Der KSV hofft auf den Rückkampf

13:14 gegen Nackenheim in eigener Halle – Stilartwechsel soll noch die Wende bringen

KÖLLERBACH Noch nie haben der KSV Köllerbach und der SV Alemannia 1912 Nackenheim in ihrer Bundesliga-Historie die Klingen gekreuzt. Jetzt war es am Samstagabend (11. Januar) im Play-Off-Halbfinale soweit, dass es die Saarländer mit den Rheinhessen zu tun bekamen. Im Püttlinger Trimmtreff „Viktoria“ erlebten rund 1000 Zuschauer eine dramatische und hochspannende Auseinandersetzung.

Beide Staffeln schenkten sich nichts, doch am Ende der zehn Matten-Duelle hatte Nackenheim „hauchdünn“ mit 14:13 die Nase vorn. Es war die erste Niederlage des KSV Köllerbach in dieser Saison 2019/2020.

Doch damit ist die Messe natürlich noch nicht gelesen. Wer Teamleiter Thomas Geid und seine ehrgeizigen Mannen kennt, der weiß, dass die Saarländer am nächsten Samstag (18. Januar) in Nackenheim alles daransetzen werden, um den Bock doch noch umzustoßen. Oder anders ausgedrückt: Der KSV Köllerbach hat den Einzug in das Finale um die Deutsche Ringer-Mannschaftsmeisterschaft noch längst nicht abgeschrieben, zumal auf der Matte des ASV Alemannia Nackenheim der Stilartwechsel den Schützlingen von Thomas Geid in die Hände spielen dürfte.

Etwas verwundert war man beim KSV Köllerbach, dass Nackenheim im Saarland seinen Super-Star und Olympia-Teilnehmer Denis Kudla nicht dabei hatte. Doch Cheftrainer Cengiz Cakici hatte trotzdem eine vorzügliche Ringer-Staffel zur Stelle. Beide Mannschaften gelangten jeweils zu fünf Siegen, doch am Schluss hatten die Rheinhessen exakt einen Pluspunkt mehr auf ihrer Habenseite.

Nackenheim legte los wie die Feuerwehr

Im ersten Durchgang vor der Halbzeitpause führte der SV Nackenheim, der erst sein drittes Ringer-Bundesliga-Jahr bestreitet, bereits mit 9:4. So war in der leichtesten Gewichtsklasse bis 57 kg (Freistil) Burak Demir von der Alemannia dem Köllerbacher Giovanni Comparetto mit 16:0 Punkten technisch überlegen. Im zweiten Duell musste dann in der schwersten Gewichtsklasse bis 130 kg Greco-Spezialist und KSV-Mann Heiki Nabi aus Estland gleich wieder Boden gut machen, als er auf Gäste-Ringer Robin Ferdinand traf. Nabi warf seine ganze Kraft und Technik in die Waagschale, um Ferdinand mit 9:1 Punkten in die Schranken zu verweisen.

In der Klasse bis 61 kg gab es für den Köllerbacher Greco-Spezialisten Steven Ecker nichts zu holen, denn mit dem Aserbeidschaner Eldaniz Azizli stand ihm der Welt- und Europameister von 2018 gegenüber. Der in den Diensten des ASV Nackenheim stehende Aserbeidschaner setzte gnadenlos seine Kopfklammer ein, so dass er bereits nach 50 Sekunden mit 16:0 als technisch überlegener Punktsieger feststand.

Knapper Erfolg für Nicolai Ceban

Dann kam es in der Gewichtsklasse bis 98 kg zu einem äußerst packenden Freistil-Duell zwischen dem Rumänen Nicolai Ceban und dem deutschen Nationalmannschaftsringer Ahmed Dudarov. Der Kampf wogte hin und her und wurde mit großer Verbissenheit geführt. Nach den vollen sechs Kampfminuten war man schließlich im Köllerbacher Lager sehr froh, dass Ceban aus dieser Partie mit 7:6 als knapper Punktsieger hervorging.

In der Klasse bis 66 kg war dann die Freistil-Auseinandersetzung zwischen Valentin Seimetz (KSV) und dem Ex-Köllerbacher Viktor Lyzen angesagt. Es entwickelte sich ein enger Kampf, den Lyzen als amtierender deutscher Einzelmeister (Klasse bis 63 kg) gegen den deutschen Vizemeister Seimetz (Klasse bis 63 kg) letztendlich etwas glücklich mit 5:4 Punkten für sich entschied. So stand es nach fünf Kämpfen zur Halbzeitpause 9:4 für die Gäste aus Rheinhessen.

Und es kam aus Sicht des KSV Köllerbach dann im zweiten Durchgang noch schlimmer. In der Klasse bis 86 kg (griechische-römische) Stilart stellte sich Freistil-Spezialist Piotr Ianulov ganz in den Dienst seiner Köllerbacher Mannschaft und trat gegen den Polen Arkadiusz Kulynycz an, der in seiner Heimat als Olympia-Hoffnung gilt. Der „Opfergang“ des KSV-Rumänen wurde nicht belohnt, denn Ianulov musste sich dem Polen mit 0:10 beugen.

Nackenheim zieht bis auf 14:4 davon

Auch in der Klasse bis 71 kg ging der KSV Köllerbach leer aus. Greco-Spezialist Marc-Antonio von Tugginer wehrte sich zwar gegen den eingedeutschten Ukrainer Ruslan Kudrynets nach Kräften, konnte aber schlussendlich eine 0:3-Punktniederlage nicht vermeiden. Nach insgesamt sieben Kämpfen führte der ASV Alemannia Nackenheim im Püttlinger Trimmtreff mit 14:4.

Doch dann blies der KSV Köllerbach zur Aufholjagd. So standen sich in der Klasse bis 80 kg die beiden Freistil-Spezialisten Mihail Sava (Köllerbach) und Osman Kubilay Cakici gegenüber. Der Rumäne in Diensten des KSV Köllerbach musste alles geben, um seinen Kontrahenten aus Nackenheim niederzuhalten. Cakici führte nach drei Minuten bereits mit 4:2, bevor dann im zweiten Kampfabschnitt Mihail Sava das Ruder doch noch zu seinen Gunsten herumreißen konnte. Am Schluss feierte der Köllerbacher einen 8:5-Punktsieg und blieb damit in dieser Saison ungeschlagen.

Den schönsten und besten Kampf des Abends sahen die Zuschauer dann wohl in der Klasse bis 75 kg A, wo die beiden Freistil-Spezialisten Andrij Shyyka (Köllerbach) und der Ungar Roman Asharin (Nackenheim) aufeinanderprallten. Beide Ringer lieferten sich ein rassiges Duell, das von allerhöchster Freistil-Kunst geprägt war. Der deutsche Einzelmeister Shyyka wollte mit aller Macht und größtmöglicher Willensstärke zum Schultersieg gelangen, was Asharin immer wieder zu verhindern wusste und selbst gefährlich konterte. So stand es zur Pause für den Köllerbacher Alt-Meister 10:5 und am Schluss schließlich 15:6 für den Saarländer. Man kann durchaus die Meinung vertreten, dass man in dieser Saison den besten Shyyka ringen sieht, den es je gab.

Im letzten Kampf des Abends ging dann in der Klasse bis 75 kg B der Köllerbacher Publikumsliebling und Greco-Spezialist Timo Badusch auf die Matte. Sein Gegner war Islam Koray Cakici, der stilartfremd gegen den Köllerbacher Polizeikommissar keine Chance hatte. Nach einer Minute und 59 Sekunden stand Badusch mit 15:0 als technisch überlegener Punktsieger fest.

Entscheidung fällt am Samstag in Nackenheim

Die endgültige Entscheidung, wer in das Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft einzieht, fällt demnach am kommenden Samstag (18. Januar) in der Nackenheimer Carl-Zuckmayer-Halle (Lörzweiler Straße 15). Um 19.30 Uhr kommt es dann zum Rückkampf zwischen dem SV Alemannia Nackenheim und dem sechsfachen deutschen Mannschaftsmeister KSV Köllerbach. Spannung pur ist angesagt!red./tt

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