Die Wälder und das Klima

Waldführung mit dem Waldscout Michael Miersch

ZWEIBRÜCKEN/ HAUENSTEIN Weltweite Probleme wie Erderwärmung und Trockenheit könnten behoben werden, wenn die Menschen, anstatt abzuholzen, wieder mehr Wälder pflanzten. Diese und noch viel mehr spannende Informationen erhielten die fast 20 Teilnehmer an der Waldführung mit Waldscout Michael Miersch auf Einladung des Naturheilvereins Südwestpfalz.

Bei knapp 30 Grad ließ der zertifizierte Waldführer nach Peter Wohlleben seine Gruppe am ersten Schattenplatz an einer großen Wiese hinter dem Hauensteiner NaturErlebenisZentrum halten. „Was seht ihr?“ fragte er und erhielt die korrekte Antwort: „Einen großen Waldpark“. Denn nicht einmal im Pfälzer Wald gibt es noch Urwald, sondern auch hier wird gezielt angelegte Forstwirtschaft betrieben. Unter anderem die wie mit dem Lineal gezogenen Fichten zeugen davon.

Doch Nadelbäume sind bei uns weder heimisch, noch fühlen sie sich wohl. Das liegt daran, dass sie zum einen mit ihren abgeworfenen Nadeln einen sauren Boden erzeugen, während die heimischen Laubbäume wie Buche und Eiche den Boden basisch machen. Einzige Ausnahme ist die ebenfalls basische Weißtanne. Außerdem sei es Kiefern und Fichten bei uns viel zu warm und zu trocken, obwohl sie mit ihren Nadeln in der Lage sind, Wassertröpfchen aus Nebel „herauszukämmen“ und an ihre Wurzeln regnen zu lassen. „Das macht sie schwach und anfällig, etwa für den Borkenkäfer“, beschreibt der Waldexperte das Klimaproblem.

Nach wenigen Schritten ließ er die Gruppe an einer Waldkreuzung erneut anhalten. „Merkt ihr etwas?“ Schnell stellten alle gemeinsam fest, dass es dort deutlich kühler war, als an dem Schattenplatz an der Wiese. „Der Wald reguliert unser Klima“, beschrieb Michael Miersch. Studien haben gemessen, dass ein Laubwald die Durchschnittstemperatur gegenüber einer Steppe um 15 Grad senkt, ein Nadelwald immerhin um zehn Grad. So erscheint logisch, dass die Erderwärmung etwas mit den seit Jahrhunderten groß angelegten Abholzungen zu tun hat.

Bevor in Spanien Flotten gebaut wurden, um Amerika zu entdecken, war das Land von Wald bedeckt. Heute ist es dort baumarm und heiß. Da Bäume bei zu großer Trockenheit Wolken auch zum Abregnen bringen können und Wälder gleichzeitig als „Wasserpumpen“ fungieren, könnten Wälder für fruchtbare Böden auch weit im Landesinneren mit kargen Böden sorgen.

Doch auch in den heimischen Wäldern werde Holz als Rohstoff angebaut. Die Beliebtheit von Holzmöbeln aus dem Möbeldiscounter trügen ebenso zu dem weiter ansteigenden Bedarf bei wie die Meinung, sich regelmäßig neu einrichten zu wollen. „Da darf sich jeder von uns selbst überdenken. Früher wurden Schrank und Tisch regelmäßig restauriert und möglichst über Generationen vererbt“, regte der Waldscout an. In einem Windbruch klärte Michael Miersch über den Mythos von flach wurzelnden Kiefern und anderen Nadelbäumen auf. Bäume hätten alle ganz lange Pfahlwurzeln, wenn der Baum in seinem Ursprünglichen Heimatgebiet aufwächst und die Bodenbeschaffenheit entsprechend für den Baum geeignet ist.

Oft würden beim Pflanzen jedoch die Pfahlwurzeln gekappt oder nach oben umgebogen. Auch bereits verfestigte Böden, wie etwa aus ehemaligen Siedlung durch Äcker und Dörfer entstanden, verhindern ein tieferes Eindringen der Wurzeln in das Erdreich. Die Wurzel bleibt folglich flach. Da sie sich nach dem Wasser richten und dieses lediglich in den oberen Erdschichten vorhanden sei, wurzelten sie in die Weite statt in die Tiefe und seien daher weniger stabil.

Doch Michael Miersch kennt sich nicht nur mit Bäumen aus. „Wisst ihr, weshalb Bienen an einer Pflanze nur bestimmte Blüten besuchen und andere nicht?“ Das Insekt hinterlasse eine elektrische Ladung, die von der Nachfolgerin wahr genommen werde und eine gewisse zeitlang als Besetzt-Signal gelte. So sichere die Natur, dass nicht immer nur dieselben, leicht zugänglichen Blüten bestäubt würden, sondern alle. „Das fand ich besonders interessant“, fasste die Landschaftsarchitektin Dagmar Jankwitz am Ende der zweistündigen Tour zusammen.

Michael Miersch hingegen plant Waldführungen im Auftrag der VHS auch in Zweibrücken. Er informiert: „Die Herbst-Termine müssen wir allerdings noch festlegen.“

Anmeldung

Um die Raumaufteilung zu planen, bittet die Vereinsvorsitzende, Sandra Miersch, um rechtzeitige Anmeldung unter (06333) 274823 oder per E-Mail an nhv-swp@gmx.de. Infos auch unter www.waldeffekt.com, www.naturheilverein-swp.de.

Termine Naturheilverein Südwestpfalz:

Sonntag, 19. Juli, 14 Uhr, NaturErlebenisZentrum Hauenstein, Waldführung.

Mittwoch, 29. Juli, 18.30 Uhr Naturheilpraxis Beate Koch, Heltersberg, „Impfen und Organspende“.cvw

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