Blindentastmodell vorgestellt

Sehenswürdigkeiten der Saarschleife werden auf dem 3D-Blindentastmodell dargestellt

ORSCHOLZ „Baumwipfelpfad, Cloef, Burg Montclair“: Sobald Heinz-Peter Engels die Sehenswürdigkeiten der Saarschleife auf dem 3D-Blindentastmodell mit seinen Fingerkuppen erfasst hat, liest er vor. „Ich bin von Geburt an blind. Da nutzt mir kein Foto, das die Saarschleife abbildet“, verrät das Vorstandsmitglied vom Blinden- und Sehbehindertenverein.

Mit Adrian Schmitz, dem ebenfalls blinden Vorsitzenden des Vereins „Herzensengel“, erkundet der Mann aus Saarbrücken auf dem Bronze-Modell Orscholz und Umgebung. „Hier ist die Saarschleife“, sagt Schmitz, ergreift die Hände von Engels und legt sie auf die Abbildung des Naturwunders.

Derweil lässt Gesundheitsministerin Monika Bachmann ihre Blicke schweifen, spendet der Gruppe der Musikfreunde Orscholz Applaus, die unter der Leitung von Tassilo Welsch die Einweihung Blindentastmodells umrahmen. Aus der Übergabe des „Geschenkes saarländischer Lions“ machen die Gastgeber, die Löwen von der Saarschleife ein Fest.

„Als Frank Kiefer vor gut einem Jahr in meinem Büro saß und mir seine Idee von einem Blindentastmodell vorgestellt hat, habe ich nach zwei Sätzen bereits gesagt: Das machen wir“, sagt die Schirmherrin und fordert einen lautstarken Beifall für den Initiator ein.

Das Relief verwirklicht nach ihren Worten den Leitgedanken der Inklusion, der ihrem Ministerium besonders wichtig ist, in vorbildlicher Weise. Die Schönheit der Landschaft und der Natur „Blinden und Sehbehinderten mit Worten zu erklären, ist eine Sache. Etwas völlig anderes ist es, wenn diejenigen ein echtes Gespür für die Landschaft und ihre geografischen Eigenheiten bekommen, Häuser, Kirchen und die Struktur erfassen können.“ Dabei helfen nach Darstellung der Gesundheitsministerin Tastmodelle, die es in Trier und jetzt auch an Cloef gibt. Sie dankte den Lions, die „sich seit 100 Jahren für den Zusammenhalt der Gesellschaft engagieren und mit solchen Leuchtturmprojekten wie das Tastmodell daran arbeiten, alle Menschen mitzunehmen“. Ein dickes Lob hatte sie auch für die Sponsoren parat, ebenso für die Behindertenverbände und -vereine, die Hilfe zur Selbsthilfe leisteten.

„Ob Hamburg, Füssen oder Orscholz: Alle drei Orte sind touristische Hotspots und in allen drei steht ein Blindentastmodell“, sagt Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer. Viele Sponsoren haben nach den Worten des Verwaltungschefs mitgeholfen, dass das 3D-Tastmodell Blinden und Sehbehinderte ermöglicht, „die wunderschöne Landschaft erlebbar zu macht“. Er danke Frank Kiefer für dessen Initiative. „Die Idee, ein solches Projekt umzusetzen, hat er seit langem.“ Es erscheine ihm auf vielfältige Weise geeignet, für den Lions-Gedanken der Behinderten-Hilfe für Einzelne, von Gruppen und der kulturellen Förderung der Gesellschaft hier in unserer Gemeinde einzutreten.“

Das Modell habe nicht nur hohen Wert zur Orientierung für Blinde und Sehbehinderte, es ergebe sich auch die Möglichkeit, für Kinder, ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

Nach der Einsegnung des Modells durch Kaplan Viju Varikkat und Pfarrerin Andrea Zarpentin nimmt er stolz die Schenkungsurkunde an die Gemeinde entgegen.red./ti

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de