Bous erinnert an Pater Servatius

In der Gemeinde geborener Benediktinermissionar wurde 1946 ermordet

BOUS Seit Mitte November steht bei der kath. Pfarrkirche in Bous eine Gedenktafel zur Erinnerung an Pater Servatius, den Bouser Benediktinermissionar, der in der Mandschurei wirkte und starb.

Warum wird er hier verehrt?

Geboren ist er als Otto Ludwig am 15. Juni 1907 in Bous. Nach dem Abitur trat er im Mai 1927 in den Orden der Missionsbenediktiner ein und erhielt den Ordensnamen Servatius. Am 26. März 1933 wurde er zum Priester geweiht und feierte seine Primiz am Ostersonntag 1933 in Bous.

Dann wurde er im August 1934 als Missionar in die Mandschurei entsandt. Die Mandschurei, die heutige chinesische Nordost-Provinz, ist dünn besiedelt, aber reich an Bodenschätzen. Deshalb ist sie auch ein Objekt der Begehrlichkeit der Nachbarn, vor allem Russland und Japan, die das Land immer mal wieder besetzten und sich dabei bekriegten. 1932 gründete Japan dort das unter seiner Besatzungsherrschaft stehende Kaiserreich Mandschukuo, ein Marionettenstaat.

Nach einer Einarbeitungszeit wurde Pater Servatius die Leitung der neuen Station Sinchan übertragen. Es ist die nördlichste und wohl auch die kälteste Station des Gebietes. Es gibt jedes Jahr Tage bis 42 Grad Kälte. Die Bevölkerung ist arm. Es sind koreanische Auswanderer oder chinesische Siedler, die sich beim Bauen der japanischen Kasernen etwas Geld verdienen wollen. „Die meisten leben von der Hand in den Mund. Da ist es schwer, ihnen vom Himmel zu predigen, während sie nicht wissen, wie sie sich auf Erden durchschlagen sollen.“

Aus einem Bericht über die Lebensbedingungen von P. Servatius erfahren wir:

Die Station Sinchan hat über 700 Christen, Koreaner und Chinesen. Wie arm der Pater ist, konnte ich außer in seinem Wohnzimmer auch in der Kapelle sehen. Zum Asperges hatte er eine große Konservenbüchse und als Weihwasserwedel einen Tannenzweig.

Ich fragte P. Servatius nach seinem Essen. Er sagte, dass er schon seit Monaten kein Fleisch mehr gegessen habe; er ist zu arm, sich so etwas zu kaufen.“

P. Servatius fühlte sich in seiner kleinen Gemeinde für jeden verantwortlich - soweit das ging. Er sorgte sich um jeden einzelnen persönlich, wenn jemand krank wurde, beispielsweise.

Durch die ständig wechselnden Fremdherrschaften hat sich in der Bevölkerung eine Ausländerfeindlichkeit aufgestaut, ein Hass auf alles Fremdländische, vor allem auf Europäer und Amerikaner. Jeder „ausländische Teufel“ muss getötet werden. Und das bekamen die Missionare, auch Pater Servatius, in aller Schärfe zu spüren.

Die in Kirin stationierten französischen Missionare boten ihm wiederholt an, zu ihnen zu kommen, wenn es für ihn auf seiner Station gefährlich würde. Das lehnte er ab mit der Begründung: „Was wird aus meinen Christen, wenn ich sie im Stich lasse?“

Unter dem Vorwand, Pater Servatius zu einem Schwerkranken zu rufen, drangen Soldaten der chinesischen roten Revolutionsarmee am 26. Mai 1946 gegen 21 Uhr in die Missionsstation ein und verschleppten den Pater. Seine Katechetin berichtete:

Gegen Mitternacht war die Stunde, wo Pater Servatius mit der Krone der Herrlichkeit für sein Martyrium belohnt wurde. Der Pater wird sie gewiss im Augenblick seines Todes erhalten haben. Wahrlich, um unserer Seelen willen hat er sein ganzes Leben zum Opfer gebracht und so die Krone des Martyriums erhalten.pe

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