Die Erste, die sich „getraut“ hat

Impfeinsatz von Dr. Andreas Lauer im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen

Püttlingen. „Beim Start dabei zu sein war mir eine persönliche Ehre“, sagt Dr. Andreas Lauer, der als Arzt mit einem der ersten mobilen Impfteams im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen im Einsatz war.

Den ersten Einsatz hatte Andreas Lauer sonntags im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen. „Alle Impfteams und auch die vielen Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sind mit gespannter Erwartung in den ersten Impftag gegangen“, berichtet der 54-Jährige, der als niedergelassener Chirurg in Saarbrücken arbeitet und außerdem als Oberarzt im CaritasKlinikum Saarbrücken St. Josef Dudweiler tätig ist.

Die Teams trafen sich um 7.15 Uhr am Gesundheitsministerium. Nach einem Briefing seitens des Ministeriums wurden zunächst alle Mitglieder der Impfteams von Andreas Lauer mit einem Corona-Schnelltest getestet.

Gegen 9.15 Uhr kam das Team in Püttlingen an. „Wir wurden hier freundlich und sehr gut vorbereitet empfangen. Auch hier war eine gewisse Anspannung, aber auch Vorfreude zu spüren.“ Die Pharmazeutin vor Ort, Antoinette Angel, bereitete im Anschluss die Impfdosen vor und überwachte den komplexen technischen Bearbeitungsprozess des aufgetauten „Roh“-Impfstoffes. Zeitgleich wurden die angemeldeten Impflinge administrativ erfasst und dann ging es los.

Insgesamt 91 Bewohner geimpft

Die erste Bewohnerin, die Andreas Lauer rund eine Stunde nach Ankunft vor Ort impfen durfte, war die 84-jährige Mathilde Mathis. „Der Start des Impfens war etwas holprig“, erzählt Lauer. „Aber nachdem sich der Ablauf ein wenig eingespielt hatte, waren wir deutlich schneller. Hierbei war der persönliche Kontakt mit den Bewohnern wichtig. Alle zu impfenden Bewohner wurden von uns persönlich angesprochen. Mit vielen von ihnen haben wir uns gut und oftmals rege ausgetauscht. Viele der alten Menschen waren erstaunlich gut informiert und erwarteten uns zum Teil schon ungeduldig.“

In den folgenden vier Stunden wurden insgesamt 91 Bewohner von zwei Impfteams geimpft. Eine Pflegekraft der jeweiligen Station begleitete das Team in die Zimmer, half beim Teilentkleiden und hatte einen beruhigenden Einfluss auf die Bewohner in einer nicht alltäglichen Situation. Zudem waren die beiden Verantwortlichen der Pflegedienstleitung durchgehend anwesend. „Alle haben die Impfung problemlos vertragen“, berichtet Andreas Lauer. „Nach Beendigung des Impfens haben wir nochmals allen Impflingen einen Besuch abgestattet – allen ging es gut.“ Danach wurde der administrative Teil abgeschlossen, nach der Rückfahrt gab es dann noch ein kurzes Feedbackgespräch im Ministerium.

Dr. Lauer zieht positive Bilanz

Andreas Lauer zieht eine positive Bilanz des ersten Einsatzes: „Der Tag war rückblickend aus meiner Sicht erfolgreich. Größere Probleme oder Pannen gab es nicht, insbesondere der eigentliche Impfvorgang war reibungs- und komplikationslos. Die Unterstützung und Motivation durch das Pflegeheim war sehr groß. Das Pflegeheim scheint mir sehr gut geführt. Diesen Eindruck hatte ich schon vor einigen Monaten, als ich mit einem mobilen Test-Team dort war. Zusammen mit der Pharmazeutin und dem Leiter der Einrichtung fanden wir uns am Nachmittag zu einer spontanen Gesprächsrunde zusammen. Wir haben Verbesserungsvorschläge von beiden Seiten aufgenommen. Zusammenfassend war es für mich ein besonderer Tag. Die Arbeit war erfolgreich, die Stimmung bei allen sehr gut. Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein.“

Auch eine Frage des ­Berufsethos

Für Andreas Lauer ist sein Engagement auch eine Frage des Berufsethos: „Die Corona-Pandemie ist primär eine weltweite schwere medizinische Krise. Ihre Bekämpfung liegt deshalb auch primär in den Händen und der Verantwortung der medizinischen Fachkräfte. Mit Beginn der Pandemie im Frühjahr habe ich immer wieder als Arzt zusätzliche Tätigkeiten übernommen soweit es mein persönlicher Freiraum zuließ.“

So hat Andreas Lauer einen befreundeten, hausärztlich tätigen Kollegen in dessen Corona-Schwerpunktpraxis im Frühjahr für zwei Monate vor allem an Wochenenden und Feiertagen unterstützt und Dienste im Testzentrum Saarbrücken gemacht. Für die KV Saarland hat er weitere Tätigkeiten übernommen und Corona-Abstriche als Hausbesuche sowie einen beratenden Telefondienst übernommen.

„Mit der jetzt möglichen Impfung gegen das Corona-Virus geht die Pandemie in eine neue und entscheidende Phase, in der die Ausbreitung des Virus hoffentlich schnell und wirksam bekämpft werden kann. Konsequenterweise war für mich klar, dass ich mich als Arzt jetzt vor allem bei der Impftätigkeit einbringen werde.“ Entsprechend hat er sich beim Ministerium als Impfarzt eintragen lassen.

Enorme Herausforderung

Die Umsetzung sei eine enorme logistische und medizinische Herausforderung auf vielen Ebenen, sagt Lauer. Dass der Impfstart aufgrund der vorgezogenen EU-Zulassung des Biontech-Impfstoffes eine Woche früher als ursprünglich geplant gestartet sei, habe den Zeitplan gehörig durcheinander gewürfelt und den Verantwortlichen einiges abverlangt.

„Diese Impfung ist historisch und hat ein bisher nicht gekanntes Ausmaß. Auch wenn es sich pathetisch anhört: Beim Start dabei zu sein war mir tatsächlich eine persönliche Ehre.“ red./dos

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