Bis zuletzt gegen das Schicksal gekämpft

Die Titelseiten unserer fünfzehn WOCHENSPIEGEL-Ausgaben gehören in dieser Woche Björn Mertz. Björn war seiner Familie Sohn und Bruder, er war Freund und uns Arbeitskollege. Björn Mertz arbeitete beim WOCHENSPIEGEL als Medienberater, war bei seinen Kunden und Kollegen gleichermaßen beliebt. Björn Mertz starb viel zu früh am 17. Mai 2018, da war er gerade 24 Jahre alt geworden. Dass bei der Beisetzung am 22. Mai keine Trauerkleidung erwünscht war, hatte Björn selbst so entschieden.

„Ich bestimme, was ich mache“, mit diesem Satz charakterisiert Prof. Dr. Ralf Ketter die Willensstärke seines Patienten. Ketter ist Leiter der Neuroonkologie an den Homburger Unikliniken und erinnert sich, wie am 6. Juli 2017 bei Björn Mertz die erste Diagnose gestellt wurde. Björn war nach Homburg in die Klinik gekommen, weil er ganz plötzlich unter Doppelsichtigkeit litt. Die Mediziner diagnostizierten ein Pineoblastom, eine sehr seltene, bösartige Form eines Hirntumors, die vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt.

Die Datenbasis zu dieser Tumorvariante sei sehr dünn, weil er so selten sei, führt Professor Ketter weiter aus. Das mittlere Alter bei der Diagnosestellung liege bei 18 Jahren; die Wahrscheinlichkeit, das 23. Lebensjahr zu erreichen, liege bei 58 Prozent. Das Pineoblastom liege tief im Mittelhirn im Bereich der Zirbeldrüse. Ketter verweist in diesem Zusammenhang auf die WHO-Klassifikation von Tumoren des zentralen Nervensystems. In dieser Gradierung rangiert das Pineoblastom unter dem schwerwiegendsten Grad WHO IV für besonders bösartige Tumoren, deren Auftreten mit einer deutlichen Verkürzung der Lebenszeit einhergeht, sofern keine nachhaltig effektive Behandlung möglich ist.

Die Diagnose war niederschmetternd für Björn, für seine Familie und Freunde. Es schweißte aber auch alle zusammen, den Kampf gegen den Tumor gemeinsam aufzunehmen, und tatsächlich schien sich die Erkrankung zum Besseren zu wenden. Die Chemotherapie schlug an, der Tumor verkleinerte sich so weit, dass eine Operation möglich wurde. Diese war erfolgreich, Björn überstand sie gut, auch wenn ihm die Weiterbehandlung ­alles abverlangte. Schließlich schaffte er es, Weihnachten 2017 im Kreise seiner Familie zu feiern.

Und die Heilung schritt sogar weiter voran: Am 2. März kam die Diagnose – Björn hatte den Tumor besiegt! Ende April sollte eine Reha folgen, danach die Rückkehr in den Beruf. Bei einem gemeinsamen Skiurlaub mit der Familie war das Glück vollkommen. Kurz vor dem geplanten Kuraufenthalt Ende April stand routinemäßig für Björn ein MRT an, das dann die furchtbare Gewissheit brachte: Es haben sich zwei neue Tumore gebildet.

Am 1. Mai musste Björn als Notfallpatient erneut in die Klinik, sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Metastasen hatten sich an der Wirbelsäule gebildet. Auch der Kontakt zum Universitätsklinikum Regensburg, wo mit Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe am Pineoblastom geforscht wird, brachte nicht mehr die Wende zum Guten. Am 17. Mai 2018 um 6.10 Uhr starb unser Freund und Kollege Björn Mertz mit 24 Jahren.

Schon zu Zeiten seiner Behandlung hatte Björn Mertz angekündigt, nach seiner Genesung für die Deutsche Krebshilfe spenden zu wollen. Seine Familie, die Band „Atlanta Arrival“, in der er Schlagzeuger war, der WOCHENSPIEGEL als sein Arbeitgeber – sie alle nun rufen gemeinsam zur finanziellen Unterstützung der Deutschen Krebshilfe auf.

Björn hat wenige Wochen vor seinem Tod mit „Atlanta Arrival“ ein neues Album eingespielt. Die Band hat kürzlich einen Titel und ein Video ausgekoppelt – „Colliding Stars“ – als besondere Widmung an Björn Mertz, aber auch um auf das Schicksal von Björn ­aufmerksam zu machen und Spenden für die Deutsche Krebshilfe zu erbitten.

Alle wichtigen Informationen hierzu finden Sie auf dieser Seite!           

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