„Der Krieg am Orscholz-Riegel 1939/45“

Hermann Kiefer erinnert in an Schrecken des Zweiten Weltkriegs

Orscholz. Eigentlich wollte der ehemalige Ortsvorsteher von Orscholz, Hermann Kiefer, das von ihm herausgegebene Buch „Der Krieg am Orscholz-Riegel“ in einer öffentlichen Veranstaltung präsentieren. Wegen der Corona-Beschränkungen ist dies derzeit aber nicht möglich. In einer Pressemitteilung hat Herausgeber Kiefer inhaltliche Schwerpunkte seiner Veröffentlichung geschildert.

Das Buch (489 Seiten, 280 Fotos und Karten) ist erhältlich bei der Dreiländereck & Saarschleifen Wandertourismus GmbH in Orscholz. Der Subskriptionspreis (Sparkasse Merzig-Wadern lautet DE81 5935 1040 0003 1162 66) bis 15. März beträgt 34 Euro; danach 39,90 Euro. Von jedem verkauften Buch wird 1 Euro an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gespendet.

Globaler Konflikt

Als vor 76 Jahren im Jahre 1945 der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete, hatte die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Deutschland nur zwölf Jahre und wenige Monate gedauert. In dieser Zeit entfesselten die Deutschen einen globalen Konflikt, der selbst das Grauen des Ersten Weltkrieges weit in den Schatten stellte. Der Krieg hinterließ Spuren der Verwüstung. Es gab Millionen Todesopfer, Verwundete und Vermisste.

Brennpunkt Dreiländereck – der Orscholz-Riegel

Das Dreiländereck – die Region zwischen Saar und Mosel im Bereich der heutigen Gemeinden Perl und Mettlach – war besonders in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt, als 1938 der 630 Kilometer lange, von der Schweiz bis Holland reichende Westwall gebaut wurde. Die entlang der Saar verlaufenden Befestigungsanlagen, wurden 1939/40 durch eine zusätzliche Sperrstellung verstärkt: den von der Mosel bei Nennig, bis zur Saar bei Orscholz verlaufenden Orscholz-Riegel.

Quer durch das Dreiländereck zogen sich Bunker, Mannschaftsunterkünfte und Beton-Panzersperren, sogenannte „Höckerlinien“, heute noch teilweise als Museen oder in freier Natur sichtlich. Kein Wunder, dass sich in der Endphase des Krieges, im Winter 1944/45 hier heftige Kämpfe entwickelten.

Wochen und Monate wogte hier die Frontlinie hin und her, und verursachte viele Opfer und Schäden. Da fast alle Bewohner der Dörfer am Orscholz-Riegel ab 2. September 1944 für die Dauer der Kampfphasen bis nach Kriegsende evakuiert waren, ist relativ wenig bekannt über die wirklichen Geschehnisse und menschlichen Tragödien, die sich in den Wäldern und Feldern sowie in den Straßen- und Häuserkämpfen in den Dörfern, vor und hinter der Höckerlinie, abspielten.

Nach ihrer Rückkehr aus der Evakuierung, wollten die Überlebenden des Krieges von alledem nichts mehr hören, hatten den Blick nach vorne gerichtet, waren mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser und Existenzen beschäftigt und wollten die unglückseligen Kriegsjahre so schnell wie möglich vergessen. Erst mit einigem zeitlichen Abstand, begannen die Menschen über die damalige Zeit zu erzählen. Einige brachten ihre Erlebnisse für die Nachwelt zu Papier, andere teilten ihre Erfahrungen den Kindern und Enkeln mit, die sie dann vielleicht niederschrieben.

Die Idee zum Buch

Da nur noch wenige Zeitzeugen leben und die Erinnerung an die Zeit um den 2. Weltkrieg langsam verblasst und in Vergessenheit zu geraten droht, machte sich Peter Kiefer als Mitglied des Kreis-Heimatvereins Merzig-Wadern zur Aufgabe, nicht nur Erlebnisberichte der hier kämpfenden deutschen und amerikanischen Soldaten, sondern auch die Situation der Bevölkerung, vor, während und nach den Kämpfen am Orscholz-Riegel, niederzuschreiben, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Ausschnitte sind Teil der von Peter Kiefer verfassten Chroniken seiner Heimatdörfer Borg und Oberleuken, in denen er während und nach dem Krieg aufgewachsen war.

Der ehemalige Orscholzer Ortsvorsteher Hermann Kiefer hatte die Idee, die von Peter Kiefer gesammelten Berichte in Buchform mit dem Titel „Der Krieg am Orscholz-Riegel“, einem größeren Interessentenkreis zur Verfügung zu stellen. Es liegt jetzt druckfrisch bereit.

Zum Inhalt

Das Buch enthält neben Berichten zahlreicher Zeitzeugen und Wehrmachtsberichten, auch Schilderungen der damals hier kämpfenden amerikanischen Soldaten, die eine Art Tagebuch über das tägliche Kampfgeschehen führten und später veröffentlichten. Besonders diese von den Amerikanern verfassten und von Peter Kiefer übersetzten Details des Kampfgeschehens, führen das grausame und sinnlose Sterben der Soldaten auf beiden Seiten realistisch vor Augen. Sie schildern auch die eigenen Fehlentscheidungen und tragischen Irrtümer, die zu vielen Toten in den eigenen Reihen führten.

In dem Buch kommen acht verschiedene Autoren aus dem Dreiländereck zu Wort, die ihre Kriegserlebnisse in eigenen Büchern veröffentlichten.

In insgesamt 72 Zeitzeugenberichten werden die Schrecken und Strapazen der Zwangsevakuierung und die Rückkehr in die verwüstete und verminte Heimat geschildert. Der Soldatenpfarrer Wilhelm Wöste berichtet von seinen Erlebnissen an der Front am Orscholz-Riegel. Die Geschichte des Westwalls und der noch intakten Bunker kommt zu Wort sowie die Geschichte der Kriegsgräberstätten in Oberleuken, Besch, Kastel und Sandweiler (Luxemburg).

Ebenfalls in dem Buch vorgestellt wird der von der „Saarschleife Touristik GmbH – Orscholz“ geschaffene Höckerlinie-Wanderweg. kp

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