Ein echter Hingucker

Sanierung der Pirmasenser Felsentreppe – Turm erhält schillernde Mosaik-Verkleidung

PIRMASENS In Pirmasens entsteht derzeit das wahrscheinlich größte Mosaik in Rheinland-Pfalz. Der schmucklose Turm der Felsentreppe verwandelt sich bis zum Spätsommer durch eine schillernde Verkleidung zu einem echten Hingucker – mit farbenfrohen Motiven aus der heimischen Flora und Fauna.

Bevor ab Mitte August die einzelnen Mosaikfliesen angebracht werden können, wird das 6,50 Meter hohe Funktionsbauwerk in der Schäferstraße instand gesetzt. Die Maßnahmen zur Ertüchtigung wären ohnehin notwendig gewesen, da der Zahn der Zeit am Beton genagt hat. Während der umfangreichen Baumaßnahme bleibt die Treppe ab sofort gesperrt. Fußgänger müssen vorübergehend die Treppenanlage in der Kaffeegasse benutzen, die ebenfalls Schäfer- und Bahnhofstraße miteinander verbindet.

Nachdem der Turm bereits vollständig eingerüstet wurde, werden die Geländer demontiert und durch neue ersetzt. Gleiches gilt für die Platten, die einem neuen Belag weichen. Instand gesetzt wird zuvor die gesamte Betonkonstruktion des Bauwerks, das aus dem Jahr 1969/70 stammt. Im Anschluss wird eine moderne wie energiesparende LED-Beleuchtung installiert. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 195000 Euro.

Während die Bauarbeiter am Treppenturm in der Schäferstraße mit schwerem Gerät zugange sind, sind bei den Künstlern im „gläsernen Atelier“ echte Handarbeit und viel Fingerspitzengefühl gefragt. Zehn Mitglieder der Deutschen Organisation für Mosaikkunst (Domo) werden sich als Freiwillige in das deutschlandweit einmalige Projekt einbringen. Der gemeinnützige Verein, dem nach eigenen Angaben inzwischen 180 Mitglieder angehören, wurde 2008 in Wiesbaden gegründet. Domo hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mosaik als gleichberechtigte Form künstlerischen Ausdrucks ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Von Treppen geprägtes Stadtbild

Wie das alte Rom auf sieben Hügeln erbaut, ist das Pirmasenser Stadtbild geprägt von zahlreichen Treppen, deren Steigung und Stufenwerk nicht nur die Besucher, sondern auch manchen Einheimischen aus der Puste bringen. Zwei große Felsenwände durchziehen die Stadt von Norden nach Süden. Insgesamt 137 Treppen und Treppenanlagen mit über 3000 Stufen sind im Stadtarchiv verzeichnet. Zu den bekanntesten Funktionsbauwerken zählt die aufwendig gestaltete Schlosstreppe mit integrierter Brunnenanlage. Die heutige Felsentreppe wurde 1908 gebaut und löste den ursprünglich in Serpentinen angelegten Felsenbergpfad ab. Das Funktionsbauwerk verbindet über 131 Stufen die Schäfer- mit der Bahnhofstraße.

Chilenische Künstlerin

Für die Realisierung des deutschlandweit einmaligen Projektes konnte das Stadtmarketing gemeinsam mit dem Pirmasens Marketing die aus Chile stammende Künstlerin Isidora Paz-López verpflichten. Unterstützt wird die 43-Jährige von 50 Mosaikkünstlern aus 20 Ländern, die sich unentgeltlich an der Realisierung des großflächigen Fliesenbildes beteiligen. Darüber hinaus haben zahlreiche Künstler aus der ganzen Welt ihre Vogelmosaike per Post nach Pirmasens geschickt, wo sie in das Gesamtkunstwerk eingebaut werden.

Ähnliches wie jetzt in Pirmasens hat Isidora Paz-López bereits zuvor in der chilenischen Hauptstadt realisiert. So zeigen heute die Mauern einer U-Bahn-Station in Puente Alto die farbenfrohe Silhouette eines pittoresken Gebirges. Die veranschlagten Kosten für das Pirmasenser Projekt in Höhe von 50000 Euro werden durch eine großzügige Zuwendung der Liselott-und-Klaus-Rheinberger-Stiftung gedeckt. Unterstützt wird das Projekt von Villeroy & Boch sowie von Agrob Buchtal, zwei der führenden deutschen Keramikfliesenhersteller. Die Verwaltung hatte den Hauptausschuss in der Sitzung im September 2018 mit der künstlerischen Gestaltung befasst. Das Mosaik-Projekt stellt einen weiteren Baustein zur Aufwertung der Innenstadt dar. red./dos

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