„Dat Schmuggeln war schön!“

Weiskirchen in der Saarstaat-Zeit: Neues Heimatbuch in Weiskirchen erschienen

WEISKIRCHEN „Niemand fällt ins Nirgendwo. Und nichts fällt aus der Welt.“ Dieser Prämisse des Schriftstellers Thomas Mann liegt eine umfangreiche Abhandlung in Form einer Trilogie von Stefan Haas aus Weiskirchen zugrunde, die sich mit der umfassenden Geschichte des Hochwalddorfes in den 50er Jahren – in der niemand vergessen wird – beschäftigt. Nun erschien im Eigenverlag Band 1 dieser Trilogie, die sich mit der Ortsgeschichte beschäftigt.

Band 1 der Trilogie, die sich mit Geschichte beschäftigt

Die Abhandlung beginnt zunächst mit dem Ereignis, dessen Geistes Ursprung auch heute in den Köpfen der Politiker wieder „populär“ wird – der Zweite Weltkrieg. Hier wird besonders die Geschichte des Ehrenfriedhofes aufgearbeitet, notwendigerweise die ersten Monate der 79. Infanterie-Division und ihr Wirken rund um Merzig und im Westwall-Vorfeld beleuchtet und ganz besonders den Weiskircher Kriegstagen und den Opfern der Zivilbevölkerung gedacht.

Nach einer kurzen Beleuchtung des autoritären Saarstaates geht es medias in res und auf etlichen Seiten listet der Verfasser eine schön bebilderte Ortschronik der 50er Jahre für Weiskirchen auf. Die Geschichte der Post, Verwaltung und Gemeinderäte werden vorgestellt, der Kindergarten, die Förster und mehr.

Ein der Arbeit sehr immanentes Kapitel ist das über den Weiskircher Zoll. Und wo eine Zollstelle mit den „douaniers“ war, war natürlich eine Grenze des Saarstaates zur Bundesrepublik nicht weit und das Schmuggeln erst recht nicht. Was wurde geschmuggelt? Wie wurde geschmuggelt? Viele Anekdoten über diese Art „Volkssport“ weiß der Verfasser aus etlichen geführten Zeitzeugengesprächen zu berichten.

Es folgen ausführliche Kapitel über Kultur (u. a. „et Kinno“) und Gebäude („Burg“) in Weiskirchen und die Geschichte des Fremdenverkehrs (Jugendherberge, Schullandheim, Campingplatz) in der aufstrebenden Hochwaldgemeinde.

Es folgen abschließend die so wichtigen Lebensbereiche „Schule“ und „Kirche“. Es berichtet eine neu recherchierte Schulchronik darüber, wie es für die Kinder der damaligen Zeit war, die Volksschule in Weiskirchen unter großem französischem Einfluss zu besuchen. Und weil der streitsüchtige Pfarrer im Weiskirchen der 50er Jahre keine Chronik verfasste, führt die Pfarrchronik in die Weiskircher Kirchengeschichte vom Anbeginn der Pfarrei bis hin zu den noch wohlbekannten Pfarrern Arenz, Stahl und Schäfer.

So wie diese Pfarrchronik weisen alle Kapitel des Buches über die Zeit des Saarstaates hinaus in noch länger vergangene Zeiten, aber auch ausblickartig in die 60er-Jahre.

Abgerundet wird Abhandlung von 27 Anhängen zu den jeweiligen Kapiteln – die zu veröffentlichen dem Verfasser teils ein großes Bedürfnis sind. Hier geben Zeitzeugenberichte, Kriegstagebücher, Fotostrecken, zeitgenössische Zeitungsartikel, eine Seminararbeit und mehr tiefer gehende Einblicke in eine Zeit, die nie mehr so sein wird.

Zweiter Band ist für das kommende Jahr geplant

Für das kommende Jahr wird die Herausgabe des zweiten Bandes (Wirtschaftsgeschichte in Form von über 100 Biografien aller Händler, Handwerker und Freiberufler in Weiskirchen zwischen dem Krieg und Tag X 1959) angestrebt. Danach folgt Band 3: Ausführlich recherchierte und intensiv bebilderte Chroniken derjenigen 26 Vereine und Vereinigungen, die vor 1959 bereits aktiv waren – insbesondere der reich bebilderten „Weiskircher Foasend“ unter dem damaligen Kulturverein.

Verkaufsstellen des ersten Bandes (für 32.50 Euro) in Weiskirchen:

„Enoteca“, „Haus des Gastes“ und Pfarrbüro in der Trierer Straße, bei Sigrun Haas und Gerda Spang, Am Marktplatz 14, sowie bei Egon Dörr, Mattheiser Straße 4.red./ti

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