Ein 3d-Tastmodell ist entstanden

Besondere Überraschung für Adrian Schmitz: Er kann sein Lieblingsbild ertasten

BESSERINGEN Der „Generationenbaum“, ein Acryl-Gemälde der Orscholzer Künstlerin Bertina Nollmeyer, hat Adrian Schmitz aus Besseringen vom ersten Moment an begeistert, seit dem er das Bild bei einer Vernissage im Mettlacher Rathaus „gesehen“ hatte. Dabei ist Adrian Schmitz seit 30 Jahren blind. Ein Verkehrsunfall raubte ihm das Augenlicht. Das hält den 59-Jährigen jedoch nicht davon ab, aktiv am Leben teil zu haben und darüber hinaus mit dem von ihm gegründeten Verein „Herzensengel“ Gutes für in Not geratene Mitmenschen zu tun. Adrian Schmitz hat in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht nur gelernt, seine anfänglichen Depressionen hinter sich zu lassen, sondern auch die Technik zu nutzen, um trotz seiner Sehbehinderung gut im Leben zurecht zu kommen.

Wichtigste Stütze

Wichtigste Stütze ist allerdings seine Frau Astrid, die in vielen Fällen mit ihrer Schilderung ihm seine Augen ersetzt. So auch beim „Generationenbaum“ von Bertina Nollmeyer: Die drei unterschiedlichen Äste eines mächtigen Baumes in Form dreier verschiedener Gesichter, ganz in grün vor einem blauen Himmel gehalten, haben ihn von Anfang an fasziniert und in ihren Bann gezogen. Aber wirklich sehen konnte Adrian Schmitz das Kunstwerk nicht, das für ihn ein strahlendes Symbol des Lebens darstellt. Das wusste auch Bertina Neumeyer, für die dieses Bild auch etwas Besonderes ist, denn es drückt viel Persönliches aus. Es entstand im Rahmen eines Zyklus „Älterwerden“, und zwar exakt in einer Zeit, als ihr Lebenspartner schwer erkrankte und schließlich auch starb.

Für Bertina Nollmeyer (61), als Künstlerin eine „Spätstarterin“, die erst vor knapp 15 Jahren mit der Malerei begonnen hatte, zudem Autodidaktin ist und ihre Kreativität stets als Gegenpol zum Erlebten sieht, nicht zuletzt zu ihrer beruflichen Arbeit als Pädagogin im täglichen Umgang mit Geistigbehinderten. Auch für sie ist dieser „Generationenbaum“ ein Symbol des Lebens schlechthin. Die drei Gesichter, das erste jung und voller Dynamik, das zweite immer noch vital aber schon geprägt von Erfahrung und das dritte gezeichnet vom Leben, verkörpert für sie den Werdegang des Menschen.

Und um ihre Eindrücke Adrian Schmitz noch näherzubringen, hatte sie sich jetzt eine ganz besondere Überraschung einfallen lassen. Sie malte das Bild ein zweites Mal, allerdings dreidimensional. Dazu nutzte sie die Mischtechnik und nahm als Trägermaterial zusammengedrücktes Seidenpapier, sodass ein regelrechtes 3D-Tastmodell entstand.

Und dieses einzigartige Kunstwerk schenkte sie nun Adrian Schmitz. Aber nicht genug damit: Sie packte auch das Original dazu, denn die Merziger „Herzensengel“ und ihr engagiertes Wirken für Menschen in Not liegen ihr doch sehr am Herzen.

Einzigartiges Kunstwerk

Mehr als 250000 Euro haben Adrian Schmitz‘ „Herzensengel“ in den letzten Jahren erwirtschaftet und gespendet. Und immer konnte unbürokratisch und schnell in Not geratenen Menschen aus unserer Region geholfen werden.

Und so soll nach dem Wunsch von Schmitz und Nollmeyer der „Generationenbaum“ nun zu einer Art „Lebensbaum“ werden, um meistbietend verkauft zu werden, damit mit seinem Erlös wiederum Gutes getan werden kann. Seinen „3-D-Generationenbaum“ will Schmitz allerdings nicht hergeben. Er soll in seinem Haus einen Ehrenplatz erhalten.rr

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de