Ängste Kernthema der Telefonseelsorge

Jahresbericht 2020 vorgestellt – Junge Menschen offenkundig deutlich stärker belastet als ältere

Saarbrücken. Immer mehr Menschen, vor allem Jüngere, suchen Hilfe bei der Evangelisch-Katholischen Telefonseelsorge Saar, weil sie von Ängsten geplagt sind. Wegen des deutlichen Anstiegs benannter Ängste hat die Telefonseelsorge das Thema „Angst“ in den Blickpunkt ihres Jahresberichts 2020 gestellt, der nun in Saarbrücken vorgestellt wurde.

„Angst scheint angesichts der Corona-Pandemie eine nur zu verständliche Reaktion auf die unterschiedlichen Bedrohungen, die wir augenblicklich erleben. Während die einen Angst vor Erkrankung und Tod haben, haben die anderen Angst vor finanziellen Katastrophen oder vor Einsamkeit und Einschränkung ihrer Freizeit“, sagt Diplom-Psychologin Heidrun Mohren-

Dörrenbächer, katholische Leiterin der Telefonseelsorge Saar.

Rund 11 500 Seelsorge- und Beratungsgespräche fanden im ersten Jahr der Pandemie telefonisch statt – 2 500 mehr als im Jahr 2019. „Um den Menschen für das Telefon eine bessere Erreichbarkeit ermöglichen zu können, wurden insbesondere für das Wochenende und die Abendstunden die Leitungen erweitert“, sagt der evangelische Leiter der Telefonseelsorge Saar, Pfarrer Volker Bier.

Im Jahresverlauf nannten die Anrufenden am Telefon vermehrt „Ängste“ als Grund (insgesamt 15,2 Prozent) für die Kontaktaufnahme. In der persönlichen Beratung waren Ängste für jeden dritten Ratsuchenden der Anlass für eine Beratung.

In der Onlineberatung, die zu über 60 Prozent von Menschen unter 30 Jahren genutzt wird, waren Ängste sogar der Hauptgrund für eine Anfrage. So gaben 31,4 Prozent der Ratsuchenden im Chat an, große Ängste zu haben. „Es scheint, als wären die jungen Menschen deutlich belasteter als die älteren. Es ist zu vermuten, dass Zukunftsängste, gleichzeitig fehlende Kontaktmöglichkeiten, der mangelnde Schutz und Austausch in den Peergroups und die Strukturlosigkeit während des Lockdowns die Unsicherheit und Hilflosigkeit deutlich verstärken“, sagt

Mohren-Dörrenbächer.

Die Gespräche und die Online-Seelsorge führten vor allem die 75 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge Saar. Sie sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr bereit, Menschen in Krisensituationen zuzuhören, sie zu unterstützen, zu trösten und neue Blickwinkel zu eröffnen. Neben den telefonischen oder elektronischen Gesprächen gibt es im Saarland zudem die Möglichkeit, die Beratung persönlich und vor Ort mit vier ausgebildeten Hauptamtlichen fortzusetzen. red./tt

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