Asyl- und Wirtschaftspolitik zu eng verzahnt?

Lamine Conté (Haus Afrika e.V.) kritisiert Ungleichbehandlung von Flüchtlingen aus Eritrea

SAARBRÜCKEN In den 17 Jahren seines Bestehens bemüht sich der Verein Haus Afrika um den Brückenschlag zwischen Menschen afrikanischer Herkunft und dem Saarland, informiert und leistet vielfältige Hilfe. Eine der zen­tralen Veranstaltungen des Vereins ist seit Jahren die gerade zu Ende gegangene Afrikawoche, mit der Haus Afrika e.V. 2015 erstmals gezielt die Öffentlichkeit gesucht und einen Großteil der Veranstaltungen auf dem Landwehrplatz angeboten hat. Im Mittelpunkt standen Fragen zum Aufenthaltsrecht, zum Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft und zur Integration.

Es sei ein wichtiger Schritt gewesen, in die Öffentlichkeit zu gehen, sich zu zeigen und über die Asylproblematik zu reden und zu diskutieren, sagt der Geschäftsführer von Haus ­Afrika, Lamine Conté, im Gespräch mit DIE WOCH. Er kritisiert – und stützt sich dabei auch auf Äußerungen im Rahmen einer Fachtagung Inte­gration innerhalb der Afrikawoche –, dass es von staatlicher Seite eine Ungleichbehandlung von Asylbewerbern gebe. Während Flüchtlinge aus Syrien meist in kürzester Zeit eine Aufenthaltsgenehmigung bekämen, müssten Flüchtlinge aus Eritrea oft jahrelang darum kämpfen.

Wirtschaftsinteressen vor Menschenrechten

Den Grund hierfür sieht Lamine Conté in der Verknüpfung von Asyl- und Wirtschaftspolitik. Den Syrern werde zugestanden, dass sie gemeinhin gut ausgebildet seien, was sie für Politik und Wirtschaft interessant mache. Es dürfe aber nicht sein, dass von behördlicher Seite Wirtschaftsinteressen vor Menschenrechte gestellt werden. Conté fordert deshalb, die Menschenwürde aller Asylbewerber gleichermaßen zu achten. Mit Nachdruck betont er dabei, dass sich seine Kritik nicht gegen die syrischen Flüchtlinge und ihren berechtigten Anspruch auf Asyl richte.

Auch die Eritreer hätten einen Schulabschluss, führt er weiter aus, auch unter ihnen gebe es Akademiker – ihre Flucht sei eine Katastrophe für das ostafrikanische Land. Viele Eritreer seien sehr jung, das biete doch eine große Chance für die Bundesrepublik. Viele Ausbildungsplätze seien hierzulande unbesetzt, und in jedem Einzelnen dieser Flüchtlinge stecke Potenzial.

Aufenthaltsrecht statt prekärem Status

Dazu sei es aber wichtig, dass man sich um diese Menschen kümmere, ihnen etwa für die Ausbildung eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis gewähre und ihren dauerhaft prekären in einen gesicherten Aufenthaltsstatus umwandele. Die meisten dieser Menschen gingen freiwillig nicht mehr zurück in ihre Herkunftsländer. Sollte aber im Asylverfahren jemand abgelehnt werden, dann müsse er auch zurückgeschickt werden, räumt Conté ein.

Dringend mehr getan werden müsste nach Überzeugung von Lamine Conté für die minderjährigen Flüchtlinge – und zwar rasch. Sonst drohe die Gefahr, dass die orientierungslosen Jugendlichen – auch unter dem Einfluss von Alkohol – straffällig werden. Dann folge zwangsläufig ihre Bestrafung, ein Teufelskreis komme in Gang, ohne dass noch nach den Ursachen gefragt werde. Haus Afrika e.V. kümmert sich nach Möglichkeit um diese Jugendlichen, werde auch um Hilfe gebeten, so Lamine Conté, wenn die Behörden nicht weiterkommen, aber finanziell wie personell stoße man da an Grenzen.

Der Geschäftsführer von Haus Afrika kritisiert in diesem Zusammenhang, Migrantenorganisationen im Saarland wie Haus Afrika, DeLaGe oder ELFE würden von der Politik zu wenig Unterstützung erfahren. Man erwarte von ihnen zwar professionelle Arbeit, aber die finanziellen Mittel dafür würden nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt. tt

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