. Deren Interesse begrenze sich sonst auf Ausbrüche. Der Rechtsanwalt Carsten Kaempf, Schirmherr der Ausstellung, beschrieb Kunst in der Haft als einen Weg zur Resozialisierung und Re-Integration Strafgefangener in die Gesellschaft.

Dabei sind lediglich Vornamen und Land bekannt, nicht jedoch die Hintergründe für die Inhaftierung. Diese Ausstellung irritiere, seien Gefängnisse doch nicht unbedingt der Boden für Kunst. „Kunst ist die Tochter der Freiheit“, zitierte er Friedrich Schiller. Sie sei ein Akt der Selbstverwirklichung und diene der Selbstreflexion der Strafgefangenen. Jürgen Ecker, Vorsitzender des Zweibrücker Kunstvereins, fand die Geschichten, die mit den Kunstwerken verknüpft sind, sehr erstaunlich. Er zeigte sich zudem sehr beeindruckt von dem künstlerischen Ausdruck. Der Verein sei verpflichtet, die Ausstellung mit Führungen, vor allem auch für junge Menschen, am Leben zu erhalten.

Immer wieder fallen Elemente auf, die in direktem Zusammenhang mit der Haft stehen: Schlüssel und Schlüssellöcher, Gitterstäbe, Personen aus der Justiz, Täter und Opfer. Bei aller Thematik von Schuld und Vergebung faszinieren die Bilder mit hoffnungsvollen, träumerischen und zukunftsvollen Motiven. „Was ist Schuld? Wer wirft den ersten Stein“, lenkte Peter Echtermeyer, Vorsitzender von „Art and Prison“, den Blick auf die Persönlichkeit von Menschen, die sonst oft nur auf ihre Straftat reduziert betrachtet würden. Mit seinen Wanderausstellungen will der Verein hier eine Brücke schlagen. Zahlreiche Besucher folgten Charlotte Glück ins Museum. Sie habe noch nie erlebt, dass sich so viele Menschen über die Bilder unterhalten. Sie sagte: „Sie sind zum Teil wie Wimmelbilder. Hier können Besucher wirklich sehen lernen“.

Zu sehen ist die Ausstellung bis Sonntag, 25. August. Um 11 Uhr findet die Finissage im Stadtmuseum Zweibrücken statt.cvw

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