Die Kraft des Fastens – Wie es funktioniert und was es bewirkt

Vom Fasten haben die meisten schon einmal gehört: Man darf nichts bis wenig essen und nimmt dadurch ab – So jedenfalls oft die vage Vorstellung. Doch so einfach ist es nicht. Wer richtig fastet, erlebt oft eine wahre Wandlung des Körpers und der Sinne. Denn Fasten kann nicht nur beim Abnehmen helfen, es kann den Körper regelrecht „entgiften“ und diverse Krankheitsbeschwerden lindern. Außerdem verändert sich beim Fasten oft auch die Einstellung zum Essen, zum eigenen Konsum und dem Umgang mit Lebensmitteln. Körper und Psyche sind somit gleichermaßen vom Fasten betroffen. Wer es noch nicht ausprobiert hat, sollte sich einfach einmal trauen. Spätestens nach einer Absprache beim Hausarzt kann eigentlich nur Positives daraus entstehen.

Fasten – Wo kommt es eigentlich her?

Gefastet wird schon seit vielen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. In der Geschichte der Menschheit tauchen bestimmte Ernährungskuren etwa schon im Alten Testament auf. Auch in der hippokratischen Medizin, die etwa auf 400 vor Christus zu datieren ist, gibt es fastenähnliche Ernährungskuren. Sie sollen dabei helfen, Übergewicht zu bekämpfen oder auch Stoffwechselstörungen, Rheuma und Arthritis in den Griff zu bekommen.

Spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Fasten „wiederentdeckt“ und verzeichnet seither eine weltweite Erfolgsgeschichte im Bereich der natürlichen Gesundung. Der deutsche Arzt und Naturheilkundler Otto Buchinger (1878-1966) war mit für diese Renaissance des Fastens verantwortlich. Er selbst hatte im Jahr 1919 drei Wochen gefastet, um die schweren Folgen einer Mandelentzündung zu heilen – Rheuma in den Gelenken führte und eine vermutliche rheumatische Arthritis. Er war davon so begeistert, dass er ein Jahr später eine eigene Heilfastenklinik, das Kurheim Dr. Otto Buchinger, gründete. Der Rest ist Geschichte. Heute gibt es in Deutschland eine Buchinger-Klinik am Bodensee sowie in Bad Pyrmont in Niedersachsen.

Das Fasten beschränkt sich allerdings nicht allein auf das bekannte Buchinger-Fasten. Es gibt inzwischen unterschiedliche Arten von Fastenkuren und dazugehörigen Dingen, wie etwa dem Fasten-Wandern, das auch im Saarland wunderbar funktioniert.

Verschiedene Arten von Fastenkuren

  • Das Vollfasten: Vollfasten bedeutet, dass man dem Körper, während mehrerer Tage keinerlei Kalorien zufügt. Fastende trinken deshalb ausschließlich Wasser und Tee. Da diese Fastenkur die extremste Form des Fastens ist, ist sie nur erfahrenen Fastenden zu empfehlen. Außerdem sollte für diese Art des Fastens unbedingt zuerst mit dem Hausarzt gesprochen werden. Bei Vollfastenkuren, die länger als eine Woche dauern, ist dieser Arzt außerdem regelmäßig zu einer Kontrolle zu besuchen.
  • Das Buchinger-Fasten: Beim Buchinger-Fasten dürfen zusätzlich zu Wasser und Tee noch andere Getränke integriert werden. In der Regel sind das Gemüsebrühen und bestimmte Säfte.
  • Das Saftfasten: Saftfasten bezeichnet eine Form des Fastens, bei der gezielt mit Säften gearbeitet wird, die alle drei bis vier Stunden getrunken werden. Gute Fastensäfte haben einen hohen Anteil an Gemüse und nur einen geringen an Obst, um die Kalorienzufuhr auch hier möglichst gering zu halten.
  • Das Intervallfasten: Oben genannte Fastenkuren werden meist nur drei, fünf oder sieben Tage durchgeführt – erfahrene Fastende dehnen das Fasten auch einmal länger aus. Das Intervallfasten hingegen lässt sich fest in den Alltag integrieren. Hierbei wird normal Nahrung zugeführt. Allerdings achtet man darauf, lange Phasen in den Tag und die Nacht einzuplanen, in welchen überhaupt nicht gegessen wird. Diese Phase kann etwa 16 Stunden lang sein. Das würde beispielsweise bedeuten: Die letzte Mahlzeit am Abend wird um 20 Uhr zu sich genommen, die nächste am Folgetag erst wieder mittags um 12 Uhr.

Verzichten lernen während der Fastentage

Grundsätzlich geht es beim Fasten also darum, eine bestimmte Zeit lang auf feste Nahrung zu verzichten. Ungezuckerte Getränke – vor allem Wasser, Tees und Gemüsesäfte – werden stattdessen bewusster und in bestimmten Abständen getrunken. Gerade mit Säften in Saftkuren wird versucht, den Kreislauf zu stabilisieren und das Fasten so angenehm wie möglich zu gestalten.

Gesunde Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren können im Grunde bedenkenlos einige Tage auf feste Nahrung verzichten. Wer bestimmte Erkrankungen hat, bei denen die Ernährung eine entscheidende Rolle spielt, sollten unbedingt zunächst einen Arzt konsultieren. Menschen mit schweren Herz- und Nierenerkrankungen, Krebserkrankungen, Gicht oder Gallenproblemen sollten auf das Fasten grundsätzlich verzichten. Auch Schwangeren und Stillenden ist das Fasten selbstverständlich untersagt.

Übrigens geht das Verzichten beim Fasten über die Aufnahme von Nahrung hinaus. Denn um die optimalen Effekte einer Fastenkur spüren zu können und für die Gesundheit mitzunehmen, sollte auch auf andere Angewohnheiten verzichtet werden. Ganz oben auf der Liste stehen der Alkoholkonsum und der Tabakkonsum sowie der Konsum anderer Suchtmittel und Drogen. Der positive Nebeneffekt dieses Verzichts: Durch die mehrtägige Pause kann das Fasten mitunter sogar der Anlass sein, sich etwa das Rauchen gänzlich zu entwöhnen. Angesichts der Vielzahl gesundheitsschädlicher Effekte, die das Rauchen mit sich bringt, hat das Fasten so noch einmal immens verstärkte positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

Mögliche körperliche Effekte durch das Fasten

Noch sind die Effekte, die das Fasten auf die menschliche Gesundheit hat, nicht medizinisch eindeutig nachgewiesen. Größere Humanstudien, die derzeit starten oder bereits laufen, sollen etwa in den Jahren 2023 und 2024 Ergebnisse liefern und so genauere Einblicke geben. Fest steht allerdings bereits jetzt, dass Menschen seit vielen Jahren und Jahrzehnten von ihren Fastenerfahrungen schwärmen. Je nach individuellem gesundheitlichem Stand und nach der eigenen Krankheitsgeschichte kann eine Fastenkur dabei die unterschiedlichsten positiven körperlichen Effekte haben. Dass der Verzicht auf Nahrung in jedem Fall bestimmte Prozesse im Körper bewirkt, ist wiederum unbestreitbar.

Innerhalb der ersten ein bis zwei Tage des Fastens stellt sich der menschliche Körper nämlich um. Sind die Kohlenhydratspeicher, die für den Energiegewinn angezapft werden, aufgebraucht, wechselt der Körper in den Fettstoffwechsel. Hier werden die „Reserven“ aufgebraucht und das ungesunde Bauchfett beginnt langsam zu schmelzen. Auch Proteinreserven werden nach und nach aufgebraucht. Immer wieder ist die Rede davon, dass dabei auch falsch gefaltete Proteine abgebaut werden. Diese stellen regelrechtes Zellgift dar und können verschiedene Krankheiten befördern. Der Ausdruck des „Entgiftens“ durch das Fasten kommt unter anderem von dieser Wirkung einer Fastenkur.

Übrigens werden die Muskeln durch das Fasten nur abgebaut, wenn sie nicht bewegt werden. Selbst Kraftsportler:innen können also mehrere Tage bedenkenlos auf Nahrung verzichten. Was allerdings definitiv vonstatten gehen wird, ist ein Gewichtsverlust. Dieses Abnehmen ist von vielen Fastenden allerdings gewollt und gehört damit durchaus auch zu den positiven Effekten. Bereits nach einer Woche verlieren Frauen durch das Fasten gut und gerne 4 Kilogramm Gewicht, bei Männern sind es ganze 6 Kilogramm.

Was Fasten mit der Psyche macht

Ein entscheidender Bestandteil jeder Fastenkur ist nicht nur das Entspannen der Verdauung und des Stoffwechsels. Vielmehr sollte auch der Psyche über die Fastenzeit mehr Ruhe und Gelassenheit geschenkt werden als im gewöhnlichen Alltag. Ganz bewusst auf den Körper zu hören und darauf zu achten, was mit diesem während des Fastens passiert, erfordert mehr Aufmerksamkeit und Zeit. Die Effekte allerdings sind enorm, denn durch mehr Fokus auf den Körper, ändert sich oftmals das gesamte seelische, wie körperliche Befinden.

Wer nicht mehr ständig isst oder sich Essen zubereitet, hat auf einmal auch deutlich mehr Zeit. Doch grundsätzlich dehnt sich die gefühlte Zeit für viele Menschen durch das Fasten noch einmal mehr aus. Muss der Körper nicht verdauen, scheint ein Tag manchmal gar doppelt so lange. Diese Zeit kann genutzt werden, um etliche aufgeschobenen Dinge zu erledigen oder zu meditieren und immer wieder tief in sich zu gehen.

Gerade auch die Zeit nach dem Fasten ist maßgeblich von den Erkenntnissen und Entscheidungen während der Fastenkur bestimmt. Diese ist bei vielen Fastenden der Anlass, von nun an genauer auf die Ernährung zu achten oder diese gar dauerhaft umzustellen. Weniger tierische Produkte, weniger industriell Verarbeitetes, weniger Zucker, Fett und Alkohol und dafür mehr Gemüse, Obst und frisch Zubereitetes – derlei Pläne lassen sich im Anschluss ans Fasten als „Neustart“ oft erfolgreicher umsetzen als ohne Fastenkur. Da die ersten Tage nach der Fastenkur nur leichte Kost zugeführt werden sollte, um den verkleinerten und zur Ruhe gekommenen Magen nicht zu überfordern, kann sich hier auch darin geübt werden, gut zu kauen und jeden Bissen richtig zu genießen.

Allgemeine Tipps für die erste Fastenkur

 

  • Die beiden Tage vor der Fastenkur sollte bereits begonnen werden, nur noch leicht verdauliche und bestenfalls flüssige Nahrung (in Form von Suppen) zu sich genommen zu werden. Dieses „Reinfasten“ erleichtert den Einstieg in die Kur.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung gehört zum Fasten dazu. Die frische Luft und die körperliche Aktivität steigern das Wohlbefinden während der Kur ungemein und halten den Körper warm und aktiv
  • Ausreichend Schlaf ist ebenfalls essentiell. Mindestens sieben, besser noch acht Stunden Schlaf sollten es pro Nacht sein, um dem Körper die notwendige Entspannung zu geben.
  • So seltsam es klingen mag: Kopfschmerzen, die während des Fastens entstehen können, kann mit Hilfe einer Darmentleerung am ersten Tag der Fastenkur entgegengewirkt werden. Auch das typische Grummeln im Bauch lässt sich dadurch mindern. Glaubersalz, das in der Apotheke zu erhalten ist, wird zum Abführen beim Fasten gerne verwendet.
  • Ein Hilfsmittel, das die Regeneration fördert und beim Entspannen während des Fastens hilft, sind sogenannte Leberwickel. Hierfür wird ein warmes Handtuch auf dem Oberbauch platziert, das mit einer Wärmflasche bedeckt wird. Ein großes, trockenes Handtuch wird nun um den Körper gewickelt, um das Ganze zu fixieren. Dieser Leberwickel sollte, je nach Befinden und Wärme, zwischen 20 und 30 Minuten wirken.

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