Die entscheidende Frage: Wer macht weiter?

Lebenshilfe Sulzbach-/Fischbachtal zieht sich aus Soforthilfe-Programm zurück

Sulzbach-/Fischbachtal. Die Lebenshilfe Sulzbach-/Fischbachtal hofft auf Chancengeber in Pandemiezeiten. Jetzt sei die Zeit, in der geholfen werden müsse. Wenn sich die Lebenshilfe Ende März aus dem Corona-Soforthilfe-Programm zurückzieht, dürften die Menschen nicht auf der Strecke bleiben. Ideen seien da, Knowhow könne weitervermittelt werden, aber aktiv werden müssten nun

andere.

Unbürokratisch tätig in

der Corona-Selbsthilfe

Seit nunmehr einem Jahr engagiert sich die Lebenshilfe Sulzbach-/Fischbachtal in Kooperation mit der Gemeinwesenarbeit (GWA) Dudweiler und den Kirchen im Bereich der Corona-Soforthilfe. Unbürokratisch, schnell und mit Herzblut setzt sich das Team für die Bedürfnisse von Menschen ein, die durch die Pandemie gehörig in Schieflage geraten sind. Menschen in Kurzarbeit, aus dem Schaustellergewerbe, Künstlerinnen und Künstler, Menschen mit Migrationshintergrund, Obdachlose sowie Gewerbetreibende und Gastronomen zählen zum Klientel.

Bis November vergangenen Jahres konnte die Lebenshilfe noch die Förderung ihrer Soforthilfe-Projekte aus dem Aktion-Mensch-Förderprogramm in Anspruch nehmen und die Spendenbereitschaft über die Angestellten, ehrenamtlich Tätigen und der Lebenshilfe Wohlgesonnenen war enorm. Ab November lief alles nur noch über Spenden und ehrenamtliches Engagement. Bis Weihnachten wollte man die Menschen maximal weiter versorgen. Unterstützung gab es auch vom Sozialraumbüro. Doch die Lage hat sich nicht entspannt. An ein Aufhören war nicht zu denken.

Nur das „Wo“ musste geklärt werden, da die Ausgabe von Lebensmitteln und Bedarfsartikeln nicht mehr in den Räumlichkeiten der GWA erfolgen konnte. So hat man sich mit dem Dudweiler Bezirksbürgermeister Ralf-Peter Fritz zusammengesetzt und die Zusage für die Ausgabe im Bürgerhaus bekommen. Fünf weitere Termine waren somit gesichert. Finanzielle Unterstützung in Höhe von 1 500 Euro gab es aus Saarbrücken über Oberbürgermeister Uwe Conradt. Auch die katholische und evangelische Kirche sowie die Bäckerei Maurer spendeten großzügig in die von ihnen mit Überzeugung mitgetragene Soforthilfe – zudem gab es ein Riesenkontingent an Sachspenden.

Ende März ist Schluss –

aber die Betroffenen bleiben

Aber: Ende März ist für die Lebenshilfe Sulzbach-/Fischbachtal endgültig Schluss. Es gibt keine Kapazitäten mehr. Und mit Recht fragt die Soforthilfe-Koordinatorin der Lebenshilfe, Ulli Schmitz: „Wie geht es dann weiter, wenn wir als Lebenshilfe uns zurückziehen? Diese Menschen mit ihren Bedarfen wird es auch danach noch geben.“

Mit Ginetta Jeyard von der GWA hat sich Ulli Schmitz über den Bezirksbürgermeister an den Bezirksrat gewandt, um längerfristige Lösungen zu suchen. „Es gibt gute Ideen und auch Ansätze. Aber es gibt eben auch so viele bürokratische Hürden“, sagt Ulli Schmitz und eine Spur von Unmut schwingt in ihrer Stimme mit. „Das sind Ideen, wie man schnell und am Puls helfen und agieren könnte. Aber es gibt niemanden, der jetzt endlich mal Butter bei die Fische macht.“

Gemeinsam Lösungen

am Runden Tisch suchen

Ulli Schmitz als Sozialraum-Akteurin ist enttäuscht: „Es werden Sachen, auch Chancen, nicht schnell genug zu Ende gedacht. Die Hilfe ist jetzt angebracht und die aktuellen Probleme wären lösbar. Alte Menschen zum Beispiel treten so gut wie gar nicht in Erscheinung. Und die Probleme der Menschen mit Migrationshintergrund lösen sich ja auch nicht plötzlich auf.“ Dennoch sieht sie auch große Chancen: „Ein Runder Tisch muss her. Herr Fritz hat ihn für die nächste Bezirksratssitzung zugesagt. Wir können gemeinsam nach Lösungen suchen und diese dann auch entsprechend umsetzen.“

Ulli Schmitz ist davon überzeugt, dass die Politik hier Entscheidungen treffen muss: „Denn die Sozialraum-Akteure, die aktuell in der Corona-Soforthilfe zusammenarbeiten, haben längst gezeigt, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen.“

Die folgenden Termine der Lebensmittel- und Bedarfsartikel-Ausgabe sind: 26. Februar; 12. März; 26. März; jeweils 12-15 Uhr; Ort: Bürgerhaus Dudweiler, Am Markt 115.red./tt

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