Ein Alleinstellungsmerkmal

Ortsvorsteherin Susanne Murer erläutert das Projekt Archedorf Mörsbach

MÖRSBACH Der Zweibrücker Stadtteil Mörsbach macht derzeit bundesweit Schlagzeilen. Nach der Neujahrsrede von Ortsvorsteherin Susanne Murer gab es ein gewaltiges Rauschen im Blätterwald. Dabei ging es in erster Linie um so genannte Eseltaxis, die nach der Realisierung eines Archedorfes als Beförderungsmittel genutzt werden sollen.

Dabei hat Murer diesen Begriff in keiner Weise verwendet, wie sie betont. Sie berichtete stattdessen in ihrer Ansprache, dass es im Dorf nahezu keine Infrastruktur gebe. Busse nach Zweibrücken und Homburg seien Mangelware, von Geschäften ganz zu schweigen. Es könne aber etwas angeboten werden, das der Entschleunigung diene und dem Ort nutze.

Nach ihren Vorstellungen könnte Mörsbach ein Archedorf werden. Für dieses Projekt gebe es hier schon die Infrastruktur. „Mindestens vier Höfe oder Privatpersonen halten und züchten Haus- oder Nutztiere, die vom Aussterben bedroht sind. Sie könnten dann den Status Archedorf bekommen“, erläuterte die Ortsvorsteherin im Gespräch mit DIE WOCH. Dieses Projekt würde ihrer Auffassung nach den Tourismus ankurbeln – auch eine Vermarktung der Produkte, Führungen und Veranstaltungen auf den Höfen seien Bestandteile des Archedorfes. Leer stehender Wohnraum könne als Gästezimmer vermietet werden. Dieses Projekt sei rein privat und werde lediglich durch die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) unterstützt. So hätte Mörsbach ein Alleinstellungsmerkmal, das gerne auch durch andere Ideen erweitert werden könne.

Murer und ihre Familie würden jedes Jahr mit ihren Tieren am „Lebendigen Krippenspiel“ auf der Kirkeler Burg teilnehmen. Vom dortigen Förderverein sei die Idee gekommen, auch Esel für die Burg zu halten. Diese könnten dann auch im Rahmen von Veranstaltungen innerhalb Mörsbachs eingesetzt werden, beispielsweise für Touren von Hof zu Hof, an Geburtstagen, Hochzeiten, aber auch in Verbindung mit Veranstaltungen der Stadt Zweibrücken. Nie sei an ein „Taxiunternehmen“ gedacht worden.„Es ging darum etwas zu machen, was es nicht schon in vielen anderen Orten gibt. Etwas, das Mörsbach wieder lebendiger macht und es wieder mehr als Teil der Stadt werden lässt“, betonte die Grünen-Politikerin.

Aktuell ein Archedorf in Deutschland

In Deutschland gibt es derzeit nur ein einziges Archedorf. Das rund 600 Einwohner zählende Steinlah liegt in Niedersachsen auf dem Salzgitterischen Höhenzug. Hier haben sich 2009 fünf Höfe für dieses Projekt zusammengeschlossen. Hans-Jürgen Hesse, der Sprecher des dortigen Archedorfes, geht davon aus, dass die Umsetzung in Mörsbach wohl bis zu drei Jahren dauern könnte, da erst einige Kriterien erfüllt werden müssten.

So müssten unter anderem von den über hundert bedrohten Tierrassen jeweils mindestens zwei aus den drei Kategorien A: Rind, Pferde, Schwein und Esel; B: Schaf und Ziege; C: Geflügel, Kaninchen, Bienen und Hund gehalten werden.

Teilnehmen könne nur, wer vorher sechs Monate lang Mitglied der GEH ist. Nötig seien zudem feste Öffnungszeiten, zu denen die Betriebe unter fachkundiger Führung besichtigt werden können. Auch die Züchtung der Tiere sei ein wesentliches Kriterium. Wünschenswert sei zudem eine Produktvermarktung. Die GEH unterstütze das Dorf –insbesondere bei der Öffentlichkeitsarbeit. So soll einmal im Jahr ein Arche-Dorffest stattfinden, an dem laut Hesse mindestens tausend Besucher aus der ganzen Republik erwartet werden. Er selbst kann nach acht Jahren eine überaus positive Bilanz ziehen. nob

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