Ein eindeutiges Wählervotum

Niederlage für Jürgen Gundacker – Neuer Verbandsbürgermeister heißt Björn Bernhard

ZWEIBRÜCKEN-LAND Björn Bernhard (CDU) aus Dietrichingen wird im Juni nächsten Jahres neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Er setzte sich bei der Direktwahl am Sonntag gegen Amtsinhaber Jürgen Gundacker (SPD) aus Contwig mit 56,5 zu 43,5 Prozent der Stimmen durch.

Die Wahlbeteiligung lag mit 56,4 Prozent etwas höher als vor siebeneinhalb Jahren (54,4 Prozent). Ausschlaggebend für den Sieg von Bernhard war, dass er auch in Gundackers Heimatort Contwig und in SPD-Hochburgen wie Dellfeld mehr Stimmen holte als der Amtsinhaber.

„Ich gratuliere meinem Mitbewerber, dem künftigen Verbandsbürgermeister Björn Bernhard, ganz herzlich und wünsche ihm bei allen seinen Amtsgeschäften eine glückliche Hand.“ Mit tonloser Stimme, doch gefasst, gelang Jürgen Gundacker, seine Würde zu wahren. Mit 56,5 zu 43,5 Prozent nach dem vorläufigen Ergebnis, siegte der Bechhofener, der bereits in Wiesbach und Großsteinhausen gewohnt hat und jetzt in Dietrichingen lebt.

3215 der insgesamt 7526 Wählenden hatten sich für den Amtsinhaber entschieden, auf Björn Bernhard entfielen 4175 der 7390 gültigen Stimmen. Dabei hatte Jürgen Gundacker um kurz nach 18 Uhr, als mit Mauschbach der erste, kleine Wahlbezirk der Direktwahl ausgezählt war, noch 80 Stimmen für sich, 66 für Bernhard verkünden können. Doch prompt wendete sich das Blatt. Danach lief das Ergebnis aus Bernhards Wohnort Dietrichingen ein – und der CDU-Politiker überholte den Amtsinhaber. Machte dieser selbst in SPD-Hochburgen wenige Stimmen gut, preschte der 37-Jährige Herausforderer mit bis zu einer Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Wahllokalen seiner Heimatgemeinde Bechhofen, in Riedelberg und Wiesbach mit großen Sprüngen an ihm vorbei.

Die Stimmung im Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde wurde zunehmend betretener, niemand sprach ein Wort, nur Jürgen Gundacker verkündete mit zunehmend tonloser Stimme die Ergebnisse. Um 18.33 Uhr wurde es kurz dunkel im Saal. Oberbürgermeister Dr. Marold Wosnitza hatte versehentlich den Lichtschalter berührt. Den meisten der rund 20 Parteigenossen und Unterstützer im Raum schwante: Das ist irgendwie symbolhaft. Konnte Contwig als größte Gemeinde mit vier Wahllokalen noch das Zünglein an der Waage spielen? Doch auch in seinem Wohnort Contwig gelang es Jürgen Gundacker entgegen allen Erwartungen diesmal nicht, die Mehrheit der Wähler hinter sich zu bringen. „Das ist durch“, war bereits um 18.30 Uhr klar, bevor die allerletzten Ergebnisse die Differenz zwischen Jürgen Gundacker und Björn Bernhard noch vergrößerten.

Seinen prozentual größten Erfolg verbuchte der 49-Jährige in Walshausen, wo sich 57,7 Prozent der Wähler für den SPD-Kandidaten entschieden. Hatte zur Halbzeit gegen 18.20 Uhr noch die leise Hoffnung bestanden, das Blatt könne sich wenden, war wenige Wahlbezirke später klar: „Das war‘s.“ Besonders überrascht waren Jürgen Gundacker, Ehefrau Silke, Parteigenossen aus der SPD sowie der Hornbacher Bürgermeister Reiner Hohn (FDP), der Bechhofener Grünen-Politiker Fred Conrad und der Beigeordnete Bernd Hofer (Grüne) von der Eindeutigkeit des Wählervotums.

Knapp 1000 Wähler mehr haben sich für den Neubewerber entschieden, das sind exakt 13 Prozent mehr als für den Amtsinhaber. Bei der letzten Wahl im Jahr 2012 hatte sich Gundacker (67,0 Prozent) gegen den damaligen CDU-Bewerber Paul Sefrin (33,0 Prozent) durchgesetzt, beide waren damals zum ersten Mal angetreten.

Dass es eng werden könnte, hatten die meisten befürchtet, doch die Eindeutigkeit der Wählerstimmen sorgte für Ratlosigkeit. „Ich verstehe es nicht“, war von allen Seiten zu hören. Zumal das Wählervotum jetzt der Entscheidung des Wahlvolkes bei der Wahl des Verbandsgemeinderates vor einem halben Jahr völlig widersprach.

Wenn Bernhard sein Amt am 1. Juni 2020 antritt, wird Zweibrücken-Land erstmals seit 28 Jahren nicht mehr von einem Sozialdemokraten geführt. So muss der neu gewählte CDU-Politiker Björn Bernhard im Verbandsgemeinderat mit der erst vor wenigen Wochen gegründeten Ampelkoalition (SPD, FDP, Grüne) zusammenarbeiten.

Der Baufinanzierungs-Marktgebietsleiter bei der Postbank in Zweibrücken erlebte seinen Wahlsieg in der Schulturnhalle seines Wohnorts Dietrichingen im Rahmen der Kerb. Gefeiert wurde er von Ehefrau Monika, seinen beiden Kindern Zoe und Phil und gut 100 Unterstützern. Seit 2014 ist Bernhard Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands und war bis Sommer dritter Beigeordneter der Verbandsgemeinde.

„Das war der Wählerwille. Das ist Demokratie“, nahm Gundacker das Wahlergebnis an. Trotz seiner „tiefen Enttäuschung“ wendet sich der Sozialdemokrat der Zukunft zu. „Man weiß nie, wozu das gut ist.“ Ab 1. Juni stehe er dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Für Reiner Hohn war es ein „völlig überraschendes“ Ergebnis. Den FDPler wunderte, dass Bernhard in den SPD-Hochburgen Althornbach und Dellfeld die Mehrheit gewonnen hat. Der Hornbacher Ortsbürgermeister bedauerte den Wahlausgang: „Gundacker hat sehr gute Arbeit geleistet und sich für die Ortsgemeinden eingesetzt.“

„Wir sind mit der SPD und der FDP in einer Koalition“, sagte Fred Konrad (Grüne). Die dabei begonnene „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ werde nach der Wahl fortgesetzt. Auch Konrad konnte das Ergebnis nicht nachvollziehen. Gleichwohl bot der Grünenpolitiker dem neuen Bürgermeister eine konstruktive Zusammenarbeit an.

Ergebnisse im Einzelnen

Ortsgemeinde-Ergebnisse (in Klammern die Prozente für Bernhard/Gundacker): Althornbach (61,4/38,6), Battweiler (49,8/50,2), Bechhofen (68,7/31,3), Contwig (53,4/46,6), Dellfeld (57,5/42,5), Dietrichingen (73,8/26,2), Großbundenbach (44,9/55,1), Großsteinhausen (51,5/48,5), Hornbach (47,8/52,2), Käshofen (46,8/53,2), Kleinbundenbach (58,2/51,8), Kleinsteinhausen (58,7/41,3), Mauschbach (45,2/54,8), Riedelberg (68,6/31,4), Rosenkopf (51,6/48,4), Walshausen (42,3/57,7), Wiesbach (67,8/32,2).cvw

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