Auf verfügbare Ressourcen blicken

Anstehende massive Änderungen im Protestantischen Kirchenbezirk Zweibrücken

ZWEIBRÜCKEN „Wir wollen nicht den Mangel verwalten, sondern Blick auf die Ressourcen richten, die wir haben,“ betonte Dekan Peter Butz. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten er und sein Stellvertreter, Senior Tilo Brach, über die anstehenden, massiven Veränderungen im protestantischen Kirchenbezirk Zweibrücken. Weniger Pfarrer, weniger Ehrenamtliche, weniger Gemeindeglieder und auch weniger Interesse an Kirche zwingen dazu, neue Wege zu beschreiten. Ein Blick auf die Altersstruktur der Pfarrer und Gemeinden zeigt: „So kann es nicht weiter gehen.“ Ein Teil der protestantischen Pfarrer gehen in fünf Jahren in Ruhestand, die Gemeinden schrumpften und seien überaltert. Bis 2025 werden drei der aktuell 19 Gemeindepfarrstellen im Kirchenbezirk Zweibrücken wegfallen. Die Landeskirche habe „keine Vorgaben gemacht“, wo die drei Stellen genau gestrichen werden müssten, das sei Aufgabe des Kirchenbezirks. Ob alle 16 Stellen dann jedoch besetzt werden können, hängt von der Anzahl der Bewerber ab. Jung-Pfarrer zu finden, die Gemeinden mit allen Anforderungen übernehmen, werde immer schwieriger. Das liege daran, dass Pfarrer oft Aufgaben übernehmen müssten, die Zeit und Energie kosten, die ihnen für ihre eigentliche Aufgabe, die Seelsorge, dann fehlt. Zudem fordert der grundsätzliche Wandel der Gesellschaft die Kirche heraus. „Die Welt hat sich verändert. Die Bindungskraft lässt nach, Menschen gehen heute hierhin, morgen dorthin. Das merken nicht nur Vereine, das merkt auch die Kirche“, beschreibt der Dekan. Sei früher jedes neu geborene Kind getauft worden und mit Ungetauften sogar mehr als 100 Prozent zur Konfirmation gegangen, sinke die Zahl der Täuflinge kontinuierlich. Konfirmiert würden dann noch weniger.

Umdenken auf allen Ebenen

Die Zukunftsfragen sollen lauten: Was haben wir? Wo können Gemeinden Schwerpunkte setzen? „Nicht jede Gemeinde muss weiterhin alles anbieten. Wo kaum Jugend ist, braucht es keinen Konfirmandenunterricht zu geben“, nennt Tilo Brach ein Beispiel. Das erfordere ein Umdenken auf allen Ebenen. Es gälte nicht, jemandem etwas weg zu nehmen, sondern vorhandene Potenziale für mehr Menschen nutzbar zu machen. Auf keinen Fall wolle man die Gemeinden vor Ort aufgeben und Großpfarreien entwickeln, doch die Strukturen der einzelnen Gemeinden sollen flexibler werden. Verbindungen und Kooperationen gebe es jetzt schon unter den Gemeinden, Feste wie etwa der Weltgebetstag würden gemeinsam gefeiert. Das solle intensiviert werden. In Werkstattgesprächen sollen daher nicht nur die Pfarrer, sondern alle Interessierten aus den Gemeinden mit einbezogen werden. Eine Vorgehensweise, die Modell-Charakter besitzt, denn der Kirchenbezirk Zweibrücken will rechtzeitig planen und handeln und nicht erst, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Gemäß Martin Luthers Postulat „Priestertums aller Gläubigen“, wollen die Protestanten zudem aus den Problemen der Katholischen Kirche mit ihren Gemeindereformen vom grünen Tisch herab lernen.

Ein zehnköpfiges Gremium hat sich dennoch bereits im Vorfeld Gedanken gemacht, wie der Wandel angegangen werden kann. Vor allem müssten Pfarrer von Aufgaben entlastet werden, die nicht die ihren sind und von denen sie eigentlich nichts verstehen. Dazu gehöre neben der übergreifenden Personalführung etwa auch die Gebäudeverwaltung. Diese soll ebenso zentralisiert werden, wie das mit der Verwaltung der Kindergärten bereits sehr erfolgreich geschehen ist. „Wir sind dabei, eine genaue Bestandsaufnahme unserer Gebäude zu machen“, erklärt der Dekan. Welche Gebäude würden wie genutzt und welcher Investitionsbedarf stehe kurz-, mittel- und langfristig an. Zwei Drittel sei bereits erfasst. Doch gelte es auch, das Bild der Pfarrer in Zukunft zu verändern. Zentrale Frage ist für Tilo Brach: „Wie erreichen wir unsere Gläubigen der neuen Zeit?“ Aktuell werde 90 Prozent der Arbeitskraft in zehn Prozent der Kirchenmitglieder investiert.

Dabei müsse nicht nur die Form, wie die Botschaft von Jesus Christus weitergegeben werden kann, angesprochen werden. Thema sei auch, wie man Gremienarbeit so gestalten kann, dass sie wieder mehr Interessenten findet. Die neuen Presbyter, die im März bei den Wahlen kandidieren wollen, sollen laut Dekan bereits jetzt mit ins Boot geholt werden. Geplant sind vier Werkstatttage. Um die Teilnehmerzahl überschaubar zu halten, finden diese an verschiedenen Orten statt. Bei dem ersten Treffen soll es um eine Bestandsaufnahme gehen und erste Vereinbarungen getroffen werden. Die zweite Runde sei noch für dieses Jahr geplant.

Termine

Der Protestantische Kirchenbezirk Zweibrücken lädt jeweils samstags von 9 bis 14 Uhr zum ersten Werkstatt-Tag ein: am 8. Februar in Contwig (genauer Ort noch nicht bekannt), am 29. Februar in der Zweibrücker Karlskirche und am 21. März im Käthe-Luther-Haus in Blieskastel cvw

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