Der Charme der späten 50er Jahre

Mit Kino und Tanztee feiert das Saarlouiser Theater am Ring sein 60-jähriges Bestehen

SAARLOUIS Es ist ihr Theater, das spürt man an diesem Tag im fast voll besetzten Festsaal im Theater am Ring: Saarlouiser jeder Generation nicken bestätigend, als OB Peter Demmer von der Karnevalsgesellschaft Hirle spricht, die hier einst zu Hause war. Ein freudiges Gemurmel bricht aus, als Kulturamtsleiterin Julia Hennings die legendäre Dachgartenalm erwähnt. Und als Moderator Michael Friemel fragt, wer damals schon dabei gewesen sei, gehen etliche Hände in die Höhe.

Damals, das war der 10. November 1959. An diesem Tag wurde das Theater am Ring feierlich eröffnet.

Auf den Tag genau 60 Jahre danach feierte das Herz der Saarlouiser Kultur nun seinen runden Geburtstag – mit einer Feier, die sich vor der Geschichte des Hauses verneigte und dabei selbst den Charme der frühen Jahre aufleben ließ.

Zwei klassische Stücke, die bereits zur Eröffnung aufgeführt wurden, fanden ihren Weg zurück auf die Bühne, zum offiziellen Teil und beim Tanztee danach sorgten deutsche Schlager und Rock ’n’ Roll-Klassiker für zeitgenössischen Schwung. Ein Film ließ Menschen zu Wort kommen, die dem Theater über die Jahre auf ganz unterschiedliche Weise verbunden waren oder sind.

Höhepunkt der Feier war eine Modenschau mit originalen Kleidern von 1959, bevor zum Abschluss am Abend die deutsche Musikkomödie „Alle lieben Peter“ aus demselben Jahr zu sehen war.

In seiner Festrede erinnerte OB Demmer an den Erbauer des Hauses, Filmkaufmann Ernst Gill. „Er hat etwas erschaffen, das bis heute Bestand hat und von dem wir bis heute profitieren“, sagte Demmer.

„Das Theater leistet einen ganz wesentlichen Beitrag zu Kultur, Kommunikation und Bildung, für die Vernetzung und den Austausch von Ideen“, unterstrich Julia Hennings, die von der Bedeutung der Kultur als sinn- und identitätsstiftendem Mittel sprach.

Dass das Theater kein Ensemble- sondern ein Gastspielhaus sei, eines mit großer Bühne und Orchestergraben, biete die Möglichkeit das Theater zu dem zu machen, was es sei.

Hennings: „Es ist ein Haus von und für Saarlouiser, tief verwurzelt in der Stadt, aber auch ein europäisches Haus mit Strahlkraft.“

Doris Pack, Vorstand der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, lobte die Einrichtung: „Ein Ort kleiner und großer Begegnungen, ein Ort in der Stadt und für die Region.“ Immer wichtiger werde es, dass Städte über den Weg der Kultur Identität stiften, ein Verständnis für Heimat wecken und den eigenen Anteil an der Kultur Europas mit Leben zu füllen.

red./am

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