Aus der Not eine Tugend gemacht

Christliches Jugenddorfwerk und Lebenshilfe haben sich durch die Pandemie gefunden

HOMBURG Vom Bistum Speyer hatte die Lebenshilfe Saarpfalz das Anwesen des Kardinal-Wendel-Hauses (Begegnungs- und Seminarstätte, Ort für Bibelabende, Veranstaltungen des BDKJ u.v.m.) übernommen, um an dieser Stelle eine Kinder- und Jugendwohnstätte zu realisieren, welche auf der gegenüberliegenden Straßenseite derzeit errichtet wird.

„Die Corona-Pandemie hat sowohl beim CJD wie auch bei uns Spuren hinterlassen“, so Michael Immig, Geschäftsführer der Lebenshilfe Saarpfalz zur neu eingegangenen Kooperation mit dem Christlichen Jugenddorfwerk.

Wie alle Hotelbetriebe, Beherbungs- und Seminarstätten musste auch das Kardinal-Wendel-Haus Mitte März schließen und konnte erst im Sommer nach und nach den Regelbetrieb wieder in Angriff nehmen.

Gleichzeitig bekam das „über den Berg“ benachbarte CJD Probleme mit seiner internatsmäßigen Unterbringung, da zu normalen Zeiten von 200 Internatsplätzen 100 in Einzelzimmern und weitere 100 in Doppelzimmern untergebracht sind. Die letztgenannten mussten coronabedingt in Einzelzimmer umstrukturiert werden. 50 Teilnehmer galt es also auf andere Schlafeinrichtungen zu verteilen.

Das Kardinal-Wendel-Haus der Lebenshilfe hatte freie Kapazitäten für einen Teil der jungen Menschen und stellte zwölf Einzelzimmer mit jeweiligem Duschbereich zur Verfügung. So entstand eine Kooperation, die für beide Seiten eine Win-win-Situation darstellt. Die entsprechenden Teilnehmer waren bereits in ihre Zimmer eingezogen. Am Wochenende fahren sie zwar normalerweise nach Hause, aber gegebenenfalls wäre auch eine Vollversorgung über sieben Wochentage realisierbar.

„Als Nachbarn hat uns Corona zusammengeführt“

„Es haben sich zwei Partner gefunden und wir haben gemeinsam aus der Not eine Tugend gemacht“, so Michael Immig. „Wir helfen uns damit gegenseitig, haben in unserem Haus ein Stück weit mehr Auslastung und das CJD hat sein Platzproblem gelöst.“

„Als Nachbarn hat uns Corona zusammengeführt“, so CJD-Geschäftsführer Norbert Litschko. „Das CJD in Homburg ist eine große Einrichtung, die eine duale Ausbildung (mit Berufsschule vor Ort) für Menschen mit Handicap anbietet. Wir haben im Moment rund 400 junge Menschen in der Ausbildung und in der Unterbringung. Nach einer Zeit der Online-Betreuung und rollierenden Schulunterrichts kam vor rund drei Monaten der Wunsch seitens der Agentur wieder mehr in Realsituation zu gehen. Die Vorgabe war also, die Schulzeiten wieder real durchzuführen. Dafür mussten wir aber aus der Doppelzimmer-Situation raus. Von den rund 200 Internatsplätzen mussten die 50 Doppelzimmer einzeln belegt werden“, so Litschko. Also galt es, nach entsprechenden Möglichkeiten Ausschau zu halten. Im Kardinal-Wendel-Haus sei man sehr schnell auf offene Ohren gestoßen. Weitere der 50 Außenplätze sind in einer CJD-Einrichtung in Contwig und in einem Homburger Hotel untergebracht.

In den letzten Jahren nach Übergang des Kardinal-Wendel-Hauses an die Lebenshilfe Saarpfalz hat sich hier einiges geändert, da u.a. Ausbildungskonzepte für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienste nicht mehr en bloc mit Übernachtungen stattfinden, sondern fast nur noch als Tagesveranstaltungen durchgeführt werden. Dadurch stehen entsprechende Kapazitäten zur Verfügung. Durch die Lebenshilfe habe sich auch der Charakter des Hauses verändert, so Immig, es werden nun auch Ferienmaßnahmen für gemeinnützige Zwecke angeboten, zum Beispiel für Lebenshilfegruppen aus dem Schwarzwald oder auch Nordrhein-Westfalen. „Wir können es nicht unbedingt hier mit dem Schluchsee aufnehmen, aber mit den Homburger Schlossberghöhlen brauchen wir uns touristisch auch nicht zu verstecken“. Das Kooperationsengagement mit dem CJD ist zunächst befristet bis zum 31. Dezember, dann wird man weiter sehen, wie man aus der gegenseitigen Win-win-Situation auch in der Zukunft zusammenarbeiten kann.ks

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