Ausstellung und Begegnungsnachmittag

Infoveranstaltung zum Thema Flucht in der Grundschule Scheuern

SCHEUERN Zu einer Informationsveranstaltung über Flucht und das Leben der Flüchtlinge in den Gemeinden in Deutschland hatte der SPD-Ortsverein Tholey mit der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ sowie „willkommens-netz.de“, der Flüchtlingshilfe im Bistum Trier, und weiteren Gruppen in die Mehrzweckhalle der ehemaligen Grundschule Scheuern eingeladen.

Persönliche Geschichte

Von der syrischen Hauptstadt Damaskus in die Türkei, übers Meer nach Griechenland und weiter über den Balkan bis nach Deutschland: 20 Tage sei er unterwegs gewesen, erzählt Bashar Shukdiry. Die Landesaufnahmestelle in Lebach war vor rund zwei Monaten seine erste Station in Deutschland, seit knapp vier Wochen lebt er nun in einer der Wohnungen, die die Gemeinde Tholey für Flüchtlinge bereit hält.

Bashar Shukdiry ist einer von rund zwei Dutzend Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea und dem Irak, die zum Begegnungsnachmittag in Scheuern gekommen sind. Ihre Gesprächspartner sind interessierte Bürger, die sich bereits ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen und Erfahrungen austauschen möchten. Eine von „Pro Asyl“ konzipierte Ausstellung informiert an den Wänden der Halle über Ursachen und Wege der Flucht. In den Gesprächen geht es häufig um alltägliche Probleme, die auftauchen, wenn die Menschen in Deutschland angekommen sind und hier ihr Leben neu ordnen müssen.

„Jussup wurde bereits kurz vor seiner Flucht in Syrien wegen einer Erkrankung an seinem Bein operiert. Als er sehr starke Schmerzen hatte, wollte er zum Arzt“, berichtet Yasmin Breuer, Initiatorin der Veranstaltung, von den Erlebnissen eines jungen Mannes, der neben ihr am Tisch steht. Einen Termin beim Arzt habe er jedoch zunächst nicht bekommen: Erst beim Hausarzt melden und überprüfen lassen, ob der Fall wirklich akut ist.

„Der Hausarzt wiederum konnte zunächst keine Ursache feststellen und wollte ihn schon wieder nach Hause schicken. Diesen ganzen Ablauf hat Jussup nicht verstanden, zumal er kein Deutsch kann. Er hat nur erlebt, dass er starke Schmerzen hat, aber keine Hilfe bekommt“, macht Breuer Alltagshürden anschaulich.

Begleitung übernommen

Als Ehrenamtliche hatte sie vor einiger Zeit die Begleitung der zehnköpfigen syrischen Familie übernommen, zu der auch Jussup gehört. „Für mich hat das Thema durch diesen persönlichen Bezug noch an Bedeutung gewonnen. Deswegen entstand die Idee zu der Infoveranstaltung“, sagt die Integrationsbeauftragte der SPD Tholey.

Mitstreiter habe sie rasch gefunden, etwa den „Runden Tisch Flucht“ der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg. „Wir übernehmen Patenschaften für Flüchtlinge und einmal im Monat laden wir zum Café-Treff im Schulzentrum in Theley ein“, berichtet Gemeindereferentin Marion Bexten, die die Gruppe aus rund 20 Ehrenamtlichen unterstützt.

Aufklärungsarbeit

Wichtig sei die Aufklärungsarbeit: viele Menschen wüssten über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland kaum Bescheid. So dauere es in der Regel mindestens ein halbes Jahr, bis ein Asyl-Anerkennungsverfahren abgeschlossen ist. Erst nach einem positiven Bescheid dürften die Menschen überhaupt einen Deutschkurs beantragen oder sich auf eine Arbeitsstelle bewerben.

Deswegen sei es so wichtig, dass schon vorher auf die Flüchtlinge zugegangen werde und sie Unterstützung erfahren.

Ab Mitte Juni wird dazu auch in Scheuern Gelegenheit bestehen: Eine siebenköpfige Familie aus Syrien wird in umgebaute Räume des Pfarrheims einziehen.red./ea

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