Ein aufwendiges Hobby

Karlheinz Kunkler frönt einer alten Tradition – der Herstellung des Hausweins

ASSWEILER Es gibt im Saarland nur noch wenige Obst- und Gartenfreunde, die das aufwendige Hobby des Herstellens von Hauswein aus eigenem Obst beherrschen und jetzt trinken können. Karlheinz Kunkler aus Aßweiler gehört dazu.

Im ländlichen Bliestal war es früher selbstverständlich, sein Brot selbst zu backen, Käse herzustellen oder Wein zu keltern – heute sind diese Techniken weitgehend in Vergessenheit geraten. „Die Bedeutung der bäuerlichen und häuslichen Obstverarbeitung wurde lange Zeit unterschätzt“, sagt Karlheinz Kunkler, 33 Jahre (1987 – 2019) Vorsitzender des 122 Jahre alten, 285 Mitglieder zählenden Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Aßweiler und 15 Jahre Ortsvorsteher des Stadtteils.

Als Vater der Aßweiler Hausweinzubereitung gilt Waldemar Gaa (verstarb 2014), der die Weinherstellung bei seinem Vater Eugen erlernte und dieses Hobby mehr als 60 Jahre pflegte. In Karlheinz Kunkler (74), Horst Witte (80) und Yvonne Lampel (67)hatte Gaa engagierte Hobbywinzer gefunden, deren Streben es ist, die langjährige Tradition an die jüngere Generation weiterzugeben – was sich aber nicht einfach gestaltet.

Karlheinz Kunkler hat sich durch Seminare und Fachliteratur stets weitergebildet, der Experte ist als engagierter Referent landesweit zum Thema Hauswein gefragt. „Eigenes Obst zu verwerten heißt, auch wieder einen stärkeren Bezug zum Baum und zum Strauch herzustellen“, so Kunkler, dem von Verbänden eine führende Rolle über das Saarland hinaus bescheinigt wird. „Das Hobby ist zwar schön und reizvoll, erfordert aber viel Zeit, die entsprechende Ausstattung und Sauberkeit im eigenen Haus“, so Kunkler, dessen Spezialität die Herstellung von Hans-Traube-Wein ist.

„Etwa 80 Liter pro Jahr, abgefüllt in vier Korbflaschen zu je 20 Litern. Dieser Johannisbeerenwein dient zum Eigenverbrauch und zum Verschenken, es gibt keinen Verkauf. “Es gehe darum, den beliebten Dessert- Wein herzustellen. Dieser hat mit 15 Prozent einen höheren Alkoholgehalt, ist milder im Geschmack. Der Gärvorgang dauere bis zu vier Monate. „Der Wein wird dann in saubere Korbflaschen umgefüllt, kühl gestellt, danach muss der Hauswein noch drei Monate in einer Korbflasche ruhen.“

Ab Mai/Juni kann der neue Wein aus Brom- und Johannisbeeren, Süß- und Sauerkirschen, Rhabarber, Schlehen und Äpfeln dann getrunken werden. Die Frage nach dem Lohnen des Aufwandes sei nicht so wichtig. „Die Hausweinzubereitung besitzt für uns Kleinwinzer als Freizeitvergnügen großen Selbsterfahrungswert, es gibt nämlich Einblicke in interessante biochemische Naturvorgänge, wir können eine gewisse Kreativität ausleben und nicht zuletzt leisten wir einen Beitrag zu einer sinnvollen Obstverwertung“, hält Karlheinz Kunkler fest.

Für seine Verdienste im OGV Aßweiler gab es mit der Goldenen Rose des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland/ Rheinland-Pfalz von dessen Vorsitzenden Clemens Lindemann vor zwei Jahren die höchste Auszeichnung, die auch der Ballweiler OGV-Gartenfreund Edelbert Keller erhielt. Auch für Clemens Lindemann Grund genug, mit einem 2019er Hauswein der Sorte Johannisbeere, gemixt mit Cremont als Kir-Royal in Kunklers Garten anzustoßen. red/hh

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