Anregungen von Theodor Fontane

Gemeinschaftsschülerin Aimée Dillschneider siegt beim Tholeyer Wortsegel-Schreibwettbewerb

ORSCHOLZ/THOLEY Bereits zum 15. Mal wurde in diesem Jahr der Wortsegel- Schreibwettbewerb von der Gemeinde Tholey und dem Ministerium für Bildung und Kultur zur Förderung des kreativen Schreibens ausgeschrieben.

Zur Teilnahme am Wettbewerb sind alljährlich alle Schüler der Jahrgangsstufen drei bis 13 eingeladen, selbst als Dichterin oder Dichter aktiv zu werden. Nach Angaben der Veranstalter erreicht der Wettbewerb mit 350 Teilnehmern mittlerweile eine sehr breite Schülerschaft. In diesem Jahr hatte der einzige Lyrikwettbewerb des Saarlandes Theodor Fontane zum Thema, dessen Geburtstag sich am 20. Dezember 2019 zum 200. Mal jährte.

Zitate und Themen des Dichters sollten den Schülern Anregungen geben, selbst ein Gedicht zu schreiben. Zehn Zitate des Dichters standen als Schreibimpulse für die Teilnehmer zur Auswahl.

Von der „Gemeinschaftsschule an der Saarschleife“ stellten sich Lena Reiland, Melissa Gerhardt und Aimée Dillschneider aus dem Deutsch A-Kurs der Klassenstufe 9 (Nicole Feldenz-Mauß) der Herausforderung. Aimée Dillschneider errang in ihrer Altersgruppe (8. bis 10. Klassenstufe) den ersten Platz, der mit einem Preisgeld der Stadt Tholey sowie einem Sachpreis des Ministeriums dotiert ist.

Außerdem wird ihr Gedicht mit den Werken der weiteren Preisträger in einer Broschüre veröffentlicht.

Aufgrund der derzeitigen Einschränkungen musste die große Feierstunde leider ausfallen.

Das Gedicht der Siegerin:

Als ich morgens mein Klassenzimmer betrete

Ich gehe durch die Schule als wie im Traum.

Als ich morgens das Klassenzimmer betrete, sehe ich,

wie der Lehrerliebling,

stets höflich und korrekt,

dem Lehrer eine Falle stellt,

wie der Homophobe,

seinen Freund küsst,

denn sie sind zusammen,

wie die Immerschöne,

ungewaschen und mit Augenringen,

schnell noch das letzte Make-Up entfernt,

wie die Anti-Klimaaktivistin,

sorgfältig den Müll trennt,

denn sie will die Umwelt schützen,

wie die Unpünktliche,

zeitig wie eh und je,

schon mal ihren Platz besetzt,

wie der Sexistische,

Werbung für die Frauenquote macht,

denn er ist für Frauenrechte,

wie der Träge,

mit schnellem Reflex,

gerade noch so die fallende Flasche fängt,

wie die Rassistin,

sich zu ihrer syrischen Freundin setzt,

denn sie verstehen sich wunderbar.

Alles normal, denke ich, und setze mich in die letzte Reihe,

um den nächsten Gag vorzubereiten,

denn ich bin ja der Lehrer.

red./ti

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