Als Geisterfahrer auf dem Rad

Auch für Fahrradfahrer gilt der Grundsatz: Sehen und gesehen werden

SAARBRÜCKEN Radfahrer, die bei Dunkelheit ohne Beleuchtung unterwegs sind, gefährden sich und andere Menschen in höchstem Maße! Fälschlicherweise glauben viele, dass man das Licht am Rad doch nur brauche, um selbst besser zu sehen. Dabei geht es hauptsächlich darum, gesehen zu werden!

In einer hell erleuchteten Straße hat zwar der Radfahrer ausreichende Sichtverhältnisse, wird aber von anderen Verkehrsteilnehmern nur als vorbeihuschender Schatten bzw. als Silhouette wahrgenommen, weil er eben nicht genug auffällt. Besonders gefährlich ist diese Situation für Fußgänger, die über die Straße gehen. Im Lichtkegel entgegenkommender Autos ist der „Geisterradler” nämlich nur schemenhaft und oft erst in letzter Sekunde zu erkennen, so dass eine hohe Unfallwahrscheinlichkeit gegeben ist.

Das Foto zeigt eine dunkel gekleidete Person auf einem Fahrrad ohne Beleuchtung beim Linksabbiegen. Bedingt durch die Scheinwerfer des Autos, versinkt der Oberkörper des Radfahrers fast völlig im Nachthimmel.

Leider ist häufig zu beobachten, dass sogar Grundschulkinder bei Dunkelheit mit unbeleuchteten Fahrrädern und dazu noch ohne Helm zur Schule fahren – ein erschreckender Zustand! Offensichtlich sind sich deren Eltern überhaupt nicht bewusst, welcher Gefahr ihr Kind dadurch täglich ausgesetzt ist, sofern sie überhaupt Kenntnis von der defekten bzw. fehlenden Beleuchtung am Rad haben.

Die Gründe für ein defektes Licht sind vielfältig und für den Laien z. T. schwer zu ermitteln: leere Batterien, Wackelkontakt, Kabelbruch bei Dynamolampen, Kurzschluss auf der Platine, durchgebrannte Birnchen oder mehrere Faktoren gleichzeitig. Als einfachste und sicherste Lösung eignen sich kabellose, akkubetriebene Lampen. Sie sind auch als Set (Frontstrahler und Rückleuchte) kostengünstig erhältlich und können ohne Werkzeug mit wenigen Handgriffen an Lenker und Sattelstütze mittels Gummiring oder Ratschenklemme fixiert werden. Ebenso schnell und problemlos sind sie zum Schutz vor Diebstahl auch wieder abnehmbar.

Moderne LED-Frontstrahler haben eine enorme Leuchtkraft. Deshalb sollte man die Lampe mit ihrem Neigungswinkel so einstellen, dass der Lichtstrahl wenige Meter vor dem Rad auf den Boden trifft und niemanden blendet. So lassen sich auch rechtzeitig Schlaglöcher oder Hindernisse erkennen.

Reflektoren an Pedalen und Speichen, sog. Katzenaugen, sorgen für zusätzliche Sicherheit sowie Reflexstreifen auf der Reifenwand (retroreflektierende Materialien). Dadurch wird das Rad auch bei seitlich auftreffendem Licht besser wahrgenommen.

Generell ist es empfehlenswert, ein Fahrrad in der dunklen Jahreszeit regelmäßig auf eine einwandfrei funktionierende Beleuchtung zu überprüfen. Dazu gehören das rechtzeitige Aufladen der Akkus als auch die Überprüfung der Lampen auf festen Sitz. Dunkle, unauffällige Kleidung macht den Radfahrer, wie das Foto zeigt, fast unsichtbar, insbesondere, wenn der Gegenverkehr die Aufmerksamkeit des Autofahrers dominiert.

Ratsam sind Reflektorbänder an Armen und Fußgelenken, helle Oberbekleidung und noch besser für Kinder wäre eine gelbe Warnweste mit Reflexstreifen, die viele Grundschüler bereits im Rahmen der „Sicherheitsaktion für Erstklässler 2019” vom ADAC erhalten haben. Darüber hinaus gibt es sogar Fahrradhelme mit Licht. Somit wären die wichtigsten Voraussetzungen erfüllt, um sich bei Dunkelheit auf dem Fahrrad sicher fortzubewegen.

Eine angepasste, vorausschauende Fahrweise mit entsprechendem Gefahrenbewusstsein aller Verkehrsteilnehmer trägt maßgeblich zu sinkenden Unfallzahlen bei! oj

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