Basteln, was der Kleber hergibt

Der 91-jährige Edmund Veit aus Gonnesweiler hat den Lockdown sinnvoll genutzt

Gonnesweiler. Es gibt zwei Arten mit der Pandemie und dem damit zusammenhängenden Lockdown umzugehen: Man kann entweder nörgeln, lamentieren und mit dem Schicksal hadern, oder die Situation annehmen und das Beste daraus machen. Der 1929 geborene Schreinermeister im Ruhestand Edmund Veit aus Gonnesweiler hat sich für die zweite Variante entschieden.

Getreu seinem Motto „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ hat sich der trotz eines Schlaganfalls gehandicapte 91-jährige, aber noch sehr rüstige Ruheständler nach dem Tod seiner Frau eine neue Aufgabe gesucht und ist in Form von Papierbastelbögen fündig geworden.

„Das ist schon eine ziemliche Fummelei mit dem Falten und Kleben der manchmal doch recht kleinen Papierschnipsel“, erklärt er die Schwierigkeiten. „Aber mit Geduld und immer wieder probieren geht das dann schon. Manche Teile fallen mir auch schon mal runter, aber dann hebt man sie halt wieder auf und weiter gehts“, schmunzelt der Handwerksmeister aus Leidenschaft.

1927 wurde der elterliche Schreinereibetrieb von seinem Vater gegründet. Zusammen mit sechs Geschwistern ist er sozusagen in den Betrieb hineingewachsen. Fünf Jungs und zwei Mädchen bevölkerten das Anwesen und die Werkstatt der Familie Veit. Seine ganze Jugend hat Edmund Veit akribisch dokumentiert und alte Aufzeichnungen und Dokumente aufgehoben und archiviert. Vor allem auch die Erinnerungen an seine letzten Kriegseinsätze im zweiten Weltkrieg sind noch sehr lebendig. „Mit 16 Jahren wurden wir eingezogen und kamen zum Schanzen in die Eifel. Nach drei Monaten im Einsatz machte er sich dann aber vor den heranrückenden Amerikanern nach der Entpflichtung zu Fuß auf den Heimweg. 1947 hat er dann seine Schreinerlehre mit der Note „sehr gut“ abgeschlossen und fortan dann nach der Meisterprüfung den elterlichen Betrieb weitergeführt.

Besonders stolz ist er noch heute auf die Restaurierung des Dachstuhls und der Holzarbeiten an der Kapelle in Gonnesweiler, für den er verantwortlich zeichnete.

Und mit Holz bastelt er auch noch heute. Denn neben den unzähligen Gebäuden aus Papierbögen – „Ich weiß gar nicht, wie viele das inzwischen sind. Ich habe sie nie gezählt“ – hat er auch ein wunderschönes Funktionsmodell einer amerikanischen Dampflok der Bauart Pacific gebaut. Dampflok im Lockdown könnte man das Projekt umschreiben. Das filigrane Kunstwerk ziert heute seinen Wohnzimmerschrank. Die Räder und Kuppelstangen sind beweglich und man kann sogar einen Blick auf die verborgene, hölzerne Mechanik werfen.

„Die nächsten Bausätze sind schon in der Planung“, blickt Edmund Veit in die Zukunft. „Aber jetzt ist erst einmal der Garten an der Reihe. Da ist jetzt viel zu tun.“ jam

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