Das Bewerberverfahren der neuen Landarztquote

Interview mit Stefan Funck, Direktor Landesamt für Soziales

SAARBRÜCKEN Der saarländische Landtag hat in der vergangenen Woche die sogenannte Landarztquote beschlossen. Danach werden ab dem kommenden Wintersemester (WS 20/21) insgesamt 22 Studienplätze der Humanmedizin in Homburg an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, sich im Anschluss an ihr Studium zum Facharzt für Allgemeinmedizin ausbilden zu lassen und in einer ländlichen Region des Saarlandes mindestens zehn Jahre als Hausarzt zu arbeiten. Vorher muss man allerdings in einem Bewerbungsverfahren unter Beweis stellen, dass man hierfür auch besonders geeignet ist. Offiziell bewerben können sich die künftigen Studenten auf der Homepage (www.­saaland.de/254114.htm) des Landesamtes für Soziales (LAS) seit 21. Mai, die Bewerbungsfrist endet am 4. Juni. Die Hintergründe und den Ablauf des Bewerbungsverfahrens erklärt LAS-Direktor Stefan Funck (Foto: Carsten Simon) im Gespräch mit WOCHENSPIEGEL. Funck sagt auch, worauf die Studenten achten müssen.WOCHENSPIEGEL: Herr Funck, seit Donnerstag läuft offiziell das Bewerberverfahren nach der Landarztquote. Wie funktioniert das? Funck: Diejenigen, die ab dem Wintersemester von der Studienplatzvergabe nach der Landarztquote profitieren wollen, müssen sich zunächst online im Bewerberportal registrieren und die Datenschutzerklärung zur Kenntnis nehmen. Sobald Sie die Angaben vollständig erfasst und online an das Landesamt für Soziales übertragen haben, werden das Antragsformular und der öffentlich-rechtliche Vertrag als PDF-Dokumente an die vom Bewerber angegebene E-Mail-Adresse versendet. Diese Dokumente müssen die Bewerberinnen und Bewerber jeweils noch ausdrucken, unterzeichnen und mit den erforderlichen Unterlagen fristgerecht ans Landesamt für Soziales senden. An dem Formular dürfen dann keine Änderungen mehr vorgenommen werden. WOCHENSPIEGEL: Das klingt einfach?!Funck: Im Grunde ja, aber ich möchte den Bewerbern dennoch ein, zwei Tipps mit auf den Weg geben. Zum Beispiel rate ich Jedem: Informieren Sie sich vor Antragstellung mithilfe des „Merkblatts zu den einzureichenden Unterlagen“, welche Antragsunterlagen Sie einreichen müssen und in welcher Form. Alle Unterlagen müssen in der auf diesem Merkblatt vorgegebenen Form, innerhalb der Antragsfrist (4. Juni 2020 für das Wintersemester) und in Papierform (nicht elektronisch!) auf dem Postweg eingegangen sein oder persönlich beim Landesamt für Soziales abgegeben beziehungsweise in den Hausbriefkasten des Landesamtes für Soziales eingeworfen werden. Wenn Sie Zeiten einer ­einschlägigen Berufsausbildung oder beruflichen Tätigkeit geltend machen wollen, nutzen Sie hierzu bitte die dafür auf unserer Internetseite zur Verfügung gestellten Vordrucke. Es werden aber auch andere Dokumente akzeptiert, in denen die in den Formularen abgefragten Angaben nachgewiesen werden, wie beispielsweise Arbeitszeugnisse oder Schulzeugnisse. Übrigens: Alle Unterlagen müssen im Original oder als beglaubigte Kopie eingereicht werden. Dokumente, die diese Vorgaben nicht erfüllen, können im Verfahren nicht berücksichtigt werden! Weil das mehrstufige Bewerberverfahren auf Grund bundesweiter Fristen zügig durchgeführt werden muss, können wir nur die uns vorliegenden Unterlagen bewerten und werden keine Unterlagen nach­fordern. Wenn Studenten über bestimmte Dokumente auch zukünftig im Original verfügen wollen, dann sollten beglaubigte Kopien eingereicht werden, weil das LAS keine Unterlagen zurücksendet und diese nach Ende der Aufbewahrungsfrist datenschutzkonform vernichtet. WOCHENSPIEGEL: Und wie läuft im Anschluss das Auswahlverfahren?Funck: Generell bestimmt sich für die Bewerberinnen und Bewerber das Auswahlverfahren nach den gesetzlichen Grundlagen des Landarztgesetzes Saarland. Die detaillierten Regelungen dazu finden sich in der Verordnung zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Bereichen besonderen öffentlichen Bedarfs des Saarlandes (kurz: Landarztverordnung Saarland). Konkret wird das Auswahlverfahren in mehreren Schritten durchgeführt. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Bewerbung selbst, die am Anfang des Auswahlverfahrens steht, aus zwei Teilen besteht – der Online- und der Papierbewerbung. Beide müssen beim Landesamt für Soziales einschließlich aller erforderlichen Nachweise bis zum 4. Juni 2020 eingegangen sein. WOCHENSPIEGEL: Und was passiert nach dem 4. Juni?Funck: Zunächst wird bei uns im Landesamt auf Grundlage der vorliegenden Bewerbungen und Unterlagen im ersten Schritt eine Vorauswahl unter den Bewerberinnen und Bewerbern getroffen. Berücksichtigt werden dabei die sogenannten „Vorleistungen“. Dazu gehören Abiturnote, Ergebnis des Tests für Medizinische Studiengänge (TMS) und Zeiten einer einschlägigen Ausbildung oder beruflichen Tätigkeit. Dabei werden für die jeweiligen Vorleistungen nach einem festgelegten Schema Punktwerte vergeben. Aus den Punktwerten ergibt sich dann eine Rangfolge aller Bewerberinnen und Bewerber. Zugelassen zum Auswahlgespräch, dem zweiten Schritt im Verfahren, werden dann die Bewerberinnen und Bewerber auf den vordersten Rangplätzen. Dabei wird eine gemessen an den zu vergebenen Studienplätzen doppelt so hohe Anzahl von Personen zu einem Auswahlgespräch eingeladen, also in diesem Jahr 44. Eine zweite Rangfolge wird dann aus den Punktwerten gebildet, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im rund einstündigen Auswahlgespräch erreichen, welches Ende Juni/Anfang Juli stattfindet. Aus dem Mittelwert der Rangplätze der Vorauswahl und der Rangplätze der Auswahlgespräche wird dann der endgültige Listenplatz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer errechnet. WOCHENSPIEGEL: Und wie erfahren die Studenten, die das Bewerbungsverfahren positiv durchlaufen haben, von der Entscheidung?Funck: Das Landesamt für Soziales teilt der Stiftung für Hochschulzulassung die Liste der letztlich 22 ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber mit. Auf dieser Grundlage erteilt die Stiftung für Hochschulzulassung dann die entsprechenden Zulassungsbescheide. Alle anderen erhalten vom Landesamt für Soziales einen auf das Auswahlverfahren bezogenen Ablehnungsbescheid. red./jb

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