Am Saum des Raumes

Ausstellung mit großformatigen Pinselzeichnungen und Rauminstallationen

KAISERSLAUTERN „Am Saum des Raumes“ heißt eine Ausstellung mit großformatigen Pinselzeichnungen, Skulpturen sowie Rauminstallationen von Julia Steiner im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk), die vom 8. Februar bis 19. Juli zu sehen ist.

Eröffnet wird diese ungewöhnliche Ausstellung am Freitag, 7. Februar, um 19 Uhr mit einem Podiumsgespräch, an dem neben der Künstlerin Dr. Thomas Köllhofer, Leiter der Graphischen Sammlung der Kunsthalle Mannheim, Dr. Britta E. Buhlmann, Direktorin des mpk, und Dr. Svenja Kriebel, Kuratorin der Ausstellung, teilnehmen.

Es sind Werke der Gegensätzlichkeit. Julia Steiners Arbeiten – mit dem Pinsel gezeichnet – haben mitunter eine monumentale Größe und strahlen dennoch etwas flüchtig Zartes aus. Rahmenlos wuchern sie über das Papier hinweg und besetzen den Raum. Für den Moment eingefrorene Prozesse – wie Wind, der durch Wolken fegt, die Nacht durchdringendes Licht oder auseinanderberstende Erde – verschaffen sich auf energische Weise Raum. Doch wer ein Motiv erkannt zu haben meint, verliert es alsbald in der dann doch abstrakten malerischen Zeichnung, ihren zarten Grautönen sowie dem scharfen Kontrast von Schwarz und Weiß und sucht aufs Neue.

Es wundert daher kaum, als thematische Schwerpunkte Steiners „Raum und Zeit“, „Bewegung und Vergänglichkeit“ auszumachen. Es sind abstrakte Inhalte, die über die körperliche Wahrnehmung in Gefühl übergeleitet werden. Ihre Werke sprechen schon allein aufgrund ihrer Größe (Zeichnungen von mehreren Metern Länge und Höhe) unmittelbar das Körpergefühl an, machen es bewusst und verbinden es mit dem Sehen, der Bewegung und jeweils individueller Erinnerung: Raum und Zeit werden als wichtige Wahrnehmungsparameter bewusst und damit zugleich befragbar.

Für die Besucher beginnen Erfahrungen schon im ersten Moment, indem sie das Museum betreten. In der sechs Meter hohen Eingangshalle und dem Treppenhaus erwarten sie Zeichnungen auf allen Wänden und auch auf den Decken. Somit treten sie mitten in die Bildwelt ein und sind von ihr umgeben. Man kann sich ihr nicht entziehen. Es gibt keinen Blickpunkt, von welchem sich die Raumzeichnung als Ganzes erfassen lässt. Mit jeder Bewegung verändert sich der Ausschnitt und verlangt eine Überprüfung der eigenen Position. Zusätzlich lösen sich die Grenzen des Raumes optisch scheinbar auf; reale Ecken verschwinden, fiktive Öffnungen entstehen.

Installative Werke betonen Horizontale und Vertikale, verändern damit das Raumgefühl und machen auch hier Unterschiede von Raumwahrnehmungen deutlich. Gegensätzliche Materialität und Körperlichkeit, die zum Beispiel Papierarbeiten und in verlorener Form gegossene Bronzeskulpturen mit sich bringen, betonen dies. Unterschiedliche Zeitebenen durchdringen sich. Zeichnungen von bis zu acht Metern Länge dokumentieren die Herstellungszeit und den körperlichen Einsatz sowohl der Künstlerin als auch der Betrachterinnen und Betrachter. Ihre notwendige Bewegung macht das Sehen zum vielschichtigen bewussten Prozess.

Aus Glasplatten zusammengesetzte Modellräume, teilweise mit durchlässigen Zeichnungen versehen oder mit verschiedenen Materialien kombiniert oder gefüllt, zeigen weitere Möglichkeiten, über den Raum anschaulich nachzudenken. Innen und außen, Transparenz und Durchlässigkeit, Grenzen und Übergänge sind dabei wichtige Stichwörter. Sie werden ergänzt um das Provisorische, Fragile und damit auch Vergängliche – insgesamt Verhältnisse, denen an sich Zeitlichkeit eingeschrieben ist.

Julia Steiner, 1982 in Büren zum Hof bei Bern geboren, studierte von 2002 bis 2007 an der Hochschule der Künste sowie Kunstgeschichte an der Universität in Bern, 2005 absolvierte sie ein Auslandssemester an der Universität der Künste in Berlin und besuchte von 2006 bis 2008 die Pädagogische Hochschule Bern. 2018/19 hatte sie die Verwaltungsprofessur für die Fachklasse Zeichnen an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig inne. Steiner wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2017 mit dem Wiener Strabag Art Award International.

Der Entstehungszeitraum der Arbeiten reicht von eignes für die Ausstellung entwickelten und jüngsten Arbeiten bis zurück in die letzten achten Jahre. Zur Ausstellung, die auch mit Hilfe der Unterstützung vom Kanton Basel-Stadt und der Schweizer Kunst- und Kultur-Stiftung Pro Helvetia ermöglicht wird, erscheint eine Publikation mit Ausstellungsansichten und einem Text von Svenja Kriebel auf Deutsch und Englisch.

as Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.mpk.de.red./dos

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