Altes Gemäuer mit Überraschungen

Sanierung des Landratsamts in St. Wendel offenbarte erhebliche Mängel

ST. WENDEL Bei der Sanierung des Landratsamtes in St. Wendel sind erhebliche Mängel in der Tragfähigkeit einiger Stellen der Deckenkonstruktion festgestellt worden. „Noch zwei oder drei Monate, dann wären uns die Decken wohl an der einen oder anderen Stelle heruntergekommen“, erklärte hierzu der Architekt Bernd Brill bei einer Besichtigung der Sanierungsmaßnahmen.

„Die Balken sahen rein äußerlich zwar noch recht ordentlich aus, waren im Inneren aber teilweise vollkommen zerstört.“

Zuvor erläuterte der Hausherr, Landrat Udo Recktenwald, die Baumaßnahmen. Nach Abschluss der Arbeiten, voraussichtlich im zweiten Quartal 2021, soll das Gebäude das Jugendamt beherbergen. „Es ist uns im Zuge der Sanierung möglich geworden, dass das Jugendamt hier nun komplett unter einem Dach unterkommen kann“, freute sich der Landrat über die Entwicklung zum neuen Jugendamtsgebäude.

Nach dem Sozialamt und dem Jobcenter wird künftig auch das Jugendamt zentral an einer Stelle zu finden sein, erläuterte er weiter. „35 Mitarbeiter werden hier ihren Arbeitsplatz haben, wobei sich einige Mitarbeiter im Zeichen von Homeoffice auch den einen oder anderen Arbeitsplatz teilen werden.“ Als stadtbildprägendes Schmuckkästchen bezeichnete der Landrat das historische, fast 120 Jahre alte Gebäude. Als erstes eigenes Landratsamt des Kreises kommt dem Erhalt des Gebäudes eine große Bedeutung zu.

Ursprünglich war nur geplant das Obergeschoss zu entkernen und zu sanieren. „Wehe man macht die Decke auf und schaut hinein“, umriss Udo Recktenwald die Offenbarung der Überraschungen, die das alte Gemäuer zu bieten hatte. So wurde aus einer kleinen Sanierung im laufenden Betrieb eine Generalüberholung inklusive der energetischen Sanierung, der Innenraumdämmung, der Erneuerung der elektrischen Installationen, Wand-, Boden- und Deckenarbeiten, der sanitären Anlagen und vieles mehr wie beispielsweise der Installation von Brandschutztüren. Außerdem wird zurzeit auch die denkmalgeschützte Fassade restauriert.

Von ursprünglich 600000 Euro Sanierungskosten ist das Projekt nun auf 2,2 Millionen Euro angewachsen. 100000 Euro davon, insbesondere für die Sanierung der Fenster und Ausbesserung der Sandsteinschäden, werden aus Mitteln des Denkmalschutzes bezuschusst.

Als oftmals ersten Eindruck von der Kreisstadt bezeichnete die Bundestagsabgeordnete Nadine Schön das historische Landratsamtsgebäude im Hinblick auf die Bahnreisenden, die vom Zug oder vom Bahnhof aus das alte Bauwerk als eines der ersten der Stadt sehen. Umso wertvoller ist daher die Erhaltung solch alter Gebäude mit Geschichte.

„Es ist nicht ungewöhnlich bei einem Denkmal, dass es während der Sanierung zu Überraschungen kommt. Wichtig ist dann aber, dass man das Projekt nicht aufgibt, sondern in Form einer nachhaltigen Maßnahme weiter verfolgt“, dankte der Landeskonservator vom Landesdenkmalamt, Dr. Georg Breitner dem Engagement des Landkreises. jam

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