Das letzte Bild

„Ansichten vom Tod“ in der Stadtgalerie zu sehen

SAARBRÜCKEN In den vergangenen Jahren ist viel von der neuen Sichtbarkeit des Todes die Rede. Massensterben, Unfalltod, Mordopfer... in den Medien wird der Tod in solchen Bildern zelebriert und zugleich verdrängt. Sie bedienen unsere Schaulust und lassen uns doch gleichgültig zurück. In der aktuellen Kunst sind dagegen andere Tendenzen zu verzeichnen. So lenken viele zeitgenössische Künstler ihren Blick nicht auf die voyeuristischen Aspekte des Sterbens, sondern auf die alltäglichen, leisen und dennoch erbarmungslosen Ansichten des Todes.

In der Stadtgalerie Saarbrücken ist zur Zeit die Ausstellung „Das letzte Bild – Ansichten vom Tod in der zeitgenössischen Kunst“ zu sehen. So konfrontieren uns Walter Schels und Daniel Schumann in ihren Foto-Serien mit ebenso persönlichen wie bewegenden Porträts von Sterbenden in einem Hospiz. Tina Ruisinger beschäftigt sich in ihren Fotos von Erinnerungsstücken mit der Abwesenheit der Menschen, die ihre Spuren im Leben hinterlassen haben.

Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt konzentriert sich auf Rauminstallationen, die Todeserfahrung oder Verlust körperlich erfahrbar machen, wie Ben Goossens überwältigende Video-Installation „Lucid Liquid“ oder Simon Schuberts gefaltete Räume der Leere. Auch die wegen ihrer künstlerischen Radikalität international gefeierte Mexikanerin Teresa Margolles setzt sich in ihren extrem reduzierten Soundinstallationen und Videos der Begegnung mit dem Tod auseinander. Andres Serrano widmet sich in seiner Foto-Serie „The Morgue“ (das Leichenschauhaus) der Unerbittlichkeit des alltäglichen Sterbens, während der Japaner Yamanaka Manabu sich den frühesten und letzten Stadien des Lebens zuwendet. Eine weitere Berührung mit der japanischen Kultur und ihrem Umgang mit dem Tod zeigt eine Installation, die von der Japanerin Chiharu Shiota speziell für diese Ausstellung entwickelt wurde. Die in ihr angelegte enge Verbundenheit von Leben und Tod vermittelt sich auch in den Video-Arbeiten der Thailänderin Araya Rasdjarmrearnsook. Es sind „Gespräche“ mit den Toten – Performances um eine Beziehung, die über den Tod hinausweist.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmen und Gesprächen. Die Ausstellung ist bis zum 29. April zu sehen.

Weitere Infos unter www.stadtgalerie-saarbruecken.de. red./jb

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