Die Planungen für 2021 laufen

Landgestüt Zweibrücken meistert Situation in der Corona-Krise bestmöglich

ZWEIBRÜCKEN Eigentlich hätten nach dem verspäteten Saisonbeginn im Sommer auch jetzt im Herbst noch Turnierveranstaltungen Reiter und Zuschauer ins Landgestüt Zweibrücken bringen sollen. Doch der Teil-Lockdown hat die Turniersaison im Landgestüt abrupt beendet.

Auf dem Programm standen noch zwei Springturniere des Clubs Saarpfälzischer Springreiter, davon ein hochkarätiges mit einer schweren Springprüfung der Klasse S** im Zwei-Sterne-Bereich, sowie ein ebenfalls ganz hochkarätiges Dressurturnier der Dressur-Sport-Gemeinschaft Bliesgau mit Prüfungen im Dreisterne-Bereich.

„Es ist leider, wie es ist“, akzeptiert Gestütsleiterin Maren Müller die Umstände. Sie ergänzt: „Wir haben für dieses Jahr alle noch angedachten Ideen auf Eis gelegt und konzentrieren uns bereits auf die Planung für 2021.“ Immerhin hätten trotz vieler Ausfälle wie der Landesjugendschärpe des Vielseitigkeitsnachwuchses oder den Landesmeisterschaften der Kutschenfahrer noch eine Vielzahl an Turnieren und Zucht-Veranstaltungen stattgefunden. Maren Müller beschreibt: „Die Reiter haben ganz spontan reagiert und uns mit diversen Veranstaltungen unterstützt. Alle sind froh, dass wir neben unserem einzigartigen Ambiente auch die Top-Bedingungen, sowohl sportlich als auch raumtechnisch, bieten können. Das Hygienekonzept war für uns trotz allem Aufwand eher unproblematisch zu stemmen.“

Der Springreiter-Club hat im Sommer gleich sechs Springturniere veranstaltet sowie ein spezielles Turnier für Jungpferde, bei dem zugleich die Landes-Champions ermittelt wurden. Die DSG Bliesgau richtete nach dem großen Erfolg im Februar erstmals noch ein weiteres Dressurturnier speziell für Nachwuchspferde und Amateurreiter aus, das großen Anklang fand. Der Islandpferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar, der im März bereits sein Islandpferdeforum absagen musste, ließ im Oktober anstelle der Kombiveranstaltung aus Zucht, Sport und regelmäßig ausgebuchtem Gala-Abend immerhin ein Outdoor-Turnier quer durch alle Leitungsklassen starten. Mit dem Trakehner-Weekend, der Elitestutenschau, dem Fohlenchampionat und dem Goldenen Zweibrücker Herbst mit Hengstkörung und Hengstauswahl für die Süddeutsche Körung in München fanden alle wichtigen Zuchttermine statt.

Großveranstaltungen ins Jahr 2021 verschoben

Die Großveranstaltungen, die 2020 allesamt den Corona-Bach hinunter flossen, sollen im kommenden Jahr nachgeholt werden: die Bernd-Hackl-Show „Einhorn besser keins“ und vor allem die beliebte große Pferdegala. Um auf der ganz sicheren Planungsseite zu sein, wird diese die Krönung eines hoffentlich vielfältigen Veranstaltungsjahres 2021 im Spätherbst kurz vor Weihnachten sein. „Wir sind aktuell dabei, alle Termine zu planen und zu koordinieren“, bestätigt die Gestütsleiterin. Zwölf Turniere des Saarpfälzischen Springreiter-Clubs, mehrere Dressurturniere der DSG Bliesgau mit unterschiedlichen Zielgruppen, die traditionellen Islandpferdefestivals im Frühjahr und im Herbst stehen ebenso auf dem Programm wie die traditionellen Züchterveranstaltungen. Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr sollen nach Möglichkeit auch wieder Zucht und Sport am selben Wochenende zusammen geführt werden. Mit einer Anfrage der Deutschen Western Union planen über Ostern auch die Westernreiter ihre Rückkehr in die historische Kulisse des Landgestüts.

Doch trotz des weggebrochenen Veranstaltungs-Sektors als einem finanziellem Standbein hatte das Landgestüt Glück im Unglück. Fast völlig unbeeinflusst von Corona blieb das Standbein EU-Besamungsstation. Maren Müller freut sich: „Wir hatten immerhin eine sehr gute Zuchtsaison.“ Züchterliebling ist einmal mehr der Hannoveraner Springhengst Camargo. Auf Grund der internationalen Turnierpause war der bis in die Weltspitze hoch erfolgreiche Spitzenvererber einmal mehr persönlich im Landgestüt aufgestellt und somit auch mit Frisch-Samen verfügbar.

Verschönern statt veranstalten

Die Veranstaltungsruhe nutzte das Team im Landgestüt für weitere Verschönerungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Unter dem Motto „Aus alt mach neu“ wurden im Dezember 2019 zunächst die fünf Hengstpaddocks und in diesem Herbst auch noch die sieben Stuten-Paddocks neu gemacht. Mit verschiedenen Bodenschichten bieten sie auch nach Regen noch einen kuscheligen Untergrund. Mit ihren silberfarbenen Umrandungen sehen die zudem auch noch elegant aus. So verbinden sich eine erhöhte Wohlfühlqualität für die Pferde mit einer Image-Aufwertung für das Landgestüt.

„Hier haben wir Rasen gesät und dort sollen noch Bäume gepflanzt werden“, beschreibt Maren Müller den Eingangsbereich zu den neuen Paddocks. Das Dekogrün von den Turnierveranstaltungen in seinen Kübeln bringt dauerhaft noch mehr Grün ins Landgestüt. Im November wurden die Ställe neu gestrichen, von den abgeblätterten Boxenstäben bis zu den Wänden. Der Innenhof, der seit dem Abbruch der Verbindung zwischen den beiden Reithallen aus feuertechnischen Gründen darauf wartet, erhielt seinen neuen Farbanstrich.

Doch auch im Verwaltungsgebäude wurde gewirkt. Der Besprechungsraum, in dem bei Turnieren auch die Meldestelle untergebracht ist, wurde zu einem attraktiven Repräsentationsraum gestaltete. Selbst gestaltete Plakatbilder an den Wänden erzählen in groben Zügen die mehr als 260-jährige Geschichte des renommierten Landgestüts. Den hölzernen Besprechungstisch umrahmen Lederstühle mit hohen Lehnen. Maren Müller und ihr Team planen: „In die Ecke dort kommt noch ein Gussofen.“ Mit einer passenden, alten Lampe und weiterem, abgestimmten Mobiliar soll das historische Ambiente ergänzt werden – nächstes Jahr. cvw

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